Scheidender Fiat-Chef stellt sein Vermächtnis vor

Sergio Marchionne
Sergio Marchionne. (1952-2018) / (Foto: Fiat)

Balocco – Beim Autobauer Fiat Chrysler wird die italienische Kernmarke Fiat künftig immer weniger eine Rolle spielen. Konzernchef Sergio Marchionne setzt in seinem neuen Fünfjahresplan vor allem auf die Marken Jeep, Alfa Romeo, Maserati und die noch recht junge Chrysler-Nutzfahrzeugmarke Ram. Die neuen Ziele, die für die vier Marken auch dank neuer Modelle deutliche Absatzsteigerungen vorsehen, stellte Marchionne am Freitag auf dem Balocco-Testgelände nahe Turin vor.

An der Börse kamen die Pläne und Aussagen zur Finanzlage gut an. Die Aktie zog in der Spitze in einem insgesamt freundlichen Marktumfeld um knapp vier Prozent an und näherte sich damit wieder dem Jahreshoch von 20,20 Euro. Seit dem Zusammenschluss von Fiat und Chrysler im Herbst 2014 stieg der Wert der Aktie um fast 350 Prozent und damit so stark wie kein anderes aus der Branche. Das Unternehmen kommt inzwischen wieder auf einen Börsenwert von etwas mehr als 30 Milliarden Euro.

Jeep soll kräftig wachsen
Die Fokussierung auf Nischenmarken gilt Beobachtern als elementares Vermächtnis des mächtigen Managers, der im kommenden Jahr sein Amt niederlegt und das italienische Traditionsunternehmen verlässt. Im Kern der nun offenbarten Strategie steht zunächst die Marke Jeep, deren Absatz bis 2022 kräftig angekurbelt werden soll.

Während im laufenden Jahr jedes 17. Fahrzeug von Jeep kommen soll, soll es 2022 schon jedes 12. Fahrzeug sein. Dies entspräche einem Anstieg auf etwa 3,3 Millionen Fahrzeuge. In Zukunft, so die Vision der Konzernleitung, soll Jeep sogar für ein Fünftel des Gesamtmarktes stehen.

Zugleich will sich Jeep in Europa vom Diesel-Motor verabschieden und kündigte stattdessen vier neue Elektromodelle bis 2022 an. Bereits ab 2021 sollen alle bestehenden Modelle auch als strombetriebene Variante bestellbar sein. Aber auch bei der Edelmarke Maserati sollen bis 2022 Diesel-Modelle komplett aus dem Angebot verschwinden. Zudem will der Konzern mit einer reinen E-Nobelkarosse den Hersteller Tesla angreifen. Die Antriebe, auch die elektrischen sollen von Ferrari kommen. Steigende Nachfrage verspricht sich der Konzern vor allem in wachsenden Märkten wie China, Indien und Lateinamerika.

Marchionne – von Haus aus Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer – war 2004 in der Zeit der höchsten Krise an die Fiat-Spitze gerückt. Der Konzern stand damals kurz vor dem Bankrott. Auf dem Balocco-Testgelände hatte er damals seinen ersten Überlebensplan für das Unternehmen aufgestellt, das heute wieder Geld verdient. Unter seiner Regie kam später auch die Übernahme des ebenfalls in Schwierigkeiten steckenden US-Autobauers Chrysler zustande, den Marchionne wieder aufbaute. Chryslers Marke Ram soll nun zur Nummer zwei unter den Nutzfahrzeugen im nordamerikanischen Raum (Nafta-Region) aufsteigen.

Ferrari mit Gewinn an die Börse gebracht
Seine Idee, auch Opel mit in den Konzern zu holen, konnte der Italiener hingegen nicht verwirklichen. Dafür brachte er die Tochter Ferrari erfolgreich mit Gewinn an die Börse. Letztes grosses Ziel für den 65-Jährigen war es, den Konzern schuldenfrei in neue Hände geben zu können. Das ist offenbar geglückt: «Wenn wir Ende Juni unsere Bücher schliessen, wird unser Barmittelbestand wieder positiv sein», kündigte Marchionne an.

Wie zuletzt mehrere Medien übereinstimmend unter Berufung auf informierte Kreise berichteten, erwägt Fiat ferner nach dem Vorbild amerikanischer Wettbewerber die Gründung einer eigenen Finanz-Sparte in den USA. Hierzu wollen die Italiener im weiteren Tagesverlauf separat informieren. Marchionne hatte zudem bereits klar gemacht, dass er Fiats Zukunft in jenen Marken sieht, für die Kunden bereit seien, einen Preisaufschlag zu zahlen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg jüngst unter Berufung auf informierte Konzernkreise berichtete, erwägt Chrysler nun, die Verkäufe von Autos der Marke Fiat in Nordamerika und China einzustellen. Gleichzeitig solle sich Chrysler weitgehend auf den US-Markt konzentrieren.

Als Teil der Umbaupläne soll den Informationen zufolge auch die Produktion für den Massenmarkt in Italien vor dem Aus stehen. Die Produktion der Modelle Mito von Alfa Romeo und des Fiat Punto solle gestoppt werden, und die Montage des Fiat Panda soll wegen der niedrigeren Kosten nach Polen verlegt werden. Zudem erwäge die Konzernführung, Alfa Romeo and Maserati zu einem Bereich für die Finanzberichterstattung zusammenzulegen. (awp/mc/ps)

Fiat Chrysler

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