AB Inbev bei Milliardenzukauf von SABMiller fast am Ziel

Carlos Brito - AB Inbev
AB Inbev-CEO Carlos Brito. (Bild: © Anheuser-Busch Inbev) AB Inbev

Carlos Brito, CEO Anheuser-Busch InBev. (Bild: © Anheuser-Busch InBev)

Leuven / London – Der weltgrösste Bierkonzern AB Inbev ist dank seiner erneut aufgestockten Übernahmeofferte im Milliardendeal um den Rivalen SABMiller fast am Ziel. Beide Konzerne hätten sich auf grundsätzliche Punkte für eine Fusion geeinigt, wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten. Das neue Gebot liegt bei 68 Milliarden Pfund (92 Mrd Euro). Mit dem geplanten Kauf der Nummer zwei der Branche kämen zu AB Inbevs Biersortiment mit Marken wie Beck’s oder Budweiser bekannte SAB-Namen wie Foster’s und Pilsner Urquell hinzu. AB Inbev-Aktien legten am Morgen um fast zwei Prozent und SABMiller-Titel um mehr als acht Prozent zu.

Der Bierbrauer von Budweiser will 44 Pfund je Aktie in bar an den Grossteil der Aktionäre des Konkurrenten zahlen. Das ist ein Aufschlag von rund 50 Prozent zum Schlusskurs vom 14. September. Die beiden grössten Aktionäre von SABMiller – der US-Tabakkonzern Altria und Bevco Ltd – sollen ihre Anteile gegen einen Mix aus speziellen AB-Inbev-Aktien und Bargeld abgeben. SABMiller hatte zuvor mehrere Offerten von AB Inbev zurückgewiesen. Schon seit Jahren wird über ein Zusammengehen beider Konzern spekuliert.

Wäre grösster Deal des Jahres
Laut britischen Übernahmegesetzen muss AB InBev ein formales Übernahmeangebot für SABMiller vorlegen. Die beiden Unternehmen haben aber bereits angekündigt, eine Verlängerung der Frist zu beantragen. In der Zeit sollen die Vereinbarungen offiziell gemacht werden. Unter anderem stimmte AB InBev zu, bei einem Scheitern des Deals drei Milliarden US-Dollar an SABMiller zu zahlen.

Der Kauf von SABMiller durch AB Inbev wäre der grösste Deal in diesem Jahr und eine der grössten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte. Gemeinsam wären beide Unternehmen bereits Ende 2014 auf einen globalen Marktanteil von mehr als 30 Prozent gekommen: Knapp jedes dritte Bier käme aus den Braukesseln des neuen Konzerns. Zusammen würden die Firmen einen Umsatz von jährlich 64 Milliarden US-Dollar erzielen.

Fusion dürfte in Brüssel auf dem Tisch landen
Ob die Behörden der Fusion ihren Segen geben werden, steht noch aus. Die EU-Kommission wollte die Megafusion der Bierriesen am Dienstag nicht kommentieren. Es liege bislang keine Anmeldung zur Genehmigung vor, teilte das Büro von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager auf Anfrage mit. Die Unternehmen müssten jetzt prüfen, ob sie ihr Vorhaben in Brüssel anmelden müssten.

Die Fusion dürfte allerdings allein aufgrund ihrer Grössenordnung in jedem Fall wohl auf dem Tisch der EU-Kommission als oberster Kartellbehörde Europas landen. Bei solch grossen Zusammenschlüssen ist es üblicherweise so, dass die Konzerne Firmenteile verkaufen oder bestimmte Märkte aufgeben müssen, um grünes Licht aus Brüssel zu erhalten.

Bierbranche steht unter Druck
Der Druck in der Branche ist indes gross: In den Industrieländern geht der Bierdurst allmählich zurück, nur durch Zukäufe kommen die grossen Unternehmen noch zu bedeutendem Wachstum. Verändertes Konsumverhalten und eine breitere Angebotspalette belasten die grossen Standardsorten. Unter anderem bieten die Konzerne daher auch verstärkt Mischgetränke und Nischensorten an. SABMiller ist neben Afrika auch im asiatisch-pazifischen Raum stark, AB Inbev in Mittel- und Südamerika. (awp/mc/upd/ps)

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