US-Wirtschaft gewinnt stark an Schwung

Dollar
(Foto: Pixabay)

Washington – In den USA hat sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal dank satter Zuwächse beim privaten Konsum nahezu verdoppelt. In den Monaten April bis Juni habe die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich um auf das Jahr hochgerechnete 4,1 Prozent zugelegt, teilte das Handelsministerium am Freitag in Washington nach einer ersten Schätzung mit. Dies ist das stärkste Wachstum seit dem dritten Quartal 2014.

Zum Jahresauftakt war die amerikanische Wirtschaft nur um revidiert 2,2 Prozent (zuvor 2,0) gewachsen. Analysten hatten für den Zeitraum April bis Juni mit einem etwas stärkeren Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 4,2 Prozent gerechnet. Eine der tragenden Säulen des Aufschwungs bleibt der private Konsum, der im zweiten Quartal um vier Prozent zulegte.

Steuerreform trägt zu Aufschwung bei
«Es läuft rund in der US-Wirtschaft», kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank die Wachstumsdaten. Seiner Einschätzung nach habe die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump zum Aufschwung beigetragen. Auch in den kommenden Monaten sei weiter mit einem kräftigen Wachstum zu rechnen. «Die BIP-Zuwachsraten können also auch in den kommenden Quartalen stark bleiben – wenn nicht Donald Trump die Suppe mit seinen Strafzöllen versalzt», sagte Gitzel.

Dagegen zeigte sich Experte Christoph Balz von der Commerzbank eher skeptisch. Für ein weiterhin starkes Wachstum müssten erhebliche Reserven an Arbeitskräften mobilisiert werden. In den USA habe der Arbeitsmarkt sein Potenzial aber nahezu ausgeschöpft und stärkere Zuwächse bei der Produktivität seien nicht in Sicht. So lautete die Prognose des Commerzbank-Experten: «Wir erwarten für die kommenden Quartale ein wieder langsameres Wachstum, aber keinen Sturz in die Rezession.»

Traditionell starkes Quartal
Ein starkes Anziehen der Konjunktur im zweiten Quartal ist nicht ungewöhnlich in der grössten Volkswirtschaft der Welt. In den vergangenen Jahren war das Wachstum zum Jahresbeginn mehrfach vergleichsweise schwach ausgefallen und die Konjunktur hatte erst im weiteren Verlauf des Jahres spürbar an Fahrt gewonnen.

In den USA werden die Wachstumszahlen auf das Jahr hochgerechnet. Sie geben an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das Wachstumstempo ein Jahr lang anhielte. In Europa wird auf diese sogenannte Annualisierung verzichtet. Wachstumszahlen aus den USA sind deshalb optisch höher und nicht unmittelbar mit europäischen Zahlen vergleichbar. (awp/mc/pg)

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