Andy Siemers, Founder LEND, im Interview

Andy Siemers
LEND-Founder Andy Siemers. (Foto: pd)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Siemers, LEND ist seit 2016 am Markt. Welche Zwischenbilanz können Sie heute ziehen?

Andy Siemers: Mit unserer Geschäftsidee sind wir auf Kreditnehmer- und Investorenseite auf grossen Zuspruch gestossen. Das Bedürfnis nach Transparenz im Kreditgeschäft ist sehr stark zu spüren und wir können dieses mit unserer Online-Plattform bestens abdecken.

Worauf haben Sie in den ersten Monaten die Schwerpunkte gelegt?

Auf das Vertrauen unserer Kunden: Vertrauen in die Businessidee, dank transparenter und umfassender Kommunikation. Vertrauen in die Plattform dank neuster digitaler Tools etwa zur Erkennung von betrügerischen Absendern. Und Vertrauen in die einzelnen Projekte, dank hochstehender Kreditprüfungsverfahren. Feedbackrunden mit Early Adopters schaffen zusätzliches Vertrauen bei unseren Kunden.

Beim Peer-to-Peer oder Crowdlending finanzieren Anleger direkt Kreditnehmer online und die Dienstleistungen einer Bank fallen weg. Welches sind die grössten Vorteile für Anleger?

Anleger erhalten alle relevanten Daten und Information zu ihren Anlagemöglichkeiten und entscheiden selber in welche Projekte sie wieviel investieren. Die administrative Abwicklung wird von LEND übernommen. Zudem sieht der Anleger jeden Rappen auf dem Online-Anlagedashboard ausgewiesen. So maximieren wir die Entscheidungskraft und Transparenz im Anlageprozess und minimieren den Aufwand für den Anleger.

„Das Bedürfnis nach Transparenz im Kreditgeschäft ist sehr stark zu spüren und wir können dieses mit unserer Online-Plattform bestens abdecken.“
Andy Siemers, Founder LEND

Welche Renditen lassen sich je nach Anlageklasse erzielen?

Die Renditen hängen von der Anlagestrategie eines jeden Anlegers ab. Die gebührenbereinigte Rendite im 2016 für Investoren auf LEND war im Durchschnitt 5.77%.

Welche Art von Kreditprojekten stehen für die Anleger im Fokus?

Die meisten Anleger sind an kurzen Laufzeiten interessiert. Aber auch längere Laufzeiten finden ihre Liebhaber. Da alle Projekte amortisieren, erhält ein Anleger mit jeder Monatszahlung auch einen Teil seiner Investition zurück. Viele unsere Anleger investieren diese Rückzahlung sofort wieder und erreichen dadurch eine noch ausgeprägtere Diversifikation ihrer Anlagen.

In welcher Grössenordnung bewegen sich die meisten Kredite?

Die durchschnittliche Kreditgrösse steht bei CHF 26’000. Da wir bis zu 20 Teile eines einzelnen Kreditprojektes unseren Anlegern anbieten können, ist die durchschnittliche Minimalanlage bei LEND derzeit bei CHF 1300. Die kleinsten Anlagen beginnen ab CHF 250.

Und der durchschnittlich zu bezahlende Zins?

Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer können auf LEND bereits ab einem Zinssatz von 4.5% Geld ausleihen. Der angebotene effektive Jahreszins wird durch die von uns evaluierte Bonitätsklasse des Antragstellers und die vom Kunden gewünschte Laufzeit des Kredits bestimmt. Zinsen zwischen 4.5% und 9.8% – durchschnittlich sind es 7.5% – kommen so zur Anwendung. Noch vor kurzem wurde der durchschnittliche Kreditzins in der Schweiz auf über 11% geschätzt. Dank unserem effizienten Online-Modell können wir den Kreditgebern viel attraktivere Konditionen bieten.

„Da wir bis zu 20 Teile eines einzelnen Kreditprojektes unseren Anlegern anbieten können, ist die durchschnittliche Minimalanlage bei LEND derzeit bei CHF 1300.“

Wovon profitieren Kreditnehmer neben attraktiveren Konditionen?

Anleger und Kreditnehmer haben jederzeit Zugriff auf ein übersichtliches Online-Dashboard, auf dem alle relevanten Informationen abrufbar sind. Für das Kreditgeschäft in der Schweiz ist das eine Besonderheit, zeigen doch die grossen Anbieter kein wirkliches Interesse an Transparenz gegenüber ihren Kunden – sie investieren viel zu wenig in die Digitalisierung ihrer Dienstleistungen.

Die Ausfallraten bei Kleinkrediten in der Schweiz sind tief, sie erreichen nicht mal 1%. Sind das auch Raten, die im Peer-to-Peer-Geschäft zu halten sind? Was passiert, wenn die Tiefzinsphase dereinst zu Ende geht?

