Japans Inflation steigt auf höchsten Stand seit fast fünf Jahren

Shinzo Abe

Japans Premierminister Shinzo Abe.

Tokio / Frankfurt – In Japan ist die Inflationsrate im September auf den höchsten Stand seit fast fünf Jahren gestiegen. Die Jahresinflationsrate stieg von 0,9 Prozent im Vormonat auf 1,1 Prozent, wie das Statistikamt in Tokio am Freitag mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Oktober 2008. Volkswirte hatten mit einem unveränderten Wert gerechnet.

Auch im Grossraum Tokio legte die Inflationsrate zu. Hier liegen bereits Zahlen für den Monat Oktober vor. Die Inflationsrate stieg von 0,5 Prozent im Vormonat auf 0,6 Prozent. Der Grossraum Tokio gilt als richtungweisend für ganz Japan. Die Kernrate der Teuerung (ohne frische Lebensmittel) fiel für das gesamte Land hingegen von 0,8 Prozent im August auf 0,7 Prozent. Die japanische Notenbank versucht derzeit durch eine sehr lockere Geldpolitik eine höhere Inflationsrate zu erzielen und die Wirtschaft so zu beleben.

Teil der jüngsten Preisschübe nicht binnenmarktbedingt
Lange Zeit steckte die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt in einer gefährlichen Spirale aus schrumpfenden Preisen und Wachstumsschwäche – einer sogenannten Deflation. Dagegen kämpfen die Regierung in Tokio und die japanische Notenbank an. Viele Beobachter sind allerdings skeptisch, ob die Bank of Japan die Teuerung nachhaltig wie anvisiert auf zwei Prozent anheben und das Land nachhaltig aus der jahrelangen Phase sinkender Verbraucherpreise führen kann. Denn ein Teil der jüngsten Preisschübe geht auf Gründe zurück, die ausserhalb Japans liegen. Vor allem die Kombination aus höheren Energiepreisen durch den Ausfall der Atomenergie und einem schwächerem Yen sorgt dafür, dass die Inflation zulegt.

Strohfeuer «Abenomics»?
Um tatsächlich das Ziel einer Inflation von zwei Prozent zu erreichen, bedarf es nach Ansicht von Ökonomen vor allem eines Anziehens der Preise im Dienstleistungssektor im Zuge einer von der Regierung erhofften Anhebung der Löhne und Gehälter. Die japanische Zentralbank versucht, durch eine extreme Lockerung der geldpolitischen Zügel die Deflation zu überwinden und die Wirtschaft anzukurbeln. Zudem hat die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe massive schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme aufgelegt.

Kritiker warnen seit längerem vor einem Strohfeuer, da Abe bislang keine wirklich einschneidenden Strukturreformen vorgenommen habe. Ohne sie sei eine dauerhafte Gesundung der Wirtschaft kaum möglich. (awp/mc/ps)

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