Abouzar Rahmani, CEO Domani Food, im Interview

Abouzar Rahmani
Abouzar Rahmani, CEO Domani Food. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Rahmani, die Geschichte Ihrer Familie in der Lebensmittelindustrie reicht über 140 Jahre zurück. Wie prägt dies Ihr Unternehmen Domani Food?

Abouzar Rahmani: Wenn man nicht nur in Jahren oder Jahrzehnten, sondern in Generationen zurückdenkt, prägt das den Blick in die Zukunft. So ergibt sich eine interessante Perspektive auf das Leben. Themen wie Nachhaltigkeit, das Wohlergehen der Gesellschaft, soziale Eingliederung usw. werden Teil der DNA. Zwingend bei allen unseren Strategien und Massnahmen ist es, unser Unternehmen und unsere Marken so aufzubauen, dass sie auf weitere Generationen ausgerichtet sind.

Eine Ihrer Marken, «Mani», wurde erfolgreich im Nahen Osten vermarktet, bevor Sie diese 2012 nach Europa brachten. Im Jahr 2019 haben Sie die Produktion schliesslich nach Rancate im Tessin verlegt. Inwieweit ist Domani Food in die weltweit tätige Rahmani-Gruppe integriert?

Ich bin der Jüngste der dritten Generation der Rahmani-Familie. 2009 habe ich, unabhängig von der Familiengruppe, begonnen, zusammen mit Familienmitgliedern der vierten Generation und anderen gleichgesinnten Partnern zu agieren. Und zwar mit einem stärker abgestimmten, fortschrittlicheren und weniger traditionellen Ansatz in der Lebensmittelindustrie.

Nun «snacken» wir ja alle gerne, die einen regelmässig, andere ab und zu. Die Ernährungsgewohnheiten entwickeln sich aber stetig weiter. Welche Trends stellen Sie im Snack-Bereich fest?

Wir snacken immer öfter, das gehört zu unserem hektischen Lebensstil: Weg von wenigen grösseren Hauptmahlzeiten hin zu kleineren Zwischenmahlzeiten und Snacks während des Tages. Innerhalb des Snacking-Bereichs nehmen Themen wie pflanzliche Ernährung und ökologische Nachhaltigkeit zu. Zudem sind Snacks gefragt, die reich an wichtigen Makro- und Mikronährstoffen wie Eiweiss, Ballaststoffen, Mineralien (Eisen, Zink, Vitamin D, B12 usw.) sind. Auch der Trend zu weniger Zucker hält an.

«Unser Fokus liegt auf natürlichen Snacks für den Körper und die Seele. Denn wir sind der Meinung, dass man die emotionalen und rationalen Aspekte des Essens nicht trennen kann.»
Abouzar Rahmani, CEO Domani Food

Snacks haben nicht gerade den Ruf, gesund zu sein. Viele sind es auch nicht. Domani Food hat sich aber auf «gesunde Snacks» spezialisiert. Wie definieren Sie «gesund»?

Traditionell stehen Snacks für Genuss, sie befriedigen unseren Appetit und unsere Lust auf Süsses oder Herzhaftes. In den letzten Jahren haben wir eine sehr starke Verschiebung von dieser traditionellen Art von Snacks hin zu rein funktionalen Snacks erlebt, die meist wenig oder gar keinen Geschmack haben. Unser Fokus liegt auf natürlichen Snacks für den Körper und die Seele. Denn wir sind der Meinung, dass man die emotionalen und rationalen Aspekte des Essens nicht trennen kann. Mit anderen Worten: Wir konzentrieren uns darauf, nahrhafte Snacks ohne Zusatzstoffe anzubieten, die auch lecker sind.

Ein Beispiel dafür ist ein neues Domani-Produkt, das unter anderem vegane Schokolade, pflanzliches Karamell und hochwertige Nüsse enthält. Verpackt ist es in einer Hülle, die zu 90 % aus pflanzlichen Materialien besteht. Entwickeln Sie diese und andere Produkte alle in Ihrem Innovation Lab?

Im Innovation Lab entwickeln wir sowohl unsere eigenen Marken wie auch Kooperationen mit externen Kunden. Derzeit arbeiten wir mit einem der grossen Einzelhändler in der DACH-Region zusammen, um ein spezielles Snackprodukt für ihn zu entwickeln. Dabei arbeiten wir auf der Grundlage von zwei wissenschaftlichen Manifesten, die wir gemeinsam mit Experten aus den Bereichen Ernährung und ökologische Nachhaltigkeit entwickelt haben. So berücksichtigen wir diese Manifeste und gleichzeitig auch aktuelle Trends auf dem Lebensmittelmarkt. Alle unsere Produkte entwickeln wir selbst, einschliesslich Rezepturen, Produkt- und Verpackungsdesign. Dabei kooperieren wir mit externen Partnern in den Bereichen nachhaltige pflanzliche Verpackungen, fair bezogener Kakao und Bio-Zutaten. Und wir berücksichtigen Lieferanten von natürlichen Adaptogenen und Mikronährstoffen.

«Alle unsere Produkte entwickeln wir selbst, einschliesslich Rezepturen, Produkt- und Verpackungsdesign.»

Teilweise konzentrieren sich die Aktivitäten Ihres Labors auf die Entwicklung von so genannten «Minimum Viable Products». Per Definition handelt es sich dabei um Produkte, die mit geringem Aufwand erstellt werden, und bei denen man so schnell wie möglich aus dem Feedback der Nutzer lernt und die Anforderungen anpasst. Können Sie Ihren Ansatz etwas genauer erläutern?

