IWF rechnet nach Brexit-Votum mit weniger Wachstum

Christine Lagarde
IWF-Direktorin Christine Lagarde. (Foto: IWF / Flickr)

IWF-Direktorin Christine Lagarde. (Foto: IWF / Flickr)

Washington – Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat wegen des Brexit-Votums seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft gesenkt. Für dieses Jahr rechne man nur noch mit einem globalen Wachstum um 3,1 Prozent, teilte die Organisation am Dienstag in Washington im Rahmen einer Aktualisierung ihres Wachstumsausblicks mit. Bei der letzten Schätzung im April hatte der IWF noch mit 3,2 Prozent gerechnet. Die Prognose für 2017 wurde ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte nach unten korrigiert und liegt nun bei 3,4 Prozent.

Der Brexit habe ökonomische, politische und institutionelle Unsicherheiten erheblich erhöht, heisst es in der Mitteilung. Ohne das Brexit-Votum hätte man demnach die Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft sogar erhöht. Die genauen Auswirkungen seien derzeit aber noch schwer zu quantifizieren, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld. Auch eine noch schlechtere Entwicklung sei denkbar. Die unübersichtliche Lage könne auch zu Instabilität an den Finanzmärkten führen. «Die zusätzliche Unsicherheit könnte verstärkten Reaktionen der Finanzmärkte auf negative Schocks Tür und Tor öffnen», sagte Obstfeld.

Brexit-Effekt dürfte in Grossbritannien 2017 durchschlagen
Die grössten negativen Auswirkungen des Brexit-Votums sehen die Ökonomen für die britische Wirtschaft, für die bereits in diesem Jahr nur noch mit 1,7 Prozent und damit mit 0,2 Prozentpunkten weniger Wachstum zu rechnen sei. In 2017 dürfte sich der Brexit-Effekt dann noch deutlicher niederschlagen. Statt um 2,2 Prozent wie bislang angenommen, werde die britische Wirtschaft dann nur noch um 1,3 Prozent wachsen.

Wachstum in in der Eurozone gebremst
Ausserdem dürfte die Wirtschaft in Deutschland und in der gesamten Eurozone im kommenden Jahr spürbar gebremst werden. Für Deutschland rechnen die IWF-Ökonomen 2017 nur noch mit 1,2 Prozent Wachstum und damit mit 0,4 Prozentpunkten weniger als zuletzt. Für die gesamte Eurozone reduzierten sie ihre Prognose für 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 1,4 Prozent.

Der japanischen Wirtschaft dürfte das Brexit-Votum indirekt über die starke heimische Währung zu schaffen machen. Viele Anleger sind wegen der gestiegenen Unsicherheit in den als sicherer Hafen geltenden Yen geflüchtet. Das kann sich unter anderem negativ auf die Exportwirtschaft auswirken. Der IWF rechnet in diesem Jahr mit 0,3 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkten weniger Wachstum in Japan.

Keine Folgen für China
Wegen geringer Handelsbeziehungen zu Grossbritannien ist in China laut IWF mit keinen Wachstumseinbussen zu rechnen. Hier wurde die Prognose für dieses Jahr sogar leicht angehoben. In den USA rechnet der IWF zwar mit weniger Wachstum 2016. Dies begründen die Ökonomen aber nicht mit dem Brexit-Votum, sondern mit einem unerwartet schwachen Wachstum im ersten Quartal.

Zahlreiche Brandherde
Neben dem Brexit sehen die Ökonomen noch weitere Risiken für die Weltwirtschaft, darunter ungelöste Probleme im europäischen Bankensystem – insbesondere in Italien und Portugal -, fehlende Strukturreformen, zunehmenden Protektionismus, die Flüchtlingskrise, geopolitische Verwerfungen und Terrorismus. (awp/mc/pg)

IWF

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