Andreas Giesbrecht, VRP Villars Holding, im Interview

Andreas Giesbrecht
Andreas Giesbrecht, VRP Villars Holding. (Foto: Villars)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Giesbrecht, im Kiosk-Einzelhandel setzen fast alle Grossen der Branche zunehmend auf das amerikanische Franchising-System. Nicht so die Villars Holding. Ist das eine bewusste Entscheidung?

Andreas Giesbrecht: Ein erfolgreiches Franchising braucht unseres Erachtens ein besonderes Geschäftsmodell oder mindestens einen speziellen Marktauftritt, der sich rasch und international multiplizieren lässt. Wir haben nicht den Anspruch mit Restoshop oder Pause-Café ein besonders eigenständiges Konzept anzubieten und haben uns auch nie als Logistiker verstanden. Insofern ja, das war eine bewusste Entscheidung.

Die Margen für „freie“ Franchising-Partner sind unter Druck. 60-Stunden-Wochen sind keine Seltenheit. Gibt es dazu auch ein Gegenmodell?

Ein eigentliches Gegenmodell sehen wir dazu nicht, die Frage ist eher wie lange jemand trotz Margendruck und Überstunden durchhält. Auch Tankstellenshops unterstehen nun einem Gesamtarbeitsvertrag, und insofern sind die Spiesse für alle gleich lang.

Unter Druck ist bei Ihnen offenbar der Umsatz in den Pause-Café-Shops. Steckt dahinter ein Kulturwandel oder hängt das nur mit der etwas geringeren Besucherfrequenz in den Einkaufszentren zusammen?

Beides trifft zu. Die Besucherfrequenz ist gleichzeitig Treiber des Umsatzes, aber auch der Mietpreise. Dort werden sich die gesunkenen Frequenzen auf die Mietbedingungen bei den Vertragsverlängerungen durchschlagen müssen. Den Kulturwandel sehen wir im immer noch wachsenden Trend des «Take away» aber auch der Tatsache, dass Kaffeekapseln und -automaten heute überall zur Verfügung stehen und damit trotz steigendem Konsum der Tea-Room Besuch tendenziell abnimmt.

«Bei den Vertragsverlängerungen werden die gesunkenen Frequenzen auf die Mietbedingungen durchschlagen müssen.»
Andreas Giesbrecht, VRP Villars Holding

Bei den Restoshops wird der weiter zunehmende Strassenverkehr sicher für genügend Auslastung sorgen, oder?

Unsere Verkaufsstellen auf den Autobahnen haben unter dem starken Franken und schwachem Tourismus gelitten, doch war die Auslastung im vergangenen Jahr insgesamt wieder zufriedenstellend. Sorgen bereitet aber der zunehmende Stossverkehr auf den Autobahnen, der den verspäteten Automobilisten von einem Raststättenbesuch abhält. Auch stagniert der internationale Busverkehr; den Grund sehen wir hier im Wachstum der Billigfluglinien.

Nach dem Verkauf der Alvi-Shops an Coop hat Villars fast 25 Millionen zusätzlichen Cash. Was wird damit geschehen?

Wir haben verschiedene Immobilienprojekte in Freiburg und in Genf in der Pipeline und werden diese Mittel dort in den kommenden Jahren investieren.

Es gibt bei den Autobahnraststätten ja viele kleinere Aktiengesellschaften. Wäre ein Zukauf in diesem Bereich nicht eine einfache Möglichkeit, Villars Geschäftsvolumen zu steigern?

Wir schauen uns immer wieder Investitionsmöglichkeiten an, doch muss die Rentabilität stimmen. Wir brauchen kein Wachstum des Wachstums willen.

Umsatzwachstum generiert im Moment in erster Linie Arte Panis. Ist das obere Qualitätssegment der Schlüssel zum Umsatzwachstum?

Topfrische und handwerkliche Qualität ist Voraussetzung, doch gute Lagen für die Verkaufsstellen sind matchentscheidend. Die Eröffnung einer Bäckerei Suard mit «Drive» in Givisiez wird uns da neue Informationen liefern.

