Deutsche Wirtschaft auf Schrumpfskurs – Industrie enttäuscht

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Containerhafen Hamburg. (Foto: Marco2811 – Fotolia.com)

Wiesbaden / Berlin / Frankfurt – Die deutsche Wirtschaft steuert auf ihr erstes Wachstumsminus seit rund zwei Jahren zu. Dafür sprechen zahlreiche schwache Konjunkturdaten in den letzten Wochen. Am Donnerstag enttäuschte die Industrieproduktion mit einem mauen Wachstum. Immer mehr Bankvolkswirte gehen nun davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal zurückgegangen ist. Wie es weiter geht, wird nicht zuletzt von der Entwicklung der Krise in der Ostukraine abhängen, kommentierten Beobachter.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts konnte das Verarbeitende Gewerbe seine Produktion von Mai auf Juni um lediglich 0,3 Prozent steigern. Das war deutlich weniger als Bankvolkswirte mit plus 1,2 Prozent erwartet hatten. Zudem wurde das kräftige Minus vom Mai bei weitem nicht aufgeholt. Im gesamten zweiten Quartal lag die Herstellung 1,5 Prozent niedriger als im ersten Vierteljahr, wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mitteilte. Besonders stark sank die Bauproduktion, nachdem sie während des milden Winters stark gestiegen war.

«Wirtschaft leidet unter Sommergrippe»
«Die deutsche Wirtschaft leidet unter einer Sommergrippe», sagte Commerzbank-Volkswirt Marco Wagner. Er rechnet für das zweite Vierteljahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung Deutschlands um 0,1 Prozent – «wobei wir hier eher noch Abwärtsrisiken sehen». Käme es so, wäre es das erste Jahresviertel mit einem Minus seit dem Schlussquartal 2012. Die anderen Euroländer und die Europäische Zentralbank sollten vorerst nicht auf Deutschland als Konjunkturtreiber hoffen, warnte der Experte.

Auch das Bankhaus Lampe geht davon aus, dass das Statistische Bundesamt am kommenden Donnerstag einen Rückgang der Wirtschaftsleistung melden wird. Allerdings wäre dies kein Zeichen für eine Rezession, sondern in erster Linie eine Gegenbewegung zum starken ersten Quartal, sagte Expertin Ulrike Rondorf. Die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf werde nicht zuletzt davon abhängen, wie Unternehmen und Verbraucher mit den zahlreichen Politkrisen umgingen: «Das grösste Risiko besteht derzeit wohl in einer breiten Verunsicherung, die zu einer erneuten Investitionszurückhaltung führt.» (awp/mc/ps)

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