Oleschky-Waffenruhe: Ukrainer und Russen bereiten Evakuierung vor

Oleschky-Waffenruhe: Ukrainer und Russen bereiten Evakuierung vor
In Oleschky leben nach Schätzungen noch etwa 1.500 bis 2.000 Menschen. (Ombudsman institution, Ukraine)

Oleschky – Die seit Dienstag geltende Waffenruhe in der von russischen Truppen besetzten Frontstadt Oleschky im südukrainischen Gebiet Cherson hält weiter. In der Stadt liefen für die Schaffung eines sichereren Hilfskorridors die Arbeiten zur Beseitigung und Entschärfung von Minen erfolgreich, wie der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez und seine russische Kollegin Jana Lantratowa zeitgleich mitteilten. «Parallel dazu stellen wir bereits die humanitäre Hilfslieferung zusammen, die wir morgen nach Oleschky bringen wollen», sagte Lubinez, der auch selbst dort sein wird. Demnach stimmen sich die Vertreter beider Kriegsparteien eng ab.

«Die Waffenruhe hält schon 54 Stunden. Beide Seiten erfüllen ihre Verpflichtungen», sagte Lantratowa. Es gebe keine Verstösse. Die Menschen aus Oleschky sollen an diesem Samstag über einen humanitären Hilfskorridor die Stadt verlassen können. Die in die Ukraine ausreisenden Bewohner sollen in die russische Schwarzmeer-Stadt Anapa gebracht und von dort nach Gomel in Belarus ausgeflogen werden, von wo aus sie weiter in die Ukraine reisen können.

Grösste gemeinsame Aktion seit Kriegsbeginn
Wer in der seit Monaten abgeriegelten und völlig unterversorgten Stadt bleiben will, soll Lebensmittellieferungen und Medikamente erhalten. Lubinez und Lantratowa dankten erneut US-First-Lady Melania Trump, die die Waffenruhe vermittelt hatte. Auch Papst Leo XIV. hatte sich bei Telefonaten mit Kremlchef Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für die humanitäre Feuerpause eingesetzt.

In Oleschky leben nach Schätzungen noch etwa 1.500 bis 2.000 Menschen, darunter Dutzende Kinder. Vor dem Krieg waren es 24.000 Bewohner.

Es handelt sich um die grösste gemeinsame Aktion von Ukrainern und Russen seit Kriegsbeginn im Februar 2022. Die Kriegsparteien hatten immer wieder Gefangenenaustausche umgesetzt und auch die Leichen von gefallenen Soldaten übergeführt. Eine solche grosse gemeinsame Hilfsaktion für die Zivilbevölkerung mit einer mehrtägigen Waffenruhe hat es so bisher nicht gegeben. Die Waffenruhe ist bis Sonntagabend angesetzt. (awp/mc/pg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert