Nokia kommt aus der Krise nicht heraus

Stephen Elop

Stephen Elop, CEO Nokia.

Espoo – Der angeschlagene finnische Handyhersteller Nokia schafft trotz der Hoffnungsträger aus der Lumia-Smartphone-Reihe den Befreiungsschlag nicht. Auch im ersten Quartal blieb der ehemalige Weltmarktführer bei Umsatz und Handyverkäufen hinter den Erwartungen zurück. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, brach der Umsatz um ein Fünftel auf 5,85 Milliarden Euro ein. Die Börse reagierte enttäuscht: Der Kurs der Nokia-Aktie fiel bis zum Nachmittag um mehr als sechs Prozent auf 2,46 Euro.

Der Handyabsatz blieb mit knapp 62 Millionen ebenfalls deutlich hinter den Prognosen der Experten zurück. Dank eines rigiden Sparprogramms konnte Nokia den Verlust aber eindämmen. Nach 928 Millionen Euro vor einem Jahr lag der Fehlbetrag nur noch bei 272 Millionen Euro.

Einfach-Handys brechen ein
Mit den neuen Smartphones der Lumia-Reihe kommt Nokia voran – nur eben langsam. Der Absatz mit den Lumia-Telefonen, allen voran mit den Modellen 820 und 920, wuchs im Vergleich zum Vorquartal um über ein Viertel auf 5,6 Millionen Geräte. Im laufenden Vierteljahr soll der Absatz mit dem Start neuer günstigerer Modelle noch stärker zulegen, hiess es. Damit dürfte Nokia mehr als sieben Millionen Lumia-Geräte verkaufen. Verglichen mit Apple und Samsung wäre das immer noch eine vernachlässigbare Grösse. Zudem sinkt der Durchschnittspreis der Telefone weiter. Er lag zuletzt nur noch 47 Euro.

Beim zweiten wichtigen Standbein – den einfachen Handys – bekommt Nokia hingegen mit voller Wucht den Wandel des Geschäfts zu spüren. Auch in Entwicklungsländern machen sich inzwischen Computer-Handys breit. Der Absatz einfacher Handys stürzte dagegen im Vergleich zum Vorquartal um 30 Prozent auf 55,8 Millionen Geräte ab. Der durchschnittliche Verkaufspreis in dieser Produktklasse sank von 33 auf 28 Euro.

Grauen begann mit Start des iPhones
Die einfachen Handys brachten Nokia immer noch einen operativen Gewinn von 88 Millionen Euro ein, während der Konzern im Smartphone-Geschäft 188 Millionen Euro verlor. Der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks , der in der Vergangenheit Milliarden-Löcher in die Bilanz schlug, erwirtschaftete diesmal ein dünnes Plus von drei Millionen Euro. Das Geschäft mit digitalen Karten brachte ein operatives Minus von 97 Millionen Euro ein.

Das Grauen begann mit dem Start des iPhones von Apple . Seitdem verlor Nokia immer weiter an Boden, erst gegen Apple, dann auch gegen Samsung . Nokia verkauft zwar noch viele Handys. Im Westen sieht man die Modelle allerdings nur noch selten. Das Unternehmen versucht nun, sich mit den neuen Smartphones neu aufzustellen. Bislang fällt die Reaktion von Produktexperten besser aus als der Erfolg bei den Kunden. (awp/mc/upd/ps)

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