Hardware-Flaute bremst IBM aus

Virginia Rometty

IBM-Chefin Virginia Rometty.

Armonk – Das Geschäft des IT-Konzerns IBM hat sich spürbar eingetrübt. Software und Services, aber vor allem Hardware verkaufte sich im ersten Quartal schlechter. IBM stellt leistungsstarke Firmenrechner her, sogenannte Server. Das Geschäft in dieser Sparte schrumpfte um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. IBM habe einige Geschäftsabschlüsse nicht mehr rechtzeitig hinbekommen, erklärte Konzernchefin Ginni Rometty am Donnerstag nach US-Börsenschluss.

Die Börsianer waren enttäuscht. Sie hatten mit einem besseren Abschneiden gerechnet. Die Aktie fiel nachbörslich um mehr als 4 Prozent. Insgesamt schmolz der Umsatz um 5 Prozent auf 24,4 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn fiel in der Folge um 1 Prozent auf unter dem Strich 3,0 Milliarden Dollar. Dass es nicht weiter abwärtsging, lag an gleichzeitigen Einsparungen im Vertrieb und der Verwaltung.

Gradmesser
IBM ist der weltgrösste Anbieter von Computer-Dienstleistungen. Dazu gehören etwa die Beratung oder auch der Betrieb von Rechenzentren. Das Unternehmen mit dem Spitznamen «Big Blue» gilt wegen seiner herausragenden Stellung als Gradmesser für die Konjunktur. Für IBM ist es höchst ungewöhnlich, die Erwartungen zu verfehlen. Dabei rückte IBM unter Rometty massiv in Wachstumsmärkte wie Brasilien, China oder Russland vor sowie in Geschäftsbereiche wie Datenauswertung und Cloud Computing.

Rückzug aus wenig profitablen Geschäften
IBM geht aber weiterhin davon, aus dass der Gewinn im Gesamtjahr steigen wird. Es wäre das elfte Jahr in Folge mit einem Plus. Rometty zieht sich dazu aus wenig profitablen Geschäften zurück. Bis zum Jahr 2015 soll der Grossteil des Gewinns mit Software erzielt werden. Hintergrund sind auch die niedrigen Renditen im Hardware-Geschäft. Seine PC-Sparte hatte IBM schon vor Jahren an den chinesischen Konzern Lenovo verkauft.

Lenovo an Teilen des Server-Geschäfts von IBM interessiert
Lenovo ist offenbar weiter auf Einkaufstour. Lenovo sei an Teilen des Server-Geschäfts von IBM interessiert, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag und beruft sich auf eine mit der Situation vertraute Quelle. Die Sparte, die Server mit eher geringer Leistung und herkömmlichen x86 Prozessoren herstellt, könnte für 2,5 bis 4,5 Milliarden Dollar verkauft werden, heisst es weiter. Eine Einigung könnte aber noch Wochen auf sich warten lassen.

Das Geschäft würde gut zu Lenovo passen, zitiert die Nachrichtenagentur Analyst Laurence Balter von Oracle Investment Research. Lenovo sei zwar in Gesprächen über mögliche Zukäufe, Namen wurden von Pressevertretern des Konzerns allerdings nicht genannt. Auch IBM-Finanzchef Mark Loughridge lehnte einen Kommentar ab.

Suche nach Verstärkung
Lenovo war mit dem Kauf der PC-Sparte von IBM 2005 in die Spitzenliga der Branche aufgestiegen. Auf dem PC-Markt schlagen sich die Chinesen zwar besser als die Konkurrenz. Doch wegen der steigenden Verkäufe von Tablet-Computern sucht Lenovo dringend nach Verstärkung. In Deutschland ist der Konzern durch die Übernahme des deutschen Aldi-Lieferanten Medion inzwischen sogar die klare Nummer eins. (awp/mc/ps)

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