IWF senkt erneut Wachstumsprognose für Weltwirtschaft

Christine Lagarde
Christine Lagarde, Direktorin IWF. (Bild: IWF / Flickr)

Christine Lagarde, Direktorin IWF. (Bild: IWF / Flickr)

Washington- Die Weltwirtschaft wird nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) von gravierenden Zukunftssorgen ausgebremst. Die hohe Arbeitslosigkeit in Europa, Ungewissheit über die Folgen einer strengeren US-Geldpolitik und schwächelnde Schwellen- und Entwicklungsländer gehörten zu den wesentlichen Wachstumshemmern, berichtete der IWF am Dienstag in Washington. Die Institution senkte als Konsequenz zum vierten Mal innerhalb dieses Jahres ihre Konjunkturprognose. Die Eurozone kommt aber noch glimpflich davon.

In diesem Jahr steigt das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) demnach nur noch um 2,9 Prozent – und damit um 0,3 Prozentpunkte weniger als zuletzt erwartet wurde, heisst es in dem neuen Weltwirtschaftsausblick des internationalen Krisenhelfers. Auch 2014 werde das Wachstum mit 3,6 Prozent geringer ausfallen. Im Juli hatte der Währungsfonds noch mit 3,8 Prozent gerechnet. Im April lag das vorausgesagte Plus für 2014 noch bei 4,0 Prozent, im Januar bei 4,1. Besonders Schwellen- und Entwicklungsländer wie Indien, Mexiko oder Russland, aber auch China und Brasilien sind betroffen. Insgesamt wachsen sie laut dem IWF in diesem und dem kommenden Jahr nur noch um 4,5 und 5,1 Prozent. Im Juli lautete die Schätzung noch 5,0 und 5,4 Prozent, im April gar 5,3 und 5,7 Prozent. «Der Fokus liegt jetzt auf den Volkswirtschaften der aufstrebenden Länder», schreibt der IWF-Chefökonom Olivier Blanchard in dem Bericht.

Prognose Euroraum leicht nach oben revidiert
Die Prognose für die Eurozone revidierten die IWF-Ökonomen dagegen leicht zum Positiven. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr betrage nur noch 0,4 Prozent. Bislang hatten sie ein Minus von 0,6 Prozent vorhergesagt. 2014 kehre die Eurozone mit einem Plus von 1,0 Prozent in den Wachstumsbereich zurück – bislang lag die Prognose bei 0,9 Prozent. «Die Kern-Volkswirtschaften in Europa zeigen einige Zeichen der Erholung», urteilt Blanchard. Vor allem die Stimmung bei Firmen und Bürgern habe sich verbessert. Reformen im Bankensektor und zur Ankurbelung der Nachfrage seien hingegen zu langsam.

Auch für Deutschland sieht die Schätzung ein wenig besser aus: Dieses Jahr erwartet der IWF ein um 0,5 Prozent höheres BIP (bislang plus 0,3 Prozent). 2014 soll die Bundesrepublik dann um 1,4 Prozent zulegen, statt wie bislang prognostiziert um 1,3 Prozent. Die Inflation und der Arbeitsmarkt sind demnach stabil. In der restlichen Eurozone hingegen bleibe die Erwerbslosigkeit mit einer Quote von 12,3 Prozent in diesem Jahr und 12,2 Prozent in 2014 «inakzeptabel hoch». Das gelte auch für andere Regionen wie Nahost oder Afrika.

USA bereiten Sorgen
Sorgenvoll blickt der Währungsfonds auf die USA. Dort schaffe die Erholung der privaten Nachfrage, des Immobilienmarktes und des Finanzsektors zwar gute Voraussetzungen für Wachstum. Aber massive Einsparungen im Staatsetat, die aus politischen Gründen weitgehend nach dem Rasenmäherprinzip erfolgen, schwächten die Konjunktur. Der IWF reduzierte seine Prognose daher nochmals leicht auf 1,6 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 2,6 Prozent im kommenden.

Sollte der Stillstand der Verwaltung (Government Shutdown) länger andauern, könne der ökonomische Schaden die Werte weiter verringern, warnte der IWF zudem. Und werde die Schuldengrenze des Landes nicht rechtzeitig erhöht, «könnte das der Weltwirtschaft ernsthaft schaden», schrieb Blanchard. Grundlage der Wachstumsprognose für die USA sei auch, dass die Notenbank Fed zwar langsam ein Ende ihrer Anleihekäufe einläutet, aber ihren Leitzins frühestens 2016 erhöht.

Der wahrscheinliche Ausstieg der Amerikaner aus der ultralockeren Geldpolitik macht auch den Schwellen- und Entwicklungsländern zu schaffen. Wenn die Zinsen in den USA stiegen, zögen die Investoren ihr Kapital aus den aufstrebenden Staaten wieder ab. «Speziell Länder mit schwächeren finanziellen Positionen und höherer Inflation sind gefährdet.» Sie müssten jetzt ihre eigene Geld- und Haushaltspolitik aufräumen und Währungsabstufungen zulassen. (awp/mc/upd/ps)

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