«Wir haben uns entschieden, einerseits einen Generationenwechsel vorzunehmen und gleichzeitig die weibliche Beteiligung auf der Managementstufe auszubauen.»

Nach dem Abgang Ihres CEO zu Villars Maitre Chocolatier und der Pensionierung Ihres CFO gibt es seit 1. März bei Villars Holding ein komplett neues Direktorium. Gab es dafür so etwas wie ein Kick-off?

Wir haben uns entschieden, einerseits einen Generationenwechsel vorzunehmen und gleichzeitig die weibliche Beteiligung auf der Managementstufe auszubauen. Die Führungscrew besteht nun aus zwei weiblichen und zwei männlichen Mitgliedern, die mir direkt rapportieren.

Was versprechen Sie sich vom neu geschaffenen Departement «Entwicklung und betriebliche Unterstützung»?

Dies ist eine eigentliche Stabsstelle. Einerseits soll sie neue Projekte vorantreiben und Investitionsgelegenheiten prüfen, aber gleichzeitig auch die operativen Einheiten mit Markt-, Effizienz- und Betriebsanalysen unterstützen.

Villars ist auch eine Immobiliengesellschaft. Wie ist die Lage im Immobilienmarkt rund um Fribourg?

Location, Location, Location gilt auch in Freiburg. In Zentrums- und Bahnhofnähe ist und bleibt die Lage gut. Nicht zuletzt auch wegen der Pendler Richtung Bern. In der Peripherie wurde viel gebaut und die Mietpreise werden unter Druck kommen.

Villars Holding
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Zum Gesprächspartner:
Andreas Giesbrecht, geboren 1953 in Bern. Schloss sein Studium mit dem Dr. oec. in Volkswirtschaft an der HSG ab, und war Assistenz bei Prof. Dr. Ota Sik. Danach arbeitete er 30 Jahre lang im Firmenkundengeschäft der Credit Suisse, zuletzt als Managing Director der KMU-Kunden der Region Suisse romande. Seit 2012 ist Andreas Giesbrecht unabhängiger Verwaltungsrat. Neben den Mandaten für die Villars Gruppe ist er Präsident von Renaissance KMU, Vize-Präsident bei Scott Corporation, VR bei Patrimonium Asset Management, pme-successions.ch, Qualibroker, und Visval. Haupthobby: Segeln (Binnen und Hochsee).

Zum Unternehmen:
Das Traditionsunternehmen Villars ist heute eine börsenkotierte Holding-Gesellschaft. Als Schokolade- und Kaffeefabrik Villars wurde sie im Jahre 1901 gegründet. Die Schokoladeproduktion wurde im Jahr 1985 verkauft und läuft eigenständig weiter. Die Immobilienaktivitäten werden durch Parvico AG, die im Jahr 1967 gegründet wurde, betrieben. Im Jahr 1973 gründet das Unternehmen Villars Holding die Tochtergesellschaft Pause-Café AG, welche Kaffeeshops in verschiedenen Einkaufszentren unter den Namen Pause-Café und Xpresso-Café betreibt. Die Restoshop AG wurde 1987 nach der Änderung der Gesellschaftsform der Verkaufsstellen Villars gegründet. Restoshop betreibt Convenience-Shops, Kioske und Tankstellen mit Shops an strategischen Verkehrslagen und Autobahnen in der Schweiz. Die Tochter Arte Panis AG wurde im 2012 gegründet, per 1. Januar 2016 übernommen und führt die Aktivitäten von Boulangerie-Pâtisserie-Confiserie Suard SA. Zusammen mit der Firma Alimentana Sista-Holding gründet Villars Holding im Jahr 1992 die Firma Alvi-Shop., welche in Bahnhöfen der Westschweiz, Filialen unter der Marke Aperto und Aperto Take Away betrieb. Sie wurde per 1. Januar 2017 verkauft. Die Villars Holding ist heute in den Sektoren Einzelhandel, Gastronomie und Immobilien tätig.

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