Eurozone erholt sich von Corona-Einbruch überraschend stark

Eurozone
(Bild: Adobe Stock)

Luxemburg – Die Wirtschaft der Eurozone hat sich im Sommer nach dem historischen Corona-Einbruch im Frühjahr überraschend stark erholt. So stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 12,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag in Luxemburg mitteilte.

Analysten hatten zwar mit einer kräftigen Erholung gerechnet, im Schnitt aber lediglich einen Zuwachs um 9,6 Prozent erwartet. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft noch um 11,8 Prozent eingebrochen.

Hohe Neuinfektionszahlen
Die Freude an den Finanzmärkten hielt sich jedoch in Grenzen. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist zuletzt deutlich gestiegen. Fast alle Länder der Eurozone haben erneut heftige Beschränkungen beschlossen. „Dies wird nicht ohne Folgen für die Wirtschaft bleiben“, kommentierte Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil. „Vor allem der Tourismus dürfte erneut schweren Schaden nehmen.“ Der Ausblick für das vierte Quartal habe sich merklich eingetrübt.

Zudem hat sich die Wirtschaft der Eurozone auch noch lange nicht von dem Einbruch im Frühjahr voll erholt. Gegenüber Sommer 2019 lag die Wirtschaftsleistung im Euroraum 4,3 Prozent niedriger.

Wachstum von 8,2 Prozent in Deutschland
In allen grossen Volkswirtschaften der Eurozone fiel das Wachstum deutlich stärker aus als erwartet. In Deutschland wuchs die Wirtschaftsleistung im Zeitraum Juli bis September gegenüber dem Vorquartal kräftig um 8,2 Prozent zu. Erwartet wurde lediglich ein Wachstum von 7,3 Prozent. Noch liegt das BIP in Deutschland jedoch 4,1 Prozent unter dem Vorjahreswert.

„Mit der grassierenden zweiten Welle sind neue dunkle Wolken am winterlichen Konjunkturhimmel aufgezogen“, kommentierte Christian Lips, Chefvolkswirt der NordLB. „Für das vierte Quartal ist allenfalls mit einer stagnierenden Wirtschaftsleistung zu rechnen, auch ein neuerlicher Rückgang des BIP ist möglich.“

Deutliche Erholung auch in Frankreich, Italien und Spanien
Noch deutlicher als in Deutschland wuchs die Wirtschaft in Frankreich, Italien und Spanien. Hier war die Wirtschaft im Frühjahr allerdings noch stärker eingebrochen, da die drei Länder besonders harte Massnahmen gegen die Corona-Krise ergriffen hatten. Die Regierungen sind jetzt wieder zu drastischen Lockdown-Massnahmen gezwungen. „Aus dem Traumsommer scheint ein Alptraumwinter zu werden“, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP-Bank. „Gerade in den südlichen Ländern drohe das Virus ausser Kontrolle zu geraten.“

Verwerfungen an den Märkten erwartet Gitzel nicht. „Die Europäische Zentralbank (EZB) verhindert mit ihren Anleihekäufen, dass die coronabedingten wirtschaftlichen Turbulenzen die Staatsanleihenmärkte der südeuropäischen Länder anstecken“, so Gitzel. So hatte die EZB am Donnerstag weitere Unterstützungsmassnahmen für den Dezember signalisiert. „Darüber hinaus wird die EU mit ihrem Wiederaufbaufonds für Wachstumsimpulse sorgen“, so Gitzel. (awp/mc/pg)

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