Anglo American plant Massenentlassungen in Südafrika

Chris Griffith

Johannesburg – Ein Ende der heftigen Arbeitskonflikte in Südafrika ist nicht in Sicht: Der weltgrösste Platinförderer Anglo American Platinum (Amplats) will Minen stilllegen und 14.000 der 57.000 Mitarbeiter entlassen. In der am Dienstag in Johannesburg veröffentlichten Mitteilung der Tochter des Rohstoffkonzerns Anglo American wird die mangelnde Profitabilität beklagt. Auch in anderen Sektoren wie den Goldminen und der Landwirtschaft gärt es. Neuer Tiefpunkt der gewalttätigen Streiks von Landarbeitern in der Provinz Westkap war der Tod eines 25-Jährigen.

Südafrikas Regierung verurteilte die Pläne des Platinkonzerns scharf. Amplats eigne sich die Bodenschätze des Landes an, entziehe sich aber der sozialen Verantwortung und einem Beitrag zum Wirtschaftswachstum des Landes, meinte Bergbauministerin Susan Shbangu. Die Regierung werde jetzt genau untersuchen, ob Amplats mit seinen überraschenden Massnahmen nicht gegen seine vertraglichen Verpflichtungen verstosse. Arbeitsministerin Mildred Oliphant forderte neue Verhandlungen zwischen den Tarifparteien.

Empörung bei den Gewerkschaften
Die Gewerkschaften reagierten empört. «Wir sind sehr schockiert», sagte der Sprecher der Nationalen Minengewerkschaft (NUM), Lesiba Seshoka, der Nachrichtenagentur dpa. «Wir fordern von den Arbeitnehmern nun Einigkeit und Disziplin, um gemeinsam mit der Betriebsverkleinerung umzugehen.» Triebfeder der gewalttätigen Minenarbeiterstreiks 2012 war die kleine, militante Gewerkschaft Amcu.

Rustenburg am stärksten betroffen – Platinumpreise steigen
Am stärksten würde es nach Angaben des Unternehmens den Standort Rustenburg mit 13.000 Arbeitern treffen. Das neue jährliche Platin-Förderziel wurde nach unten auf 2,1 bis 2,3 Millionen Unzen pro Jahr korrigiert. Das würde eine Reduzierung um 400.000 Unzen bedeuten. Der Platinumpreis stieg auf dem südafrikanischen Rohstoffmarkt am Dienstag um mehr als zwei Prozent.

Amplats plant wieder Einstellungen in neuen Bereichen
Insgesamt will der Konzern die jährlichen Aufwendungen um 3,8 Milliarden Rand (327 Millionen Euro) senken und Investitionen zurückfahren. 2011 war der Gewinn des Unternehmens trotz eines zweistelligen Umsatzwachstums um 28 Prozent gefallen. Der Bergbaukonzern steuerte zuletzt rund 40 Prozent zur weltweiten Platin-Förderung bei. Amplats verwies auf die «sinkende Profitabilität in den letzten Jahren und einen «bedenklichen wirtschaftlichen Druck seit geraumer Zeit.» In der Mitteilung des Unternehmens wird allerdings auch angekündigt, dass es Neueinstellungen von 14.000 Mitarbeitern in neuen Bereichen plane.

60 Tote bei Protesten im vergangenen Jahr
In Rustenburg hatten die Arbeitgeber 2012 nach heftigen Streiks die Löhne zum Teil deutlich erhöht. Amplats hatte die Streiks als illegal bezeichnet und deshalb zwischenzeitlich 12.000 Arbeiter entlassen. Die Streiks waren Teil von Arbeitskämpfen in vielen Minen des Landes. Bei Polizeieinsätzen und Gewalttaten von Arbeitern kamen insgesamt mehr als 60 Menschen ums Leben.

Schwelender Arbeitskonflikt in Mine nahe Johannesburg
Auch in anderen Minen Südafrikas gärt es. Das Unternehmen Harmony Gold hat den Arbeitnehmern der Kusasalethu Mine nahe Johannesburg 60 Tage Zeit zur Lösung einen lange schwelenden Arbeitskonflikts gegeben. Sollten die Verhandlungen scheitern, droht die Firma mit dem Abbau von 6000 Arbeitsplätzen. Angesichts der Gewalttaten und Zerstörungen während der Streiks hatte Firmenchef Graham Briggs betont, dass «dies nicht mehr so weiter gehen kann».

Polizei tötet protestierenden Farmarbeiter
Im Streik befinden sich auch Tausende von Farmarbeitern in der Provinz Westkap. Ein Arbeiter wurde am Montag nach Zeugenaussagen von Gummigeschossen der Polizei getötet. Landarbeiter Monwabisi Kondile schilderte im Radio, wie ein Kollege bei dem Polizeieinsatz geflohen und dann von einem Gummigeschoss am Kopf getroffen worden sei. Der Mann sei später im Krankenhaus gestorben. (awp/mc/pg)

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