Alois Vinzens, Vorsitzender der GKB-Geschäftsleitung, im Interview

Alois Vinzens
Alois Vinzens, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Graubündner Kantonalbank. (Foto: GKB)

von Robert Jakob

Moneycab.com, Herr Vinzens, seit Neustem bietet die GKB auch die Bezahl-App von Apple an. Hätte Twint nicht gereicht? Apple Pay ist hierzulande wegen seiner rabiaten Marktabschottung nicht unumstritten und hat sich viele Sympathien verscherzt.

Alois Vinzens: Kundenorientierung ist für uns zentral. Deshalb ging es in erster Linie darum, Kundinnen und Kunden die Wahl zu lassen, welche mobilen Bezahlmöglichkeiten sie einsetzen möchten. Mit der praktischen und plattformunabhängigen Schweizer Lösung Twint, dem im August eingeführten Apple Pay sowie einem umfassenden Sortiment an Debit- und Kreditkarten ist die GKB breit aufgestellt.

Die Graubündner Kantonalbank hat die Umstellung auf Tablet-gestützte Kundenberatung problemlos gemeistert. Manch andere Bank hatte da mehr Mühe. Sind Ihre Berater technikbegeisterter?

Der Kunde kann sich nur gut fühlen, wenn sich der Berater gut fühlt. Deshalb haben wir massiv in Schulung und in Trainings-Sessions investiert. Das Tablet, die Software sowie die Beratungssituation waren für alle neu. Erfahrungsgemäss wussten wir, dass 80 Prozent der Beraterinnen und Berater gut mit dieser neuen Situation klarkommen. Rund 20 Prozent brauchte spezielle Unterstützung, die wir projektseitig gaben.

«Der Kunde kann sich nur gut fühlen, wenn sich der Berater gut fühlt. Deshalb haben wir massiv in Schulung und in Trainings-Sessions investiert.»
Alois Vinzens, Vorsitzender der GKB-Geschäftsleitung

Die Digitalisierung ist der Königsweg aus der Kostenfalle, in welche die Hyperregulierung die Banken treibt. Welche neuen elektronischen Entwicklungen zeichnen sich im Backoffice ab?

Bei der Digitalisierung betrachten wir den Prozess immer vom Kunden bis hin zur Verarbeitung. Wie unser neuer Anlageprozess zeigt, streben wir eine Harmonisierung der digitalen und physischen Prozesse in der Kundenschnittstelle sowie im Backoffice an. Der Kunde kann wählen, welchen Kanal er bevorzugt und kann ihn jederzeit wechseln. Nach dem Anlageprozess steht die weitere Digitalisierung des Finanzierungsprozesses im Fokus.

Mit einer Kostenquote von unter 50 Prozent schlagen Sie Rekorde. Liegt das daran, dass Ihre Bündner Klientel besonders „pflegeleicht“ ist?

Die Graubündner Kantonalbank bedient eine breite Kundenstruktur aus dem In- und Ausland. Der Grund ist daher weniger bei der Herkunft der Kunden, als bei einer effizienten Leistungserstellung zu suchen. Der GKB verfolgt schon seit Jahren das Ziel, dadurch Handlungsspielraum für potenzielle Veränderungen im Markt zu schaffen. Themen wie Prozessoptimierung und Effizienzprogramme versuchen wir in unserem Managementansatz und in unserer Kultur zu verankern.

Im Ausblick warnt die GKB vor steigenden Kreditrisiken. Wieso dies? Letztens hatten Sie doch nur 0,3% an notleidendenden Krediten …

Das tiefe Zinsniveau begünstigt sicher die tiefe Quote an notleidenden Krediten. Trotzdem gehen wir davon aus, dass wir vor grösseren Strukturveränderungen in der Bauwirtschaft, Stichwort Zweitwohnungsinitiative und im Tourismus stehen, woraus wir erhöhte Risiken für die Bank ableiten. Einen erhöhten Wertberichtigungsbedarf konnten wir allerdings aufgrund der bestehenden Risikovorsorge noch nicht feststellen.

