Zurich-Gruppe wächst und hält an Thomas Cook-Obergrenze fest

Zurich-Gruppe wächst und hält an Thomas Cook-Obergrenze fest
Zurich-CEO Mario Greco. (Foto: Zurich)

Zürich – Der Zurich-Gruppe ist im laufenden Jahr in der Schadenversicherung gewachsen. Rückenwind dazu gab es vom weltweit verbesserten Preisumfeld. Zu Reden gibt aber das Hick-Hack um Ansprüche aus der Pleite des deutschen Reiseveranstalters Thomas Cook.

Thomas Cook ist im September nach dem Aus der britischen Muttergesellschaft selbst ebenfalls Konkurs gegangen. Bilder von in Hotels gestrandeten Pauschaltouristen gingen um die Welt. Andere Kunden konnten ihre Reisen erst gar nicht antreten.

Die Zurich hatte mit Thomas Cook auch für den Fall einer Pleite eine Versicherung abgeschlossen. Doch das Problem ist, dass mit der darin verankerten Limite von 110 Millionen Euro bei weitem nicht alle Ansprüche beglichen werden können. Einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge waren am Ende bei Thomas Cook Buchungen im Wert von über 500 Millionen Euro ausstehend.

George Quinn, Finanzchef der Zurich, äusserte sich an einer Telefonkonferenz am Donnerstag mit Vorsicht zum Fall Thomas Cook. Schliesslich hagelte es in Deutschland sogar aus Regierungskreisen Kritik. „Aus unserer Sicht sind die Vertragsbedingungen klar formuliert und die Limiten klar festgesetzt worden“, sagte er. Diesen Vertrag werde man so erfüllen.

Vorteilhafter Preistrend
Weniger turbulent läuft es im Tagesgeschäft. Im grössten Teil, der Schaden­ und Unfallversicherung (P&C), zogen die Bruttoprämien in den Monaten Januar bis September um 2 Prozent auf 26,4 Milliarden US-Dollar an. Ohne Währungseffekte und Übernahmen wäre das Volumen gar um 7 Prozent angestiegen, wie die Zurich am Donnerstag mitteilte.

Ein wesentlicher Treiber des Wachstums seien die steigenden Preise gewesen, hielt Finanzchef Quinn fest. Am stärksten davon profitierte der für die Gruppe bedeutende nordamerikanische Markt. Dort wuchs das Volumen um 4 Prozent auf 11,9 Milliarden Dollar. Der positive Preistrend dürfte sich laut Quinn im kommenden Jahr fortsetzen.

Leicht rückläufig war dagegen das beinahe ebenso grosse Geschäft in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA): Die Prämieneinnahmen sanken in Dollar gerechnet um ein Prozent, legten aber bereinigt um 6 Prozent zu. Dazu hätten vor allem der Heimmarkt Schweiz und das britische Firmenkundengeschäft beigetragen, hiess es.

In den beiden kleineren Marktregionen Asien-Pazifik und Lateinamerika wuchs die Sachversicherung bereinigt um 14 und 21 Prozent. Besonders in Ländern wie Australien, Malaysia, Brasilien, Chile oder Argentinien brummte das Geschäft.

Rückgang im Lebengeschäft
Dagegen ging im Neugeschäft der Lebensversicherung das Jahresprämienäquivalent (APE) um 11 Prozent auf 3,17 Milliarden Dollar zurück. Auf vergleichbarer Ebene lag das Minus bei 6 Prozent. Die Kennzahl setzt sich aus den neu dazu gewonnenen laufenden Prämien und 10 Prozent der Einmalprämien zusammen.

In der Lebensversicherung machen auch der Zurich die niedrigen Zinsen zu schaffen. Zudem habe man im vergangenen Jahr zwei grosse Risikoschutzverträge an Land gezogen, was sich im laufenden Jahr nicht wiederholen liess, lautete die Begründung.

Der US-Partner Farmers, für den die Zurich Dienstleistungen erbringt, erwirtschaftete derweil Bruttoprämien in Höhe von 15,7 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von einem Prozent. Farmers wachse vor allem im Osten der USA und punkte mit innovativen Angeboten, wie etwa der bei Jungen beliebten Mietversicherung „Toggle“, erklärte Quinn.

Mit Zielen auf Kurs
Zu den ersten neun Monaten kommuniziert die Zurich keine Gewinnzahlen. Die Naturkatastrophen des dritten Quartals, wie zum Beispiel Hurrikan „Dorian“ auf den Bahamas, dürften die Rechnung aber nicht übermässig belasten. „Wir gehen von Kosten auf einem für uns normalen Niveau aus“, sagte Quinn dazu. Zudem könne man die Thomas Cook-Belastung zu einem Teil an Rückversicherungen weitergeben.

Mit den bis Ende 2019 gesetzten Zielen ist die Zurich auf Kurs. Man werde sie alle übertreffen, versprach Quinn. Im Fokus stehen da das Renditeziel von 12 Prozent und die geplanten Kostensenkungen. Die neuen Ziele für die Jahre 2020 bis 2022 stellt das Management kommende Woche am Investorentag in Londen vor. (awp/mc/pg)

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