Deutschland: Industrieaufträge überzeugen nur auf ersten Blick

Industrie-Konjunktur

Berlin – Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie haben im Mai laut Experten nur auf den ersten Blick überzeugt. Bankvolkswirte verwiesen in erster Linie auf den ungewöhnlich hohen Anteil von Grossaufträgen, die für den überraschenden Anstieg verantwortlich seien. Ohne diese Komponente hätte sich sogar ein Rückgang der Neuaufträge ergeben.

Die moderate Abschwächung in der Industrie dürfte sich damit fortsetzen. Nach Zahlen des Wirtschaftsministeriums vom Mittwoch sind die Neuaufträge im Monatsvergleich bereinigt um 1,8 Prozent geklettert. Von dpa-AFX befragte Experten hatten hingegen mit einem Rückgang um 0,7 Prozent gerechnet. Der bereits kräftige Anstieg im Vormonat wurde nochmals leicht um 0,1 Punkte auf 2,9 Prozent nach oben korrigiert. Im Jahresvergleich stieg das Auftragsvolumen im Mai um bereinigt 12,2 Prozent, nach revidiert 10,6 (10,5) Prozent im Vormonat.

Inlandaufträge legen deutlich zu
Auch das Ministerium verweist auf einen sehr hohen Anteil von Grossaufträgen, vor allem aus dem Inland. Damit legten auch die Inlandsaufträge stark um 11,3 Prozent zu, während die Auslandsnachfrage um 5,8 Prozent nachgab. Bei den wichtigen Investitionsgütern erhöhte sich die Nachfrage um 2,4 Prozent, bei den Vorleistungsgütern lag das Plus bei 1,6 Prozent. Die Nachfrage nach Konsumgütern sank hingegen um 1,5 Prozent.

Auftragsbestand nicht nachhaltig
Laut UniCredit ist der aktuell sehr hohe Auftragsbestand der Industrie nicht nachhaltig. «Im nächsten Monat dürfte es eine starke Gegenreaktion auf den jüngsten Anstieg geben», heisst es in einer Studie. So seien die Auslandsaufträge bereits klar rückläufig. Zudem deuteten jüngste Stimmungsindikatoren auf eine Eintrübung hin. Auch laut Commerzbank verliert die deutsche Industrie an Fahrt. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich (April/Mai gegenüber Februar/März) stiegen die Auftragseingänge deutlich um 2,4 Prozent. Auch in dieser Rechnung legte die Inlandsnachfrage kräftig um 6,6 Prozent zu, die Auslandsnachfrage sank hingegen um 1,0 Prozent. Im Jahresvergleich stiegen die Bestellungen in dieser Rechnung um 11,4 Prozent. (awp/mc/ps/upd/ss)

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