Medtech-Branche sucht weiterhin Vor-Krisen-Form

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(Foto: Fasmed)

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Zürich – Die Medtech-Unternehmen in den USA und Europa sind 2013 erneut auf eher tiefem Niveau gewachsen. In einem herausfordernden Marktumfeld stiegen die Umsätze um 4 Prozent auf 336 Milliarden US Dollar, wie eine aktuelle Auswertung von EY ergab. Stärker war das Wachstum bei den Forschungsausgaben, die um 7 Prozent auf 13,5 Milliarden US Dollar anstiegen. Das Volumen der Fusionen und Übernahmen schoss um 125 Prozent auf 85,6 Milliarden US-Dollar nach oben. Eine Befragung von 165 Unternehmen der Branche durch EY ergab weiter, dass immer häufiger Manager statt Ärzte über den Kauf von Medizintechnik entscheiden. Die Branche muss daher ihre Produkte stärker differenzieren und deren Wert klarer herausarbeiten.

Die börsenkotierten Medtech-Unternehmen in den USA und Europa verzeichneten 2013 ein moderates Umsatzwachstum von 4 Prozent auf 336 Milliarden US-Dollar. Damit liegt der Umsatzzuwachs in den Vorjahresregionen und weiterhin erheblich unter den vor der globalen Finanzkrise verzeichneten Raten. Die Branche hat seit 2008 das früher oft zweistellige Wachstum nie mehr erreichen können. Die Steigerung der Forschungs­ausgaben ist allerdings als positives Zeichen zu werten.

Fusionen und Übernahmen stark angestiegen
Deutlich zugenommen haben die M&A-Aktivitäten in der Branche: In dem im Juni 2014 endenden Zwölfmonatszeitraum stieg der Gesamtwert von Fusionen und Übernahmen von US-amerikanischen und europäischen Medtech-Unternehmen um 135 Prozent auf 85,6 Milliarden US-Dollar. Der Wert aller fusionierten Unternehmensteile stieg vor allem in Europa stark an.

Dabei konzentrierten sich die Medtech-Unternehmen auf Akquisitionen, mit denen sie ihr Know-how für einzelne Krankheiten erweitern oder ihre Präsenz in bestimmten Regionen verstärken, wie zum Beispiel in den wachstumsstarken Schwellenländern. «Eine Fokussierung und ein aktiveres Portfoliomanagement ist angesichts des wachsenden Preisdrucks von Seiten der Besteller und komplexerer Zulassungsverfahren eine sinnvolle Strategie», erläutert Patrick Flochel, der in Zürich domizilierte Global Life Sciences Leader von EY.

Finanzierung in USA einfacher
Massiv gestiegen ist zwischen Juli 2013 und Juni 2014 die Zahl der Börsengänge von Medtech-Unternehmen: Sie erreichte den höchsten Stand der letzten Jahre. Insgesamt 31 Unternehmen wurden in diesen 12 Monaten in den USA und Europa an die Börse gebracht, das Emissionsvolumen betrug 1,5 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 600 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum und einer Höhe, wie sie in den letzten 15 Jahren nur zwei mal erreicht wurde. Zudem bleibt das IPO-Fenster auch für die kommende Zeit weit geöffnet, in Europa herrscht noch Nachholbedarf.

Die Medizintechnik-Unternehmen beschafften sich zwischen Juli 2013 und Juni 2014 Kapital in Höhe von 27,3 Milliarden US-Dollar. 71 Prozent des Finanzierungsvolumens stammte dabei aus Fremdkapitaltransaktionen. Dies entspricht zwar einem Rückgang von 14 Prozent im Vorjahresvergleich, stellt aber dennoch die zweitgrösste Kapitalbeschaffung seit 2008 dar. Der Grossteil der Finanzierungen entfiel mit 22,2 Milliarden US-Dollar auf US-Unternehmen. Die Risikokapitalinvestitionen blieben mit 4,4 Milliarden US-Dollar in etwa auf dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums (4,2 Milliarden). Dies war zum Teil auf höhere Investitionen von Unternehmen und strategischen Anlegern zurückzuführen.

«Die Medtech-Branche zeigt sich zwar robust, die Wachstumszahlen lösen aber keine Begeisterung aus », beobachtet Patrick Flochel. «Allgemein gültige Branchenregeln verlieren zunehmend an Bedeutung: Unternehmen müssen neue Strategien entwickeln und neue Möglichkeiten finden, um Produkte hoher Qualität herzustellen und deren Vorteile auch klar nachweisen und kommunizieren. Wichtig sind aus betrieblicher Optik eine Erhöhung der Marktanteile und eine Senkung der Kosten.»

Diese und weitere Erkenntnisse sind im aktuellen Medtech-Report «Pulse of the industry: differentiating differently» nachzulesen, den das Beratungsunternehmen EY in diesen Tagen auf verschiedenen Branchenanlässen vorstellt. Der Bericht enthält auch Gastartikel von Branchenexperten und interessante Fallstudien.

Befragung zeigt Preisfixierung auf
Zusätzlich befragten die Life-Sciences-Experten von EY für den Report 162 Manager von Medtech-Unternehmen in den USA, Grossbritannien, Deutschland und Spanien. Eine der zentralen Erkenntnisse: Medtech-Produkte werden immer mehr nach dem Preis beurteilt. «Schon länger ist die Branche dem Druck des Marktes und der Regulierungsbehörden ausgesetzt. Nun wird sie zusätzlich mit einer neuen potenziellen Bedrohung konfrontiert: Standardisierte und zunehmend austauschbare Produkte oder Dienstleistungen führen zu steigendem Preis- und Margendruck», erläutert Jürg Zürcher, Leiter Life Sciences bei EY Schweiz.

Immer häufiger entscheidet die Verwaltung über den Kauf medizintechnischer Geräte und nicht die Ärzte. Dahinter steckt nicht zuletzt der wachsende Druck der Versicherungen und des Staats hin zu Kostensenkung im Gesundheitswesen. Während für Ärzte Marke, Qualität und Design eines Herzschrittmachers oder eines Kniegelenks wichtig sind, schauen die Spitalmanager vor allem auf den Preis. In der Studie wurde gefragt, welche Faktoren für den Erwerb von Medizingeräten jetzt oder in drei Jahren als wichtig erachtet werden. Die Präferenz des Arztes für ein bestimmtes Gerät sowie das benutzerfreundliche Design werden gemäss den Resultaten stark an Bedeutung verlieren.

Wichtiger für den Kaufentscheid werden hingegen Daten zum Nachweis klinischer Erfolge der Geräte oder Vereinbarungen über Risikobeteiligung zwischen Hersteller und beispielsweise Spitälern. «Die Unternehmen müssen daher ihre Angebote deutlicher abheben und ihre Produkte differenzieren. Ein Gerät verkauft sich dann gut, wenn Erfolge beim Patienten klar messbar sind und die Kosten für die Spitäler geringer ausfallen», erläutert Zürcher. (EY Schweiz/mc/ps)

Über die globale EY-Organisation
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