Ifo-Index hellt sich trotz Griechenlandkrise auf

Hans-Werner Sinn

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

München – Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni trotz der schwelenden Griechenlandkrise erstmals seit Februar aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 114,2 Punkten im Vormonat auf 114,5 Punkte, wie das Ifo-Institut am Freitag in München mitteilte. Von dpa-AFX befragte Volkswirte hatten hingegen mit einem Rückgang auf 113,9 Punkte gerechnet.

Bankvolkswirte werteten die Zahlen als Bestätigung des robusten Konjunkturaufschwungs in Deutschland. Das starke Wachstum zu Jahresbeginn dürfte im Jahresverlauf dennoch nicht zu halten sein, wie aus den neuen Umfrageergebnissen hervorgeht. So trübte sich die Erwartungshaltung für das nächste halbe Jahr zum vierten Mal in Folge ein. Der Erwartungsindex sinkt von 107,4 auf 106,3 Punkte. Die Lagekomponente stieg jedoch deutlich von 121,5 auf 123,3 Zähler. «Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem robusten Aufschwung», kommentierte ifo-Chef Hans-Werner Sinn die neuen Ergebnisse.

Ifo-Index trotzt Trend sinkender Indikatoren
Getragen wurde die Entwicklung vor allem durch das Baugewerbe, wo sich die Stimmung kräftig aufhellte. In der wichtigen Industrie hielt sich die Stimmung auf hohem Niveau, während sie im Einzelhandel nachgab. Das Ifo-Geschäftsklima ist das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft. Es basiert auf einer monatlichen Umfrage bei rund 7.000 Unternehmen. Bankvolkswirte hoben vor allem die gute Lagebeurteilung hervor. «Vor allem der Lageindex, der auf ein neues Rekordhoch gestiegen ist, deutet auf einen anhaltenden Aufschwung hin», sagte DekaBank-Experte Christan Melzer. Allerdings zeige der Rückgang der Erwartungshaltung eine langsamere Gangart der Konjunktur im zweiten Halbjahr an. Insgesamt stemme sich der Ifo-Index aber gegen den Trend sinkender Frühindikatoren, hiess es bei der Postbank. Derzeit tendieren viele Stimmungswerte nach unten – und zwar nicht nur im Euroraum.

Deutschland könnte Sparkurs im Euroraum abfedern
Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank, unterstreicht: «Die Griechenlandkrise scheint bislang noch keine nennenswerte Auswirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft zu haben.» Im Gegenteil: Die zusehends starke deutsche Binnennachfrage könnte die dämpfenden Effekte der Sparbemühungen in finanzschwachen Euro-Ländern abfedern. «Für viele europäische Länder ist Deutschland der Haupthandelspartner.» Infolgedessen könnte sich die Handelsstruktur in Europa, die bislang durch starke Handelsüberschüsse Deutschlands und hohe Defizite in anderen Ländern gekennzeichnet ist, tendenziell ausgleichen.

Märkte reagieren positiv
An den Finanzmärkten wurden die Zahlen positiv aufgenommen. So legte der Euro spürbar zu und stieg zeitweise um einen Cent auf rund 1,43 Dollar. Auch an den Aktienmärkten besserte sich die Stimmung. Der deutsche Aktienindex Dax konnte nach den Zahlen weiter zulegen. Deutsche Staatsanleihen als «Hort der Sicherheit» gerieten hingegen unter Druck. (awp/mc/ps)

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