Volkswagen vervielfacht Gewinn

Martin Winterkorn

VW-Konzernchef Martin Winterkorn.

Wolfsburg – Neben hohen Fahrzeugverkäufen hat Volkswagen auch dank eines Sondereffekts im zweiten Quartal seinen Gewinn verdreifacht. «Die anhaltend hohe Nachfrage in strategisch wichtigen Märkten gibt uns Rückenwind und unsere zahlreichen neuen Modelle sorgen für zusätzlichen Schub», sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Donnerstag in Wolfsburg. Für das Gesamtjahr äusserte sich Winterkorn jetzt optimistischer.

Abgesehen vom Sondereffekt im Zusammenhang mit der Porsche-Integration waren die Zuwächse bei Umsatz und operativem Ergebnis weitgehend erwartet worden. Die Börse reagierte verstimmt: Die VW-Vorzugsaktien verloren knapp sechs Prozent und notierten am Ende des Leitindex Dax . Die Erwartungen waren im zuletzt besonders gut gelaufenen Autosektor besonders hoch, begründeten Börsianer. Bei Ausbleiben positiver Überraschungen seien die Titel für Gewinnmitnahmen anfällig.

Umsatz- und Ergebnissteigerungen
Der Konzern steigerte im zweiten Quartal die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Fünftel auf 40,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 59 Prozent auf 3,17 Milliarden Euro zu. Trotz der noch immer deutlichen Wachstumsraten hat sich die Dynamik im Vergleich zum Auftaktquartal damit etwas abgeschwächt. Der Überschuss betrug im Zeitraum zwischen April und Juni 4,78 Milliarden Euro, nach 1,35 Milliarden Euro im Vorjahr. Hier spielte massgeblich die Neubewertung der Optionen zum Kauf des restlichen Anteils am Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche eine Rolle. Sie trugen einen positiven Effekt von 2,5 Milliarden Euro zum Finanzergebnis bei.

Ebenfalls im Finanzergebnis verbucht der Konzern den anteiligen operativen Gewinn aus den Gemeinschaftsunternehmen in China. Dieser wird für das erste Halbjahr auf 1,2 Milliarden Euro beziffert, 400 Millionen Euro mehr als in der Vorjahresperiode. Die Auslieferungen des Konzerns wuchsen seit Januar weltweit um 14,3 Prozent auf 4,1 Millionen Wagen an.

Mehr Gewinn aus China

Zum operativen Ergebnis steuerten vor allem die Ingolstädter Premiumtochter Audi und die Kernmarke VW Pkw hohe Beiträge bei. Bei VW Pkw wurde das Ergebnis im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr auf 2,1 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Audi schaffte bei Erlösen von 21,5 Milliarden Euro einen operativen Gewinn von 2,54 Milliarden Euro. Auch weniger umsatzstarke Geschäftsfelder wie die tschechische Tochter Skoda, die VW Nutzfahrzeuge, das Geschäft mit den Finanzdienstleistungen sowie die schwedische Lkw-Tochter Scania, entwickelten sich positiv. Seat und Bentley blieben erwartungsgemäss in den roten Zahlen, wenngleich die Verluste eingedämmt wurden.

Beim Ausblick auf das Gesamtjahr blieb Winterkorn gewohnt vage, wurde dabei aber ein wenig optimistischer. Trotz Beeinträchtigungen durch Wechselkurseffekte und hohe Rohstoffkosten sollen die Erlöse und das operative Ergebnis 2011 die Vorjahreswerte übertreffen, und zwar «deutlich», wie es nun hiess.

Porsche-Integration bleibt Thema
Zum weiteren Fahrplan beim angestrebten Zusammenschluss mit Porsche will sich das VW-Management im September äussern. Vorerst werden die Vorbereitungen für den Verschmelzungsprozess ungeachtet der weiterhin bestehenden steuerlichen und juristischen Hürden vorangetrieben. Noch steht die Einschätzung, es sei zu 50 Prozent wahrscheinlich, dass die Hauptversammlungen beider Unternehmen noch in diesem Jahr entsprechende Beschlüsse fassen können. Gleichzeitig bereitet sich VW aber auch auf den Plan B vor, der mittels Optionen eine vollständige Übernahme des Sportwagengeschäfts von Porsche erlaubt.

Für Investitionen hat Volkswagen nach wie vor viel Geld auf der hohen Kante. Ende Juni betrug die Nettoliquidität im Autobereich 19,4 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr gab der Konzern für den Kauf der Porsche-Vertriebsgesellschaft, die Aufstockung beim Münchner Lastwagenbauer MAN auf über 30 Prozent der Anteile sowie den Einstieg mit fast 10 Prozent bei der SGL Group Milliarden aus. «Die weiterhin hohe Liquidität ist ein Beleg für die finanzielle Solidität und Stabilität des Volkswagen-Konzerns», sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.

Audi verdoppelt Gewinn im ersten Halbjahr
Audi hat dank der weiter boomenden Automärkte und Kosteneinsparungen den operativen Gewinn im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt. Das Ergebnis der VW-Tochter wuchs zwischen Januar und Juni auf rund 2,5 Milliarden Euro nachdem in den ersten sechs Monaten 2010 noch 1,2 Milliarden Euro in den Büchern standen. Das geht weiter aus dem am Donnerstag in Wolfsburg vorgelegten Halbjahreszahlen von VW hervor. Damit trugen die Ingolstädter erneut den grössten Batzen zu den Gewinnen des Mutterkonzerns bei. Der Umsatz kletterte um 22,5 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro. Der Oberklassehersteller verkaufte im ersten Halbjahr insgesamt weltweit 762 000 Autos, vor allem in Asien und dort in China brummen die Geschäfte weiter. Die kompletten Zahlen will das Unternehmen an diesem Freitag vorlegen. (awp/mc/upd/ps)

Volkswagen-Konzern

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