Zurich übernimmt US-Agrarversicherer RCIS für rund 675 Mio USD

Kristof Terryn
Kristof Terryn, Group Chief Operating Officer bei Zurich. (Foto: Zurich)

Kristof Terryn, CEO von General Insurance bei Zurich. (Foto: Zurich)

Zürich – Die Zurich Insurance Group expandiert in den USA: Sie kauft von der US-Grossbank Wells Fargo den Agrarversicherer RCIS. Damit erschliesst sich die Zurich im Bereich US-Ernteversicherungen ein neues Tätigungsfeld. Analysten begrüssen diesen Schritt, auch wenn der Zukauf nicht ganz billig ist.

Die Zurich bezahlt für die Agrarversicherer Rural Community Insurance Agency Inc. (RCIA) und deren Tochter Rural Community Insurance Company (RCIC), die unter dem Namen Rural Community Insurance Services (RCIS) bekannt sind, einen Preis von rund 675 Mio USD. Zudem werden bis zum Abschluss der Transaktion für das Überschusskapital der Gesellschaft voraussichtlich weitere rund 375 Mio überweisen, wie es in der Mitteilung vom Freitag heisst.

US-Geschäft breiter abstützen
«Die Akquisition von RCIS wird unsere Risikodiversifikation im Bereich Schadenversicherung verbessern, da die Risiken in der Ernteversicherung nur eine geringe Korrelation mit unserem restlichen Portfolio aufweisen», wird Kristof Terryn, CEO General Insurance, zitiert. Auch werde man mit RCIS die Position unter den wichtigsten fünf Unternehmensversicherern in den USA sichern.

RCIS ist den Angaben nach Branchenführer im Bereich Ernteversicherung in den USA. Die Gesellschaft beschäftigt mehr als 4’000 Agenten und ist in allen 50 Bundesstaaten vertreten.

Zwischen der Zurich American Insurance Company und RCIS gibt es bereits heute Berührungspunkte. Die amerikanische Zurich-Tochter stellt für RCIS seit 2000 Rückversicherungen bereit und übernimmt im Rahmen eines Quota-Share-Abkommens 25% der an verschiedene Versicherer abgetretenen bzw. zedierten Teile des Geschäfts.

Im Jahr 2014 verzeichnete RCIS Bruttoprämien von etwas mehr als 2 Mrd USD, allerdings resultierte nach US GAAP-Rechnungslegung ein Verlust von 22 Mio und eine Combined Ratio von hohen und damit schlechten 107,9%. Rechnet man das zedierte Geschäft mit ein, hätte sich der Verlust gar auf 60 Mio USD belaufen. Grund für die «roten Zahlen» war in erster Linie eine Dürreperiode, wobei auch im laufenden Jahr eine solche zu Ernteausfällen geführt hat.

Einsatz von Überschusskapital
Die Übernahme wird die Zurich aus dem vorhandenen, rund 3 Mrd schweren Überschusskapital bezahlen. Nachdem die Übernahme des britischen Versicherungskonzerns RSA im Sommer geplatzt war, hatte die Zurich erklärt, dass im Februar über die Verwendung des überschüssigen Kapitals informier werde. Kapital das nicht im operativen Geschäft zum Einsatz kommt, will man an die Aktionäre zurückführen.

Der Abschluss der RCIS-Transaktion wird spätestens im ersten Quartal 2016 erwartet und das Geschäft soll 2017 vollständig integriert werden, so die Mitteilung. Und weiter rechnet die Gruppe damit, dass RCIS die für Übernahmen geltende Hurdle Rate einer Investmentrendite von mehr als 10% bis 2017 erreicht.

Analysten bewerten die Transaktion und die damit verbundene Risikostreuung als sinnvollen Schritt. Allerdings müsse der hohe Kaufpreis auch erst einmal verdient werden, so ein Experte. Die Dividendenausschüttung dürfte jedoch erneut 17 CHF je Aktie betragen, und falls keine weiteren Transaktionen bis Februar getätigt würden, dürfte das restliche überschüssige Kapital über ein Aktienrückkaufprogramm an die Aktionäre gehen. (awp/mc/upd/ps)

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