Wir geben uns etwas mehr als nur ein bisschen Mühe. (lacht) Jedes unserer Projekte, ob klein oder gross, ist ein Herzensprojekt. Wie gesagt richten wir uns auch an aktuellen Trends aus. Wenn also ein Projekt mit unseren Werten und wissenschaftlichen Studien übereinstimmt und die Nachhaltigkeit des Trends gewährleistet, dann entwickeln wir intern die Rezepte. Danach richten wir eine kleine Produktionslinie ein, entwerfen die Verpackung und produzieren in Mindestmengen – natürlich unter Einhaltung aller Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit und Etikettierung – und bieten die Produkte dem Handel und ausgewählten Verbrauchern an, um das tatsächliche Kauf- und Konsumverhalten zu verstehen.

Dadurch erhalten wir in der Regel ziemlich genaue Einblicke. So können wir das Produkt entsprechend unseren Erkenntnissen weiter verbessern. Dies kann bis zu fünf Zyklen umfassen. Schliesslich ist unser Ziel, ein Produkt zu entwickeln, das zehnmal besser ist als das, was bereits auf dem Markt ist. In einem nächsten Schritt gliedern wir die Marken aus, sobald sie auf dem Markt Fuss fassen, und bieten strategischen Investoren Eigenkapital an, um das Unternehmen gemeinsam zu vergrössern. Wir haben derzeit zwei Marken, die ausgegliedert werden sollen.

Als Beispiel dient die Schweizer Schokoladenmarke CimaNorma, die Domani Food wieder auf dem Markt eingeführt hat. Wie kam es dazu?

Wir haben die Marke CimaNorma im Jahr 2019 erworben, weil sie ein reiches und umfassendes Erbe hat. Die Marke war, historisch betrachtet, stets auf der Höhe der Zeit, was das Produktangebot, das Verpackungsdesign, den sozialen Einfluss auf die Stakeholder usw. angeht. Das Unternehmen war immer erfolgreich, solange es sich an diese Kernwerte hielt. Zumindest bis Ende der 60er-Jahre. Damals hörte es auf, sich an die Zeit und die Umstände anzupassen und es wurde geschlossen. Unsere Aufgabe ist es nun, das Erbe fortzuführen, indem wir uns auf Qualität, Innovation und Exzellenz in der Schokoladenherstellung konzentrieren. Mit der Lancierung der neuen CimaNorma Sleeping Beauty Edition sind wir die erste Schweizer Traditionsschokoladenmarke, die eine Reihe von 100% biologischen, pflanzlichen Schokoladentafeln und Pralinen in exquisiter Verpackung anbietet, die von der Bohne bis zur Tafel in der Schweiz hergestellt werden.

Wir haben zu Beginn von der Tradition Ihrer Familie in der Lebensmittelindustrie gesprochen. Liegt es auch in dieser DNA, dass Sie mit Ihren Marken stark auf soziale Anliegen setzen und so Ihre Werte stärken?

Mit der persischen Erziehung, die wir von unserem Grossvater erhalten haben, war der soziale Gedanke für mich schon immer etwas Natürliches. Daher war soziales Engagement von Anfang an Teil der DNA unserer Arbeit. Ich glaube, dass es für die Nachhaltigkeit jedes Unternehmens einen tieferen Grund geben muss als nur die Erzielung von Gewinn. Wir leben und wachsen mit unserer Gesellschaft. Neben Domani Food unterstützt auch jede unserer Marken bestimmte Anliegen, die für ihre Kernwerte relevant sind.

«Ich glaube, dass es für die Nachhaltigkeit jedes Unternehmens einen tieferen Grund geben muss als nur die Erzielung von Gewinn.»

Wie viele Snacks können Sie heute in Rancate herstellen?

Wir können pro Jahr 5 Millionen Packungen in einer Schicht produzieren. Durch neue Produktionslinien für Snackriegel und Schokolade wollen wir diese Kapazität innerhalb des nächsten Jahres verdoppeln.

Und über welche Kanäle kommen die Produkte zu den Kunden?

Wir verfolgen einen Multi-Channel-Ansatz. Je nach Wertversprechen der einzelnen Produkte und der Art des Verzehrs platzieren wir unsere Produkte im Convenience-Einzelhandel (z. B. Spar), in Supermärkten (z. B. Carrefour), auf Online-Plattformen (z. B. Foodist und Siradis), in der Reisegastronomie (z. B. Gate Group) und im Gastgewerbe, hauptsächlich in den Benelux-Ländern, Frankreich, der Schweiz und Deutschland.

Wie stark wurde Ihr Unternehmen von der Corona-Pandemie betroffen?

Der produktive Teil unseres Geschäfts war vorübergehend von der Pandemie betroffen, da wir im Reise-, Convenience- und Gastgewerbesektor tätig sind. Da wir als Unternehmer jedoch nie untätig sind, wurden die Aktivitäten im Innovationslabor intensiv fortgesetzt. In diesem Jahr haben wir drei neue Produktreihen in den Bereichen Cerealien, Schokoladepopcorn und Bio-Schokoladensnacks eingeführt. Vier weitere Produktreihen sind in Vorbereitung und sollen Anfang 2022 eingeführt werden.

Herr Rahmani, wir bedanken uns für das Interview.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.