Ifo-Geschäftsklima gibt überraschend nach

Weltwirtschaft Entwicklung

München – Die deutschen Unternehmen sind von den jüngsten geldpolitischen Lockerungen grosser Zentralbanken offenbar nicht sonderlich beeindruckt: Das Ifo-Geschäftsklima – Deutschlands wichtigster Frühindikator – gab im September überraschend nach. Die Stimmung trübte sich von 102,3 Punkten im Vormonat auf 101,4 Zähler ein, wie das Ifo-Institut am Montag in München mitteilte. Es ist der fünfte Rückgang in Folge. Bankvolkswirte wurden auf dem falschen Fuss erwischt – sie hatten erwartet, dass die Unternehmensstimmung anderen wichtigen Frühindikatoren nach oben folgt.

«Im Gegensatz zu Indikatoren, die die Stimmung von Finanzexperten abfragen, zeigen sich die Unternehmen zurückhaltend», kommentierte Dekabank-Experte Andreas Scheuerle die neuen Umfrageergebnisse des Ifo-Instituts. Zuletzt hatten sich sowohl die ZEW-Konjunkturerwartungen als auch der Sentix-Index spürbar aufgehellt. Auch die deutschen Einkaufsmanagerindizes, die allerdings einer anderen Methode folgen als die Ifo-Umfrage, waren im September gestiegen.

Erwartungen rückläufig
Besonders überraschend war, dass sich nicht nur die Lagebeurteilung der Unternehmen verschlechterte. Auch die Erwartungshaltung für das nächste halbe Jahr trübte sich spürbar ein. Die ungünstigere Lageeinschätzung dürfte sich auch auf die Erwartungshaltung niedergeschlagen haben, erklärte Dekabank-Experte Scheuerle die Entwicklung. Die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank (EZB) notfalls alles zu unternehmen, damit der Währungsraum nicht zerfällt, spiegeln die Umfrageergebnisse jedenfalls nicht wider. Ähnliches gilt für die jüngste Lockerung der amerikanischen und japanischen Geldpolitik.

«Die bremsenden Einflüsse auf die Konjunktur dominieren weiterhin», kommentierte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn die neuen Umfrageergebnisse. In den einzelnen Sektoren fiel die Entwicklung unterschiedlich aus: Während sich das Klima in der Industrie und im Bausektor eintrübte, war die Stimmung im Einzel- und Grosshandel sowie bei den Dienstleistern besser. Das Ifo-Geschäftsklima wird monatlich erhoben und basiert auf einer Umfrage unter etwa 7.000 Unternehmen.

Deutschland wohl nicht vor Rezession
Trotz der schlechteren Unternehmensstimmung und der teils sehr schwachen Konjunktur im Süden Europas rechnen die meisten Bankvolkswirte nicht mit einer Rezession in Deutschland. Gemeinhin wird eine Abkühlung erwartet. «Allerdings wird sich die deutsche Wirtschaft im zweiten Halbjahr nah an der Rezessionsschwelle bewegen», relativierte Dekabank-Experte Scheuerle. Er rechnet zumindest im dritten Quartal mit einer leicht schrumpfenden deutschen Wirtschaft.

An den Finanzmärkten gerieten der Euro und Aktienwerte unter Druck: Die Gemeinschaftswährung sank zeitweise unter die Marke von 1,29 US-Dollar, der Dax lag zuletzt klar im Minus. Als sicher geltende Anlagen wie deutsche Staatsanleihen erhielten indes Zulauf. Die Ölpreise reagierten mit Abschlägen.  (awp/mc/pg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.