Trump zu Iran: «Ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen»
Washington – Stunden vor Ende seines Ultimatums richtet US-Präsident Donald Trump noch einmal eine harsche Drohung an den Iran. «Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren», schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Er wolle nicht, dass das passiere, aber es werde wahrscheinlich dazu kommen.
Trump bekräftigte in seinem Post allerdings auch seine bekannte Darstellung, dass im Iran bereits «Regime Change» stattgefunden habe – und man es nun mit anderen, «klügeren und weniger radikalisierten» Personen zu tun habe. Vielleicht könne «etwas revolutionär Wunderbares geschehen», schrieb er – und schob hinterher: «WER WEIss DAS SCHON?»
Man werde es heute Nacht erfahren. Trump, der dafür bekannt ist, nicht mit Superlativen zu sparen, sprach von einem der «wichtigsten Momente in der langen und komplexen Geschichte der Welt». Er betonte, dass Jahrzehnte der Erpressung, Korruption und des Todes – herbeigeführt durch den Iran – zu Ende gehen würden. «Gott segne die grossartigen Menschen des Irans!».
Womit Trump konkret droht
Bereits am Vortag hatte er einerseits von guten Verhandlungen mit dem Iran gesprochen und dem Land andererseits mit einer militärischen Eskalation gedroht, sollte es nicht einlenken. Für diesen Fall drohte Trump mit einer schnellen Zerstörung aller Brücken und Kraftwerke. Er sagte, die USA könnten innerhalb von vier Stunden eine «völlige Zerstörung» herbeiführen. «Das ganze Land kann in einer Nacht ausgelöscht werden, und das könnte schon morgen Nacht sein.» Die Frist, die er Teheran zur Öffnung der Strasse von Hormus gesetzt hat, läuft nach deutscher Zeit um 2.00 Uhr in der Nacht zum Mittwoch ab.
In einem Telefoninterview mit dem Sender Fox News bekräftigte Trump nach Angaben des US-Mediums, dass es ohne ein rechtzeitiges Einlenken Teherans massive Angriffe auf den Iran geben werde. Sollten diplomatische Bemühungen heute vorankommen und dabei etwas Konkretes rauskommen, könnte sich das demnach ändern.
Angriffe auf Autobahnen und das Schienennetz
Schon kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump an Teheran sind im Iran zahlreiche Verkehrswege und die Ölindustrie bombardiert worden. In der Provinz Ost-Aserbaidschan wurde eine Autobahn nach Einschlägen von Geschossen gesperrt, wie Irna berichtete. In derselben Provinz sei eine Autobahnbrücke auf der Strecke zwischen der Millionenstadt Tabris und der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Sandschan attackiert worden, meldete die Zeitung «Etemad». Nahe der Pilgerstadt Ghom wurde laut iranischen Medien eine Brücke an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt angegriffen.
Die staatliche und englischsprachige Zeitung «Tehran Times» meldete Angriffe auf das Schienennetz in Karadsch, einer Millionenstadt westlich von Teheran. Die mächtigen Revolutionsgarden drohten mit Vergeltung und kündigten Raketenangriffe auf Industrie, Infrastruktur und Militärziele in Israel an, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete.
Neue Explosionen auf Ölinsel Charg
Der Iran meldete ausserdem neue Explosionen auf der Insel Charg im Persischen Golf. Die Nachrichtenagentur Mehr berichtete, die Insel werde angegriffen. Dort hatte das US-Militär bereits Mitte März Luftangriffe ausgeführt.
Im Persischen Golf südlich des iranischen Festlands liegen mehrere Inseln von strategischer Bedeutung für die Führung in Teheran. Sie spielen auch wirtschaftlich eine wichtige Rolle. Die iranische Insel Charg etwa ist das wichtigste Exportterminal für iranisches Erdöl im Persischen Golf. Ein grosser Teil der Ölproduktion wird von dort verschifft.
Trump hatte bereits eine mögliche Übernahme von Öl aus der Region ins Spiel gebracht. Vor einer Woche sagte er der britischen Zeitung «Financial Times»: «Um ehrlich zu sein, am liebsten würde ich mir das Öl im Iran nehmen.»
UN und Frankreich warnen vor Angriffe auf zivile Infrastruktur
Frankreichs Aussenminister Jean-Noël Barrot warnte unterdessen vor Angriffen auf zivile Infrastruktur im Iran. «Wenn wir uns alle gegen Angriffe auf zivile und energetische Infrastrukturen aussprechen, dann vor allem, weil sie nach den Regeln der Kriegsführung und dem Völkerrecht ausgeschlossen sind, und zweitens, weil sie im Falle des Krieges im Iran zweifellos eine neue Phase der Eskalation und Vergeltungsmassnahmen einleiten würden», sagte Barrot dem Sender France Info.
Zuvor hatte UN-Generalsekretär António Guterres die USA und Israel aufgefordert, von Angriffen auf Irans Kraftwerke und andere zivile Infrastruktur abzusehen. Solche Angriffe würden gegen internationales Recht verstossen, sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric.
IEA befürchtet «schwarzen April» bei Energieversorgung
Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, warnte angesichts der weitgehend blockierten Strasse von Hormus vor einer Zuspitzung der Probleme bei der Ölversorgung. «Man muss sich bewusst sein, dass der März zwar sehr schwierig war, der April aber noch viel schlimmer werden wird», sagte Birol in Paris der Zeitung «Le Figaro».
«Sollte die Meerenge tatsächlich den ganzen April über gesperrt bleiben, werden wir doppelt so viel Rohöl und Raffinerieprodukte verlieren wie im März. Wir stehen vor einem „schwarzen April“», sagte Birol. «Ich bin heute sehr pessimistisch, weil dieser Krieg eine der Lebensadern der Weltwirtschaft lahmlegt. Nicht nur Öl und Gas, sondern auch Düngemittel, Petrochemikalien, Helium und vieles mehr.» (awp/mc/ps)