Eon und RWE lassen jahrelange Konkurrenz hinter sich

Eon und RWE lassen jahrelange Konkurrenz hinter sich
Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender RWE AG. (Foto: RWE)

Essen – Zu Beginn steht ein Handschlag der beiden Chefs von Deutschlands grössten Energiekonzernen: Eon -Chef Johannes Teyssen und sein Gegenüber bei RWE , Rolf Martin Schmitz, demonstrierten am Dienstag auf der gemeinsamen Pressekonferenz betont Einigkeit. Die Lenker der beiden Konzerne, die früher in Rivalität verbunden waren, haben soeben den Energiemarkt in Deutschland neu aufgeteilt. Durch den umfangreichen Tausch von Geschäften sollen künftig zwei rein aufgestellte Unternehmen stehen, die sich nicht mehr in die Quere kommen. Eon kümmert sich künftig um Netze und Kunden, RWE um die Stromproduktion.

Ein Schritt, den vor zwei Jahren, als es schon einmal zu grossen Umbauten in den beiden Konzernen kam, kaum einer für möglich gehalten hatten. Doch die Auswirkungen der Energiewende sowie die sich rasch wandelnde Industrie hat zu einem Umdenken in den Chefetagen geführt. Die Technologien und Märkte hätten sich schneller geändert als erwartet, sagte Teyssen. Er gab zu, vor allem den raschen Technologiewandel bei den erneuerbaren Energien unterschätzt zu haben.

«Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser Neuaufstellung die deutsche und europäische Energiewende im Interesse aller Kunden und im Interesse einer sicheren und nachhaltigen Versorgung besser als in der heutigen Organisation zum Erfolg bringen können», betonte der Eon-Chef.

Weitreichender Tausch von Geschäften
RWE und Eon hatten sich auf einen weitreichenden Tausch von Geschäften geeinigt. Eon will dazu in einem ersten Schritt die RWE-Tochter Innogy komplett übernehmen und im Gegenzug den Konkurrenten RWE am eigenen Unternehmen beteiligen. Eon würde das lukrative Netzgeschäft und den Stromvertrieb von Innogy behalten, während die erneuerbaren Energien beider Konzerne unter dem Dach von RWE vereint werden sollen. RWE betreibt bisher nur konventionelle Kraftwerke.

Wer weltweit mithalten wolle, brauche «künftig eine deutlich grössere und internationalere Aufstellung als früher», sagte Teyssen. RWE-Chef Schmitz fügte hinzu: «Jetzt sind wir auf einen Schlag auf beiden Seiten exzellent aufgestellt.» Für RWE sei es darum gegangen, eine langfristige Perspektive zu schaffen. Die Transaktion zwischen RWE und Eon wurde dabei in kurzer Zeit geschmiedet, wie beide Manager erklärten. Wer nun der massgebliche Treiber der Neuaufstellung war, liessen sie offen. «Gute Ideen haben mehrere Väter», sagte Teyssen.

Dabei hatten sich die Konzerne erst vor gut zwei Jahren jeweils neu aufgestellt. RWE spaltete sein Geschäft mit erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb unter dem Namen Innogy ab. Eon wählte einen anderen Weg und brachte sein Kraftwerksgeschäft unter dem Namen Uniper an die Börse. Sowohl Schmitz als auch Teyssen verteidigten den Schritt, zum damaligen Zeitpunkt sei er richtig gewesen. Eon und RWE sei es in der Folge gelungen, ihre Bilanzen zu sanieren, die Verschuldung zu senken und sich dadurch den finanziellen Freiraum zu schaffen, um den nächsten Schritt zu gehen.

2016 hatten beide Unternehmen wegen Abschreibungen auf ihren Kraftwerkspark Milliardenverluste verbuchen müssen. Im vergangenen Geschäftsjahr konnten Eon und RWE die Verluste hinter sich lassen und wiesen wieder Gewinne in Milliardenhöhe aus, was den Aktionären mehr Dividende bescherte.

Künftige Eon kappt 5000 Arbeitsplätze
Die jetzt beschlossene Transaktion zwischen beiden Konzern soll bis Ende 2019 abgeschlossen werden. Eon sieht durch den Deal Synergien von 600 bis 800 Millionen Euro jährlich ab 2022. Nach ersten Berechnungen sollen dabei 5000 der dann insgesamt deutlich über 70’000 Arbeitsplätze bei der neuen Eon abgebaut werden. Die neue Eon käme auf pro-Forma-Basis auf ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) von rund 8 Milliarden Euro. Der Konzern in seiner jetzigen Aufstellung wies am Vorabend für 2017 knapp 5 Milliarden aus.

Der Anteil des regulierten Geschäfts, das damit planbar ist, würde von 65 auf 80 Prozent steigen, sagte Eon-Finanzchef Marc Spieker. Die Kundenzahl steige von rund 31 Millionen auf rund 50 Millionen. Ab dem zweiten Jahr nach Abschluss der Transaktion strebt Eon dann einen spürbaren Ertragszuwachs an sowie einen nennenswerten Anstieg für das Ergebnis je Aktie (EPS).

Durch die Integration des erneuerbaren Energiegeschäfts von Eon und Innogy wird RWE den Angaben zufolge über CO2-freie Erzeugungskapazitäten von rund 8 Gigawatt aus Wind Offshore und Onshore sowie Wasser und Photovoltaik verfügen. RWE werde so zur Nummer drei in Europa im Geschäft mit erneuerbaren Energien insgesamt und zur Nummer zwei in der Windkraft. Der Ausbau der erneuerbaren Energien entwickele sich zunehmend von einem regulierten Bereich zu einem normalen Wettbewerbsmarkt, sagte RWE-Chef Schmitz. Hierfür sei eine schlagkräftige Grösse «erfolgsentscheidend». Beide Produktpipelines ergänzten sich dabei «hervorragend».

Auch RWE sieht ein hohes Ertragspotenzial aus der Transaktion. Das Ebitda des Konzerns (ohne den Innogy-Beitrag) werde sich mit dem Abschluss der Transaktion fast verdoppeln, sagte RWE-Finanzchef Markus Krebber. 2017 hatte der Konzern ohne Innogy ein um Sondereffekte bereinigtes Ebitda von 2,1 Milliarden Euro erzielt. In Zukunft würden 90 Prozent des Ebitda aus dem operativen Geschäft kommen. Aktuell sind es 60 Prozent, zuzüglich der Innogy-Dividende. Ab 2020 sollen dann die erneuerbaren Energien rund 60 Prozent zum Ebitda beitragen und das konventionelle Geschäft und der Energiehandel 30 Prozent. Die restlichen 10 Prozent kommen aus den Minderheitsbeteiligungen.

RWE wird künftig knapp 17 Prozent an Eon halten. Diese Beteiligung sei ein reines Finanzinvestment, so Teyssen. RWE werde einen Sitz im Aufsichtsrat erhalten, dürfe die Beteiligung aber weder aufstocken noch an einen Wettbewerber veräussern, so der Manager.

Eon knüpfte am Mittag an ihre Kursgewinne vom Vortag an. Eon-Anteile legten um 4,1 Prozent zu. RWE-Papiere büssten nach anfänglichen Gewinnen hingegen zuletzt um 1,1 Prozent ein. Innogy-Aktien verloren 0,6 Prozent und notierten mit 38,46 Euro deutlich unter dem von Eon vorgesehenen Angebotspreis von insgesamt 40 Euro je Aktie inklusive Dividenden. (awp/mc/ps)

 

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