Die Ausfallraten im Schweizer Kreditgeschäft sind tatsächlich stabil und gut berechenbar. Bei seriöser Kreditprüfung und Begleitung allfällig säumiger Kunden sind die Ausfallraten im Peer-to-Peer Modell nicht anders als im traditionellen Modell. LEND ist der einzige Crowdlender in der Schweiz, der ausschliesslich auf Privatkredite fokussiert. Hier haben wir unsere Stärke, hier können wir den Markt bewegen.

Sie planen also keinen Ausbau ins Firmen-Kreditgeschäft?

Wir fokussieren uns in der derzeitigen Phase auf unser Kerngeschäft– dem Crowdlending für Privatkrediten – weil wir hier noch sehr viel Potential für LEND in der Schweiz sehen. Jedes Jahr werden ca. 4 Milliarden private Kredite gesprochen. Private Leasing und Kreditkarten sind da noch nicht einmal eingerechnet. Aber natürlich reizen uns zusätzliche Kreditbereiche. Wir verfolgen auch in der Produktestrategie das Prinzip von Qualität vor Quantität.

Wie verfahren Sie bei der Kreditprüfung, welche Sicherheiten haben die Anleger?

Eine seriöse Kreditprüfung ist die Grundlage unseres Geschäftsmodells. Darum verbinden wir die Prozesse der besten traditionellen Anbieter mit den Errungenschaften des neuen Millenniums. In enger Zusammenarbeit mit Intrum Justitia können wir unsere Entscheidung kontinuierlich mit zusätzlichen Daten und Erkenntnissen präzisieren und verbessern.

Was waren die Beweggründe für die Kooperation?

Die Anbieterin Intrum Justitia unterstützt die Schweizer Wirtschaft bei über 40 Mio. Kreditentscheiden pro Jahr. Die Substanz dieses Erfahrungsschatzes möchten wir den Kunden von LEND zugänglich machen. Wir sind überzeugt, dass die Qualität der Abwicklung und Prüfung der Kreditanfragen durch die Zusammenarbeit neue Massstäbe für den Schweizer Kreditmarkt setzen wird.

Zahlreiche Start-ups und Jungunternehmen prägen den die Crowdlending-Branche hierzulande. Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung?

Die FinTech-Branche erlebt einen Boom in der Schweiz. Das ist sicherlich gut für den Wirtschaftsplatz Schweiz und unsere Wettbewerbsfähigkeit. Mit jedem Boom geht jedoch auch immer die Gefahr eines Hype einher. Die qualitativ am besten aufgestellten, am seriösesten arbeitenden Unternehmen werden die besten Wachstums- und Überlebenschancen haben. Der konsequente Fokus auf den Kundennutzen wird auch hier das Zünglein an der Waage sein.

„Die Digitalisierung verändert die Kundenansprüche fundamental. Sie wollen transparentere, intuitivere und einfachere Produkte und Dienstleistungen.“

Wie unterscheidet sich LEND von den anderen Anbietern?

Bei LEND arbeiten Branchenexperten – zusammen können wir auf ein enormes Know-how im Bereich Privatkredite zurückgreifen. Hier liegen unsere Stärken, hier sehen wir grosse Opportunitäten. Dank unserem ausgeprägten Kundenfokus können wir Feedback schnell abholen und umsetzen – das schafft Vertrauen und ermöglicht uns, unser Produkt stetig zu verbessern.

Welches sind denn aus Ihrer Sicht die wichtigsten Auswirkungen der Digitalisierung auf die Branche?

Die Digitalisierung verändert die Kundenansprüche fundamental. Sie wollen transparentere, intuitivere und einfachere Produkte und Dienstleistungen. Die Banken und Versicherungen tun sich sehr schwer mit diesen neuen Kundenansprüchen. Neue digitale Anbieter wie LEND können hier erfolgreich in die Lücke springen. Mit unserer Online-Plattform konnten wir schon hie und da einmal ein „Wow“ von unseren Kunden erfahren. Das bereitet grosse Freude.

Wie beurteilen Sie das Entwicklungspotenzial von LEND?

Unsere bisherigen Erfolge und die tollen Reaktionen unserer Kundinnen und Kunden wirken auf das ganze Team von LEND beflügelnd. Richtig aufgestellt und ausgerüstet stehen wir einem grossen Markt gegenüber, den wir in den kommenden Jahren zu Gunsten der Kreditnehmer und Anleger grundlegend verändern werden.

Herr Siemers, wir bedanken uns für das Interview.

Zur Person:
Andy Siemers befasst sich seit mehr als 20 Jahren mit Risikomanagement und Marketing im Markt für Konsumkredite und Kreditkarten, sowohl in den USA als auch in der Schweiz. Beim Marktführer für Konsumkredite Cembra Money Bank (vormals GE Money Bank) war er Geschäftsleitungsmitglied und Chief Marketing Officer mit Verantwortung für alle Produktlinien. Siemers schloss seine Studienzeit mit einem Masters vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA ab.

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