Vaudoise erleidet Gewinneinbruch im Halbjahr

Philippe Hebeisen
Philippe Hebeisen, CEO Vaudoise. (Foto: Vaudoise)

Lausanne – Die Vaudoise Versicherung weist für das erste Halbjahr 2016 einen gegenüber der Vorjahresperiode deutlich tieferen Gewinn aus, ist aber in der Nichtlebensversicherung stark gewachsen. Während überdurchschnittlich hohe Versicherungsschäden auf das Ergebnis gedrückt haben, wuchs die Gruppe vor allem im Bereich der Personenversicherungen stark.

Der Gewinn der Gruppe sank in den Monaten Januar bis Juni um einen Drittel auf 60,2 Mio CHF. Grund dafür seien die aussergewöhnlich hohe Schadenbelastung im Monat Juni sowie ein unter dem Vorjahr liegendes Anlageergebnis, teilte die Vaudoise am Dienstag mit.

Höhere Schadenslast
Belastet wurde das Ergebnis vor allem in der Nichtlebensversicherung, wo sich die für die Branche wichtige Kennzahl Combined Ratio um 5,7 Prozentpunkte auf 99,9% verschlechtert hat. Im Juni hätten hohe Schäden in mehreren Branchen des Vermögensgeschäfts sowie ein grosser Unfall die Geschäftsentwicklung belastet, erklärt die Vaudoise. Das operative, versicherungstechnische Ergebnis rutschte so auf 35,2 Mio CHF von 53,4 Mio im ersten Semester 2015 ab.

Allerdings weist das Nichtlebengeschäft mit gebuchten Nettoprämien von 669 Mio CHF einen guten Anstieg von 5,8% aus. Damit liege man klar über dem Marktdurchschnitt von +0,5%, so die Vaudoise.

Wachstumstreiber waren die Personenversicherungen mit einem Prämienanstieg von 7,6%, was die Gruppe in erster Linie mit gezielten Tarifanpassungen etwa bei den Krankentaggeldversicherungen begründet. Gewachsen ist man aber auch im wichtigsten Portefeuille, der Motorfahrzeugversicherung (Prämien +3,7%).

Zurückhaltung im Lebensgeschäft
Bei Vaudoise Leben sind die Prämieneinnahmen derweil um beinahe die Hälfte auf 41,6 Mio CHF zurückgefallen. Aufgrund der anhaltend tiefen Zinsen bietet die Gruppe laut Mitteilung traditionelle Einmalprämienversicherungen nur noch sehr zurückhaltend am Markt an. Und aus denselben Gründen seien auch die Einnahmen bei den periodischen Prämien rückläufig gewesen.

Besserung erhofft sich die Vaudoise aus dem Anfang Jahr lancierten fondsgebundenen Produkt Rythmoinvest, das von den Kunden «sehr gut aufgenommen» worden sei. Derweil stärkte die Vaudoise im Lebensgeschäft aufgrund der tiefen Zinsen die Rückstellungen um 25 Mio CHF und das technische Ergebnis lag bei 31,8 Mio (VJ 33,9 Mio).

Weiter sei es gelungen, in einem anspruchsvollen Marktumfeld ein gutes Anlageergebnis zu erzielen, so die Vaudoise. Die Nettoperformance der Anlagen auf eigene Rechnung ging nicht annualisiert zum Vorjahr nur leicht auf 1,9% zurück. Die Anlageperformance zu Marktwert stieg derweil mit den gesunkenen Zinsen und dem damit verbundenen Anstieg des bilanzierten Werts der gehaltenen Bonds auf 3,7% (VJ 0,0%).

Das Eigenkapital weist die Vaudoise per Ende Juni mit 1,52 Mrd CHF und somit leicht unter dem Wert von Ende 2015 (1,54 Mrd) aus. Die annualisierte Eigenkapitalrendite betrug 7,9% (2015: 12,4%).

Aktie auf Talfahrt
Im Gesamtjahr 2016 will die Vaudoise weiterhin mit den Nichtleben-Prämien über dem Marktdurchschnitt wachsen. Falls sich die Finanzmärkte und die Schadenbelastung in der zweiten Jahreshälfte nicht negativ entwickelten, sei mit einem erneut «guten Ergebnis» zu rechnen, hiess es im Communiqué. Der Gewinn werde 2016 jedoch mit Sicherheit unter dem Vorjahresergebnis bleiben.

Dies stiess der Finanzgemeinde sauer auf. Die Halbjahreszahlen seien enttäuschend, kommentierten Analysten. An der Schweizer Börse fallen die Aktien bis am Nachmittag um 2,9% zurück während der Gesamtmarkt gemessen am SPI leicht zulegt. (awp/mc/upd/ps)

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