Privatkonsum schiebt deutsche Konjunktur an – Lieferengpässe belasten

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(Adobe Stock)

Wiesbaden – Die deutsche Wirtschaft geht mit einem etwas schwächeren Wachstum im Rücken als angenommen in einen schwierigen Herbst und Winter. Angeschoben von der Konsumlust der Verbraucher stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Vierteljahr um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. In einer ersten Schätzung war die Wiesbadener Behörde von einem Plus von 1,8 Prozent ausgegangen. Gegenüber dem vierten Quartal 2019, also dem Niveau vor der Corona-Krise, fiel die Wirtschaftsleistung 1,1 Prozent geringer aus.

Angeschoben wurde Europas grösste Volkswirtschaft vom Privatkonsum, der kräftig um 6,2 Prozent zulegte. Der Export von Waren und Dienstleistungen schrumpfte dagegen um 1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Investitionen der Unternehmen in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge sanken um 3,7 Prozent, die Bauinvestitionen verringerten sich um 2,3 Prozent.

Die Industrie leidet unter Lieferengpässen, Rohstoffe und Vorprodukte wie Halbleiter sind knapp und teuer. Manche Unternehmen müssen die Produktion drosseln, Aufträge können nicht mehr so schnell abgearbeitet werden.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hatte sich im November daher weiter verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank den fünften Monat in Folge. «Lieferengpässe und die vierte Coronawelle machen den Unternehmen zu schaffen», kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Deutliche Abkühlung der Konjunktur erwartet
Ökonomen rechnen mit einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur in den kommenden Monaten auch wegen der Zuspitzung der Corona-Infektionslage, die den privaten Konsum als wichtige Konjunkturstütze dämpfen dürfte. Es wird befürchtet, dass Verbraucher aus Angst vor Ansteckung auf den Besuch von Gaststätten oder Veranstaltungen verzichten. Zudem haben zahlreiche Bundesländer damit begonnen, schärfere Corona-Beschränkungen einzuführen.

Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank dürfte die wirtschaftliche Erholung «zunächst eine Verschnaufpause einlegen». Das Bruttoinlandsprodukt könnte im vierten Quartal auf der Stelle treten, schrieb die Notenbank in ihrem aktuellen Monatsbericht.

Schon vor der Zuspitzung der Corona-Lage hatten Ökonomen ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr wegen der Lieferengpässe herabgesetzt. So erwarten beispielsweise die «Wirtschaftsweisen» in diesem Jahr inzwischen ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um 2,7 Prozent – im März war noch mit einem Plus um 3,1 Prozent gerechnet worden. Für 2022 ist das Beratergremium der Bundesregierung dagegen zuversichtlicher und erwartet einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung. (awp/mc/ps)

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