Kampf gegen Malaria: Biontech will Impfstoffe in Ruanda und Senegal herstellen

Ugur Sahin
Biontech-CEO Ugur Sahin. (Foto: Biontech)

Berlin – Der Impfstoffhersteller Biontech will Malaria- und Tuberkulose-Impfstoffe in Afrika herstellen. Man prüfe dazu den Aufbau nachhaltiger Produktionsmöglichkeiten in Ruanda und Senegal, teilte das Mainzer Unternehmen am Freitag in Berlin mit. «Unser Ziel ist es, in Afrika Impfstoffe zu entwickeln und nachhaltige Produktionskapazitäten für Impfstoffe aufzubauen, um gemeinsam die medizinische Versorgung zu verbessern», sagte Vorstandschef Ugur Sahin.

Biontechs Technologie könnte auch über Covid-19 hinaus angewandt werden, erklärte Sahin. Biontech arbeitet schon an Impfstoffen gegen Tuberkulose, Malaria und HIV. «Es gibt keine Garantie, dass diese Projekte erfolgreich sein werden», schränkte Sahin ein. «Aber wir müssen auf Erfolg vorbereitet sein.» Mit der Errichtung der ersten Produktionsanlagen solle im Laufe des nächsten Jahres begonnen werden.

Sahin äusserte sich nach einem Treffen mit den Präsidenten von Ruanda und Senegal, Paul Kagame und Macky Sall, sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Rande der Wirtschaftskonferenz «G20 Compact with Africa».

Afrika will Abhängigkeit vermindern
Die Länder der Afrikanischen Union importierten nach Angaben der Gemeinschaft zuletzt 99 Prozent ihrer Impfstoffe. 2040 sollen es nur noch 40 Prozent sein. In der Corona-Krise hatte die Afrikanische Union erst im Juli gefordert, dass Europa mehr tun müsse, um die globalen Ungerechtigkeiten bei der Impfstoffverteilung aufzuheben.

Die Entscheidung für Ruanda und Senegal folge Empfehlungen der Afrikanischen Union und ihrer Gesundheitsorganisation, hiess es. Die Produktionsstätten würden voraussichtlich bei Impfstoffzentren der Weltgesundheitsorganisation angesiedelt, die in den Länder geplant sind. Seinen Covid-19-Impfstoff könne Biontech grundsätzlich auch in den Anlagen vor Ort herstellen, teilte die Kommission mit.

Riesiges Potenzial
Biontech produziert mRNA-Impfstoffe. Diese enthalten den Bauplan für einen Teil des Erregers, der Körper kann so einen Impfschutz aufbauen. Die Technologie habe ein riesiges Potential, auch andere Krankheiten als Covid-19 zu bekämpfen, sagte von der Leyen. Sie sprach von einem grossen Schritt in Richtung «Impfstoffgerechtigkeit». Europa investiere für dieses Ziel mehr als eine Milliarde Euro.

Die Europäische Investitionsbank wolle auch für die Projekte in Senegal und Ruanda finanzielle Unterstützung anbieten, kündigte ihr Präsident Werner Hoyer an. Nur mit mehr lokaler Produktion könne Covid-19 überwunden werden und die Länder widerstandsfähiger gegen künftige Pandemien. (awp/mc/pg)

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