«Wir stehen vor grösseren Strukturveränderungen in der Bauwirtschaft, und im Tourismus, woraus wir erhöhte Risiken für die Bank ableiten.»

Nach 310 Millionen Abfluss im H1 2015 gab es jetzt 178 Millionen Franken Neugeld. Ich nehme an, diese Trendwende erachten Sie als nachhaltig?

Die konsequente Umsetzung der Weissgeldstrategie führte zu einem Abfluss von Kundenvermögen bei Kunden mit ausländischem Domizil. Der Bereinigungsprozess ist nun beinahe vollständig abgeschlossen, so dass wir überzeugt sind, die Trendwende bezüglich Entwicklung des Neugeldzuflusses geschafft zu haben.

Wie läuft es bei Ihrer neusten Beteiligung, dem renommierten Zürcher Vermögensverwalter Albin Kistler?

Wir sind auf gutem Weg. Die Albin Kistler AG wird ihr erfolgreiches Geschäftsmodell operativ und strategisch unverändert weiterführen. Strategie, Zielmärkte und Kultur passen ausgezeichnet zum Geschäftsmodell der Graubündner Kantonalbank.

Sie haben dort eine Option auf Aufstockung. Wieso geht diese sogar bis 51%?

Wir möchten bei unseren Beteiligungen eine konsolidierungsfähige Mehrheit besitzen, damit wir strategisch Einfluss nehmen können. Der Kauf erfolgte in Übereinstimmung mit unserer Strategie, die Position der GKB im Vermögensverwaltungsgeschäft zu stärken und unsere Expertise im Asset Management zu erweitern.

«Eine Rentabilität von über 15 Prozent und eine Produktivitätskennzahl von unter 55 Prozent zeigen, dass die PBB sehr profitabel und gut aufgestellt ist.»

Privatbanken haben starken Gegenwind. Hat Ihre Beteiligung Privatbank Bellerive AG überhaupt die kritische Grösse, um die harten Anforderungen in diesem Verdrängungsgeschäft zu meistern …

Die kritische Grösse einer Privatbank wird durch die Absatzmärkte, die Kundenstruktur sowie durch den Grad des Outsourcings beeinflusst. Eine Rentabilität von über 15 Prozent und eine Produktivitätskennzahl von unter 55 Prozent zeigen, dass die PBB sehr profitabel und gut aufgestellt ist.

Die GKB hat im Halbjahresvergleich ihre Rückstellungen um die Hälfte reduziert. Blicken Sie dermassen optimistisch in die nähere Zukunft?

Die Reduktion der Rückstellungen erklärt sich aus den Beteiligungstransaktionen des ersten Semesters, zudem ist die PCB aus dem Konsolidierungskreis gefallen.

Trotz einer Kernkapitalquote von über 18 Prozent erwirtschaften Sie eine Rendite von über 8 Prozent. Können unsere Grossbanken vielleicht etwas von Kantonalbanken wie der GKB lernen?

Grossbanken und die Graubündner Kantonalbank verfügen über unterschiedliche Geschäftsmodelle. Ein Vergleich ist deshalb nicht möglich.

Zur Person:
Alois Vinzens (1959) ist seit 2003 Vorsitzender der Geschäftsleitung der Graubündner Kantonalbank (CEO). Er ist in Ilanz geboren, verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Sein Studium der Wirtschaftswissenschaften zum lic. oec. HSG absolvierte er an der Universität St. Gallen. Danach folgte das Diplom als eidg. dipl. Wirtschaftsprüfer. Alois Vinzens absolvierte im Jahr 2001 das AMP an der Harvard Business School in Boston und war danach (2001/2002) bei Swiss Re Americas in New York tätig. Alois Vinzens bekleidet diverse Mandate in Finanz und Wirtschaft. In Graubünden engagiert er sich ausserhalb seiner Bankfunktion als Präsident des Wirtschaftsforums Graubünden sowie im Vorstand der HTW Chur.

GKB

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.