US-Arbeitsmarkt stellt Fortsetzung der Zinswende in Frage

US-Arbeitsmarkt stellt Fortsetzung der Zinswende in Frage
Beschäftigte in der US-Autoindustrie.

US-Autoindustrie.

Washington – Sehr schwache Arbeitsmarktdaten haben der Möglichkeit einer baldigen Zinsanhebung durch die US-Notenbank einen schweren Schlag versetzt. Viele Fachleute zogen in Zweifel, dass die Fed in eineinhalb Wochen ihre Ende 2015 begonnene Zinswende fortsetzt. Wie das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mitteilte, wurden im Mai landesweit nur 38’000 neue Jobs geschaffen. Das ist der schwächste Zuwachs seit fast sechs Jahren und deutlich weniger, als Bankvolkswirte im Vorfeld erwartet hatten.

Die Erwartungen hatten im Mittel (Median) bei plus 160’000 Stellen gelegen. Due deutliche Verfehlung dieser Zahl kann auch mit einem ausgedehnten Streik beim US-Telekomriesen Verizon erklärt werden. Doch selbst unter Berücksichtigung dieses Effekts habe der Arbeitsplatzaufbau nur 76’000 Stellen betragen, kommentierte das Analysehaus Capital Economics. Darüber hinaus zeigte sich die Arbeitsmarktschwäche nicht nur im Telekommunikationssektor, sondern auch in anderen Branchen wie der Industrie oder am Bau. Damit nicht genug, wurde der Stellenaufbau für die beiden Vormonate März und April um insgesamt 59’000 Stellen nachträglich nach unten gesetzt.

Juni-Zinserhöhung wohl vom Tisch
«Der amerikanische Arbeitsmarkt hat im Mai einen Rückschlag erlitten», kommentierte Ökonom Christoph Weil von der Commerzbank. Analysten der schweizerischen Privatbank Sarasin sprachen von einer grossen Enttäuschung. US-Chefvolkswirt Paul Ashworth von Capital Economics sagte, eine Zinsanhebung durch die Fed auf ihrer nächsten Sitzung am 15. Juni sei sehr unwahrscheinlich. Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank meinte, eine Zinserhöhung im Juni sei voraussichtlich vom Tisch.

An den Finanzmärkten wurde dies ähnlich gesehen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung durch die Fed im Juni fiel am US-Geldmarkt von mehr als 20 Prozent kurz vor den Daten auf 4 Prozent nach den Daten. Der US-Dollar kam auf breiter Front unter erheblichen Druck. Der Eurokurs stieg im Gegenzug um gut eineinhalb Cent auf mehr als 1,13 Dollar. In den USA und vielen anderen Ländern tauchten die Renditen für Staatsanleihen ab. Die Aktienmärkte reagierten negativ.

Solide Lohnentwicklung
Einen scheinbaren Lichtblick bot die Arbeitslosenquote, die deutlich von 5,0 auf 4,7 Prozent fiel. Allerdings ging die Erwerbsquote ebenfalls spürbar zurück. Das heisst, es suchten weniger Menschen aktiv nach einem Job. Die Lohnentwicklung konnte dagegen überzeugen: Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen zum Vormonat um 0,2 Prozent, der Zuwachs im Vormonat April wurde von 0,3 auf 0,4 Prozent nach oben korrigiert. Im Jahresvergleich erhöhten sich die Löhne um 2,5 Prozent. Das ist im längeren Vergleich kein hoher, aber ein solider Wert. (awp/mc/upd/ps)

 

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