USA «zerstören» iranische Tanker – Teheran feuert Raketen ab
Washington / Teheran / Amman – Der Kampf zwischen den USA und dem Iran um die Kontrolle in der Strasse von Hormus eskaliert aufs Neue. Das US-Militär attackierte nach eigenen Angaben als Vergeltung für iranische Angriffe auf ein Kriegsschiff der US-Marine fünf iranische Rohöltanker. Die iranischen Revolutionsgarden reagierten nach eigenen Angaben umgehend mit «schweren Raketenangriffen» auf das mit den USA verbündete Königreich Jordanien. Laut der staatlichen jordanischen Nachrichtenagentur Petra fing die Armee des Landes 20 ballistische Raketen erfolgreich ab. 18 seien zerstört worden, zwei in entlegene Gebiete gestürzt.
Die US-Streitkräfte erklärten, ihre Attacken auf die iranischen Tanker seien Vergeltung für iranische Angriffe auf ein US-Kriegsschiff mit ballistischen Raketen gewesen. Die Tanker «M/T Kaviz», «M/T Charminar», «M/T Horizon 1» und «M/T Riesco» im Golf von Oman seien zerstört worden.
Iranische Medien melden Explosionen
Nahe der iranischen Insel Charg im Persischen Golf sei zudem das Schiff «M/T Derya» angegriffen worden, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X weiter mit. Die Tanker seien «Teil eines Schattennetzwerks» mit milliardenschweren Umsätzen gewesen, durch das sich die Iranischen Revolutionsgarden finanzierten, hiess es. Die Besatzungsmitglieder seien zuvor aufgefordert worden, die Schiffe zu verlassen. Zuvor hatten iranische Medien mehrere Explosionen vor der Insel Charg sowie nahe der Hafenstadt Dschask an der Strasse von Hormus gemeldet.
Im Persischen Golf südlich des iranischen Festlands liegen mehrere Inseln, die von strategisch grosser Bedeutung für die Führung in Teheran sind. Sie spielen auch wirtschaftlich eine wichtige Rolle. Auf der Insel Charg etwa befindet sich das wichtigste Exportterminal zur Verschiffung iranischen Erdöls im Persischen Golf. Schon im Iran-Irak-Krieg (1980-1988) war Charg wegen seiner strategischen Bedeutung wiederholt Ziel von Angriffen.
Die iranischen Revolutionsgarden behaupteten laut der Nachrichtenagentur Fars, bei den eigenen Vergeltungsangriffen auf Jordanien den dortigen US-Stützpunkt Al-Asrak getroffen zu haben. Es seien Wartungseinrichtungen und ein Stationierungsort für US-Kampfflugzeuge vom Typ F-35, F-16 und F-15 mit ballistischen Raketen angegriffen worden. Dabei sei beträchtlicher Schaden entstanden. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim gab es mehrere Explosionen auf zwei US-Stützpunkten in Jordanien. Das US-Militär äusserte sich nicht dazu. Die jordanische Agentur Petra erklärte nur, die Raketenangriffe seien abgewehrt worden. Angaben zu den Zielen wurden nicht gemacht.
US-Militär spricht von Vergeltung
Der erneute Vergeltungsschlag gegen die iranischen Öltanker sei erfolgt, nachdem Irans Revolutionsgarden in den vergangenen zwei Tagen zweimal ein Kriegsschiff der US-Marine mit ballistischen Raketen angegriffen hätten, teilte Centcom mit. Das Kriegsschiff sei nicht getroffen worden, dementsprechend habe es auch keine Verletzten gegeben. Erst am Samstag hatte das US-Militär mitgeteilt, drei iranische Öltanker angegriffen zu haben.
Die Strasse von Hormus hat sich im Verlauf des jüngsten Iran-Kriegs zum zentralen Streitpunkt zwischen Washington und Teheran entwickelt: Der Iran blockiert mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe den Verkehr durch die für den Transport von Öl, Erdgas und Dünger bedeutende Meerenge noch immer weitestgehend. Vor dem Krieg war die Seestrasse für den Schiffsverkehr offen. Mit einer Seeblockade gegen iranische Häfen wollen die USA den Iran unter Druck setzen. Zuletzt kam es immer wieder zu gegenseitigem Beschuss. (awp/mc/ps)