Chinesen sollen SHL Telemedicine erwerben

Yariv Alroy

Yariv Alroy, Co-CEO SHL Telemedicine.

Tel Aviv – Das an der Schweizer Börse kotierte israelische Telemedizinunternehmen SHL Telemedicine soll an die private chinesische Investmentfirma Shanghai Jiuchuan verkauft werden. Unter dem Dach von Shanghai Jiuchuan will SHL im grossen chinesischen Telemedizin-Markt stärker Fuss fassen. Die SHL-Führung unterstützt die Transaktion, Analysten stören sich derweil an der geringen Prämie.

Shanghai Jiuchuan bietet im Rahmen einer sogenannten «umgekehrten Dreiecksfusion» (reverse triangular merger) 10,50 CHF je SHL-Anteil in bar, wie es in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung heisst. Dies entspreche gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag von 9,30 CHF einer Prämie von 12,9% respektive einem Aufschlag von 0,9% auf dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 60 Tage. Darüber hinaus sollen auch alle ausstehenden Optionen zum Zeitpunkt der Fusion abgegolten werden.

Vollübernahme bis im Oktober
SHL soll zu eine hundertprozentigen Tochtergesellschaft von Shanghai Jiuchuan werden. Der Abschluss der Transaktion ist für Oktober 2015 geplant, vorbehältlich der Zustimmung der Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung von Anfang September und weiteren üblichen Abschlussbedingungen. Die Aktie soll danach von der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange genommen werden.

Als Finanzberater von SHL fungierten Barclays und UBS. In einer Fairness Opinion hält Barclays fest, dass der von Shanghai Jiuchuan den SHL-Aktionären gebotene Preis je Aktie «fair» sei.

Bei der Bank Vontobel ist man im Gegensatz dazu überrascht, dass der Angebotspreis eine derart kleine Prämie zum Börsenwert beinhalte. Analystin Carla Bänziger hatte in ihrem Berechnungsmodell für SHL ein Kursziel von 14 CHF errechnet und senkt nun das Rating als Reaktion auf das Übernahmeangebot auf «Hold» von bislang «Buy».

Nach Ansicht von Bänziger beinhaltet der Deal in keiner Weise das Wachtumspotential in den USA. «Dieser Preis lässt darauf schliessen, dass der Verwaltungsrat und das Management keine andere Alternative für das Unternehmen gesehen haben», schliesst die Analystin.

Präsenz in China ausbauen
Nach einer sorgfältigen Evaluation strategischer Alternativen beabsichtigt SHL mit Shanghai Jiuchuan, die globale Marktstellung auszubauen. Basierend auf der starken Präsenz in Israel und Deutschland sowie vielversprechenden Wachstumschancen in den USA und anderen Regionen, könne man so bei der Erschliessung des grossen chinesischen Marktes auf einen starken lokalen Partner bauen.

Die Transaktion sei der «nächste logische Schritt» in der globalen Expansionsstrategie von SHL, so die Mitteilung. Vor diesem Hintergrund sehen der Verwaltungsrat und das Management für die SHL-Aktionäre einen «erheblichen Mehrwert» sowie «vielfältige Möglichkeiten» für Mitarbeitende und Kunden. Den Aktionären wird anlässlich der Generalversammlung vorgeschlagen, der geplanten Fusion zuzustimmen.

Im Gegenzug verschaffe sich Shanghai Jiuchuan mit dem Kauf von SHL einen direkten Zugang zum chinesischen Telemedizin-Markt. Der Investmentgruppe gehöre bereits ein anderes, hauptsächlich in der Entwicklung tätiges Unternehmen aus der Medizinaltechnologiebranche. (awp/mc/upd/ps)

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