Griechische Exit-Szenarien: Konsequenzen für Europa und die Finanzmärkte

Griechische Exit-Szenarien: Konsequenzen für Europa und die Finanzmärkte

London – Shamik Dhar (Head of Investment Strategy) und Stewart Robertson (Ökonomen) vom globalen Asset Manager Aviva Investors haben die Situation Griechenlands vor den richtungsweisenden Neuwahlen am kommenden Sonntag untersucht und drei mögliche Szenarien erarbeitet. Im angehängten Dokument (English) wird analysiert, welchen Einfluss die möglichen Szenarien auf Europa und die Finanzmärkte hätten.

  • Kein Austritt – Durchwursteln (Wahrscheinlichkeit bei 40%): 
    Bei diesem Szenario würden Entscheidungsträger und griechische Politiker die Reissleine ziehen. In Erwartung, dass Griechenland die vereinbarten Ziele in absehbarer Zukunft nicht erreicht, würde der Internationale Währungsfonds (IWF) sein Programm entsprechend anpassen. Die Märkte werden mit einer befreienden Rallye reagieren, die danach wieder in volatile, seitwärts tendierende Marktbewegungen enden, wie wir sie in den vergangenen zwei Jahren beobachten konnten.

    Konsequenzen für die Anlageklassen: Aktien würden um 5-10% zulegen und den zurzeit überverkauften Markt wieder korrigieren. Deutsche Bundesanleihen, US-Treasuries und UK-Gilts würden zu Renditen von ungefähr 1.9%, 2% bzw. 2.1% abgestossen. Gleichzeitig würden die 10-jährigen spanischen Staatsanleihen auf 6% ansteigen und die italienischen auf 5.4%. Der Euro würde sich gegenüber dem USD auf 1.32 verteuern und wäre damit wieder fair bewertet. USD, JPY und CHF würden zudem gegenüber risikoreicheren Währungen an Wert zulegen.

  • Koordinierter Austritt (Wahrscheinlichkeit bei 40%):
    Die Troika würde die Auszahlung neuer Kredite stoppen. Griechenland wäre im Juni oder Juli zahlungsunfähig und müsste Schuldscheine herausgeben, die zur neuen Drachme führen. Die neue Drachme würde um 50% abgewertet und Griechenland kann die Verbindlichkeiten gegenüber der EU nicht mehr einhalten. Jedoch antworten die Entscheidungsträger schnell und bestimmt mit Einlagengarantien, anderen längerfristigen Refinanzierungsgeschäften und einem erweiterten Wertpapiermarkt, um weitere Konsequenzen und einen Dominoeffekt einzudämmen. Diese Massnahmen würden die Märkte beruhigen und eine Kapitalflucht verhindern.

    Konsequenzen für die Anlageklassen: Aktien würden zunächst um 15% sinken, danach aber positiv auf die politischen Massnahmen reagieren und um 20-30% steigen. Die Rendite deutscher Bundesanleihen würde bis auf 1,2% anziehen, bevor es zu einem Ausverkauf kommt. US-Treasuries und UK-Gilts würden ähnlich, wenn auch moderater reagieren. Die 10-jährigen spanischen und italienischen Staatsanleihen würden bis zu einer Rendite von 6.7% bzw. 6.5% gehandelt werden. Der EUR fiele auf 1.20 gegenüber dem USD, bevor er sich wieder im Bereich 1.25 einpendelt.

  • Unkoordinierter Austritt (Wahrscheinlichkeit bei 20%):
    Den Entscheidungsträgern gelingt keine entschlossene Antwort auf den griechischen Exit. Andere europäische Peripheriestaaten würden angesteckt, was zum Abzug von Bankguthaben in Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien führt. Dabei stehen Spareinlagen in der Höhe von EUR 3,5 Trillionen auf dem Spiel.

    Konsequenzen für die Anlageklassen: Europäische Aktien würden um 30% einbrechen und sich auf dem Tiefst von 2009 einpendeln. Deutsche Staatsanleihen legen eine Rallye hin und werden mit einer Rendite von 0,8% – 1,0% gehandelt. US-Treasuries und UK-Gilts liegen bei 1,5% bzw. 1,6%. Die 10-jährigen spanischen Staatsanleihen würden im Bereich 7,5% – 8,0% gehandelt, die italienischen Papiere ähnlich. Der Euro fiele gegenüber dem USD auf 1.10 und es beginnt ein Ausverkauf aller risikoreicheren Währungen. Der JPY legt gegenüber dem USD auf 76 zu und der Druck auf die von der SNB festgelegte Kursgrenze des CHF gegenüber dem Euro von 1.20 wäre enorm, da Investoren verstärkt Euro-Positionen abstossen würden.

Greek exit scenarios: The implications for Europe and financial markets

Aviva Investors

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