Zurich: Witwe des ehemaligen CFO Pierre Wauthier kritisiert Vorgehen

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Zurich-Hauptsitz am Zürcher Mythenquai. (Foto: Zurich Insurance Group)

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Zürich – Sieben Monate nach dem Selbstmord von Zurich-Finanzchef Pierre Wauthier kritisiert seine Witwe, Fabienne Wauthier, den Umgang des Schweizer Versicherers mit der Tragödie. Im ersten ausführlichen Interview seit dem Tod ihres Mannes fordert Fabienne Wauthier im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters eine vollständige Aufklärung der Umstände des Suizids.

Aus Sicht von Fabienne Wauthier gibt es noch viele offene Fragen, die das Unternehmen beantworten müsse. „Es geht uns nicht um Geld oder Rache“, betonte die Französin im Interview. Sie sei nicht zufrieden mit der Prüfung durch die Anwaltskanzlei Homburger im Auftrag der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma, sagte Fabienne Wauthier weiter. Diese Untersuchung ist zum Schluss gekommen, dass Pierre Wauthier bei der Zurich nicht übermässig unter Druck gestanden habe. Mit ihr selbst habe Homburger nie Kontakt aufgenommen, kritisiert die Witwe.

Witwe will an der GV auftreten
Fabienne Wauthier plant an der derzeit laufenden Generalversammlung des Versicherers aufzutreten und Fragen zur Aufarbeitung des Falls zu stellen. Sie wolle „ihre Betroffenheit darüber zum Ausdruck bringen, wie die Untersuchung des Selbstmordes abgelaufen sei“, schreibt das Newsportal Tagesanzeiger.ch.

de Swaan: „Haben Freitod von Pierre Wauthier gewissenhaft untersucht“
Zurich-Präsident Tom de Swaan hat an der Generalversammlung in seiner Rede unter anderem auch an den Freitod des Finanzchefs erinnert. „Auch wenn wir nie erfahren werden, was Pierre Wauthier zu seinem tragischen Entschluss brachte: Ich finde es wichtig und bin dankbar, dass die zuständigen Behörden und wir die Umstände sehr gewissenhaft und abschliessend untersucht haben“, sagte de Swaan an der GV vom Mittwoch laut Redetext.

Vorwürfe an Ackermann
Pierre Wauthier hatte sich im vergangenen August das Leben genommen und einen Abschiedsbrief hinterlassen. In diesem beschrieb er unter anderem das Verhältnis zum Verwaltungsratspräsidenten Joseph Ackermann, der kurz darauf von seinem Amt zurücktrat. Dies nachdem vonseiten der Trauerfamilie Vorwürfe laut wurden, die Umstände am Arbeitsplatz, insbesondere die Kommunikation mit Ackermann, könnten zum Suizid geführt haben.

Gemäss Finma-Überprüfung kein „unangemessener Druck“
Eine im Auftrag der Finanzmarktaufsicht (Finma) durchgeführte Überprüfung hat aber keine Hinweise darauf gegeben, dass auf Pierre Wauthier von Seiten des VR-Präsidenten oder irgendeines anderen Entscheidungsträgers „ungebührlicher oder unangemessener Druck“ ausgeübt worden ist. Zudem hatte die Finma die Darstellung der Finanzkennzahlen als angemessen bestätigt. Ackermann selber wies stets eine Mitverantwortung für Wauthiers Tod von sich. (awp/mc/pg)

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