Generika-Pillen machen Pfizer zu schaffen

Pfizer-CEO Ian Read.

New York – Der US-Pharmakonzern Pfizer hat im dritten Quartal wegen harter Konkurrenz für ehemalige Kassenschlager erneut einen deutlichen Gewinnrückgang erlitten. Der Überschuss des in einem umfangreichen Konzernumbau steckenden Pharmariesen brach um fast ein Fünftel auf 2,6 Milliarden Dollar ein. Trotz der Belastungen durch Patentverluste habe sich Pfizer in einem herausfordernden Umfeld gut geschlagen, sagte Konzernchef Ian Read bei Vorlage der Zahlen in New York. Vor Sonderposten übertraf der Hersteller der Potenzpille Viagra mit einem Ergebnis je Aktie von 0,58 Dollar – ein Plus von 16 Prozent – die Erwartungen der Wall Street.

Für das laufende Geschäftsjahr schraubte Read aber die Umsatzerwartung nach unten: Beim Umsatz wird nun mit Erlösen in Höhe von 50,8 bis 51,8 (VJ: 59) Milliarden Dollar gerechnet. Damit wurde die obere Grenze um eine Milliarde abgesenkt. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) soll nun 2,15 bis 2,20 Dollar nach zuvor 2,10 bis 2,20 US-Dollar betragen. Beim Gewinn je Aktie wird Pfizer im laufenden Jahr von einem milliardenschweren Aktienrückkauf profitieren. An der Börse sorgten die Zahlen und der Ausblick für Verkäufe: Vorbörslich fiel die Pfizer-Aktie um 1,11 Prozent.

Konzern im Umbau
Pfizer-Chef Read hat dem US-Konzern, der durch spektakuläre Milliardenzukäufe gross geworden ist, einen Schrumpfkurs verschrieben. Unter seiner Ägide soll sich Pfizer stärker auf das margenstarke Kerngeschäft mit rezeptpflichtigen Arzneien konzentrieren. Grössere Geschäftsteile wie die Nahrungsmittelsparte wurden bereits verkauft. Die Sparte für Tiermedizin wurde unter dem Namen Zoetis an die Börse gebracht.

Beim Umsatz belasteten im dritten Quartal die anhaltende Umsatzerosion für den Blutfettsenker Lipitor sowie negative Währungseffekte. Das einst umsatzstärkste Medikament weltweit, das Pfizer zu seinen Glanzzeiten einen jährlichen Umsatz von fast 13 Milliarden Dollar einbrachte, lieferte im dritten Quartal Erlöse von 533 Millionen Dollar (VJ: 749). Deutlich zulegen konnte dagegen der Umsatz mit Medikamenten zur Behandlung von Krebs. Insgesamt sank der Umsatz aber um zwei Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar und verfehlte die Markterwartungen damit leicht.

Angreifer Novartis
Gut ein Jahrzehnt lang verteidigte der US-Konzern seine Position als weltweit grösster Hersteller von Arzneimitteln. Doch diese Zeit geht zu Ende. Der Schweizer Konkurrent Novartis hat Pfizer an der Weltspitze der grössten Arzneimittelhersteller abgelöst. Und auch der Basler Pharma- und Diagnostikkonzern Roche verbuchte im abgelaufenen dritten Quartal einen höheren Umsatz als der US-Rivale.

Pfizer steht wegen des Ablaufs der Exklusivität für den Blutfettsenker Lipitor vor schwierigen Zeiten. Read will den Konzern in drei Geschäftsbereiche reorganisieren: Eine Sparte für patentgeschützte Arzneimittel, Impfstoffe und Krebsmedikamente, eine zweite für rezeptfreie Medikamente (Consumer Healthcare) und eine dritte für Arzneien deren Patentschutz bereits abgelaufen ist oder bald ablaufen wird. Die neue Struktur soll Anfang 2014 greifen. (awp/mc/pg)

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