Deutschland: Aussenhandel und Industrie mit Fehlstart ins zweite Quartal

Deutschland: Aussenhandel und Industrie mit Fehlstart ins zweite Quartal
Containerhafen Hamburg. (Foto: niemannfrank / AdobeStock)

Wiesbaden – In Deutschland haben Industrie und Aussenhandel im April überraschend schwach abgeschnitten. Internationale Handelskonflikte und wachsende politische Risiken sorgten für einen Dämpfer. Der schwache Auftakt ins zweite Quartal beunruhigt Experten, die sich teilweise besorgt über die weitere konjunkturelle Entwicklung zeigten.

Einen besonders kräftigen Rückschlag musste die Exportwirtschaft einstecken. Im April sind die Ausfuhren im Monatsvergleich um 3,7 Prozent gesunken, und damit so stark wie seit 2015 nicht mehr. Experten waren vom Ausmass des Rückgangs überrascht. Sie hatten nur einen Dämpfer um 0,9 Prozent erwartet.

Aussenhandel bleibt auf Wachstumskurs
Betrachtet man aber den gesamten bisherigen Jahresverlauf, liegt der deutsche Aussenhandel noch auf Wachstumskurs. Von Januar bis einschliesslich April summierten sich die Warenausfuhren auf 445,8 Milliarden Euro – das waren 1,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Vor dem Hintergrund der schwachen Exporte hat sich der Überschuss der deutschen Handelsbilanz im April spürbar auf 17,9 Milliarden Euro verringert. Im März hatte der Überschuss noch bei 22,6 Milliarden Euro gelegen.

Produktion geht um 1,9% zurück
Eine schwache Entwicklung zeigte sich auch bei der Industrieproduktion. Hier meldete das Statistische Bundesamt für April einen Rückgang von 1,9 Prozent im Monatsvergleich. Das ist das stärkste Minus seit August 2015. Analysten hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, allerdings nur von im Mittel 0,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat fiel die Herstellung um 1,8 Prozent.

Nach Einschätzungen der Deutschen Bundesbank wird das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr deutlich schwächer ausfallen als noch im Dezember erwartet. Die Ökonomen der Deutschen Bundesbank gehen nach Angaben vom Freitag nun von 0,6 Prozent Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2019 aus. Vor einem halben Jahr hatten die Volkswirte noch ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent für möglich gehalten.

Ökonomen runzeln die Stirn
Ökonomen zeigten sich über die April-Daten besorgt: Chefvolkswirt Deutschland der ING Bank, Carsten Brzeski, sprach von einem „Horror-Start ins zweite Quartal“ für die deutsche Industrie. Die Auswirkungen der Handelskonflikte und Probleme im Autosektor sowie in der chemischen Industrie hätten ihre Spuren hinterlassen.

Analyst Stefan Kipar von der BayernLB sah allerdings keinen Grund zur Panik. Die Produktionsdaten der deutschen Industrie seien durch den Ostereffekt nur eingeschränkt aussagekräftig. Zwar laste der schwache Warenexport auf der deutschen Wirtschaft, allerdings schüre der „zaghafte aufwärtsgerichtete Auftragseingang“ die Hoffnung, dass die Produktionskapazitäten der Unternehmen ausgelastet bleiben.

„Insgesamt bestätigen die Daten unsere Einschätzung, dass eine Rezession in Deutschland weiterhin nicht vor der Tür steht, das Wachstumstempo im Sommerhalbjahr aber gedämpft ausfallen wird“, sagte Kipar. (awp/mc/ps)

Statistisches Bundesamt

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