Mega-Fusion in US-Chemie: Dow und DuPont schliessen sich zusammen

Andrew Liveris
Andrew Liveris, scheidender DowDupont-Chairman.

Dow-CEO Andrew Liveris.

Midland / Wilington – In der Chemiebranche kommt es zu einer Rekord-Fusion: Die US-Grosskonzerne DuPont und Dow Chemical wollen sich zusammenschliessen. Mit der neuen DowDuPont entstehe zunächst der weltgrösste Chemiekonzern noch vor dem alten Spitzenreiter BASF aus Deutschland, teilten beide Unternehmen am Freitag mit. Es ist die grösste Firmenhochzeit in der Geschichte der Branche.

Zunächst entsteht bei der Fusion unter Gleichen ein Gigant mit einer Marktkapitalisierung von rund 130 Milliarden US-Dollar. Rein rechnerisch kommt DowDuPont laut Daten von 2014 mit fast 110 000 Mitarbeitern zunächst auf einen Umsatz von mehr als 86 Milliarden Dollar. Nach dem Zusammengehen soll der Konzern aber in drei einzelne und jeweils börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden. Zuvor war bereits über eine solche Transaktion spekuliert worden.

Reines Aktiengeschäft mischt Karten neu
Abgewickelt werden soll der Zusammenschluss als reines Aktiengeschäft. Dow-Aktionäre erhalten für jeden ihrer Anteilsscheine genau eine neue DowDuPont-Aktie, während DuPont-Aktionäre je Anteilsschein 1,282 DowDuPont-Aktien erhalten sollen. Damit halten die Dow und DuPont-Aktionäre jeweils rund die Hälfte an der neuen Gesellschaft.

Der Zusammenschluss soll bereits innerhalb der ersten 24 Monaten zu Kosteneinsparungen von rund drei Milliarden Dollar führen. Zudem seien etwa eine Milliarde Dollar aus Wachstums-Effekten zu erwarten. Mit einem Abschluss wird den Angaben zufolge im zweiten Halbjahr 2016 gerechnet, wenn die Behörden zustimmen. Danach solle innerhalb von 18 bis 24 Monaten die Aufspaltung in drei börsennotierte Spezialisten erfolgen. DuPont-Aktien standen im frühen Handel mit Abschlägen von fast sechs unter Druck, während Dow-Aktien knapp vier Prozent verloren.

«Richtiger Plan zur richtigen Zeit»
«Die Transaktion ist ein Game Changer für unsere Industrie», sagte Dow-Chef Andrew Liveris. Aus Sicht von DuPont-Chef Edward Breen wird die Fusion unter Gleichen kurzfristig erheblichen Wert durch Synergien schaffen. Die geplante Aufspaltung schaffe darüber hinaus einen noch grösseren Wert für Aktionäre, Kunden und auch mehr Möglichkeiten für die Mitarbeiter. Dow-Chef Liveris soll dem Aufsichtsrat vorstehen, während DuPont-Chef Edward Breen Chef des neuen Unternehmens werden soll.

Bei einer gemeinsamen Telefonkonferenz sprachen die Manager vom «richtiger Plan zur richtigen Zeit». Es entstünden drei starke Player als Marktführer. Der neue Agrochemie-Gigant kommt gemessen an den Zahlen von 2014 rein rechnerisch auf einen Umsatz von rund 19 Milliarden Dollar. Das Kunststoffgeschäft bringt rund 51 Milliarden Dollar Umsatz auf die Waage, und der neue Spezialchemie-Teil soll künftig für Erlöse von rund 13 Milliarden Dollar stehen.

Unter Analysten wird nicht mit viel Gegenwind durch Kartellbehörden gerechnet. Insgesamt gebe es trotz der Grösse wenig Überlappungen, hiess es. Aus Sicht der Experten von Bernstein muss sich der Konzern möglicherweise von einzelnen Saatgutaktivitäten trennen. Insgesamt dürften die Kartellhürde aber niedrig sein, heisst es auch bei anderen Analysten. Schliesslich stünden die neuen Gesellschaften etwa mit Rivalen wie den Agrarkonzernen Monsanto aus den USA und Syngenta aus der Schweiz sowie dem Pharma- und Chemiekonzern Bayer aus Leverkusen im Wettbewerb.

Aktionäre machten Druck
Das laufende Jahr war für DuPont bereits sehr turbulent gewesen. Im Oktober trat die langjährige Unternehmenschefin Ellen Kullman überraschend von ihrem Chefsessel zurück. Sie war von Seiten der Investmentfirma Trian Fund Management unter Druck geraten. Der Grossaktionär hatte kräftige Kostensenkungen und eine Aufspaltung des Konzerns gefordert. Diesen Vorschlag hatte Kullman zurückgewiesen. Neben der Fusion kündigte DuPont am Freitag ein weltweites Sparprogramm an. So sollen die Kosten 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 700 Millionen Dollar sinken.

Auch Dow-Chemical-Chef Liveris bekam den Druck eines aktiven Aktionärs zu spüren. Unter seiner Führung erholte sich Dow Chemical von einer Beinahe-Pleite während der Finanzkrise. (awp/mc/upd/ps)

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