Benedikt Goldkamp, CEO Phoenix Mecano

Benedikt Goldkamp

Benedikt Goldkamp, CEO Phoenix Mecano.

Von Christa W. Spoerle

Moneycab: Herr Goldkamp, Phoenix Mecano hat 2010 mit 501,6 Mio Euro einen Rekordumsatz und mit 44 Mio Euro das beste Nettoresultat aller Zeiten erwirtschaftet. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

Benedikt Goldkamp: Wir verfolgen eine langfristig angelegte Strategie als Nischenanbieter im Bereich industrieller Komponenten. Dabei nutzen wir unseren relativen Grössenvorteil gegenüber unseren Konkurrenten, der es uns ermöglicht, global einzukaufen, zu produzieren und in allen wichtigen globalen Regionen mit eigenen, technisch geschulten Vertriebsmitarbeitern die Produkte an die lokalen Kundenbedürfnisse anzupassen. So verbinden wir tiefe Kosten mit schnellen Reaktionszeiten. Als Gruppe gelingt es uns immer wieder, in Wachstumsmärkten tätige, gut positionierte KMU-Unternehmen zu akquirieren und bei der Erschliessung der globalen Märkte mit den Ressourcen und Kompetenzen unserer weltweit aktiven Industriegruppe zu unterstützen. So erreichen wir nachhaltiges, profitables Wachstum, dass sich in der Entwicklung unserer Resultate niederschlägt.

Mit einer Betriebsgewinnmarge von 10,5% haben Sie ihr Mittelfristziel erreicht, was wollen Sie in Zukunft denn noch besser machen?

Unsere Margenverbesserung ist das Resultat der konsequent umgesetzten Kostensenkungsmassnahmen als Reaktion auf die Krise in 2009, unterstützt von der anziehenden Konjunktur in 2010. Dazu kommen ertragssteigernde Effekte der langfristig angelegten Programme zur Erneuerung unserer Produktsortimente unter den Aspekten des Kundennutzens und der Wertanalyse, die wir auch im laufenden Jahr mit Nachdruck fortsetzen werden.

Aber ist bei einem solchen Glanzergebnis nicht schon eine Enttäuschung für 2011 vorprogrammiert?

Wir erwarten zusätzliches Umsatzwachstum und eine weitere Verbesserung der Margen unter der Voraussetzung einer Fortsetzung der konjunkturellen Erholung in 2011.

«Unsere ertragsstärkste Sparte Gehäusetechnik bedient neben der bereits wiedererstarkten Industrieelektronik auch spätzyklische Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau, deren Erholung erst zum Jahresende 2010 eingesetzt hat.» Benedikt Goldkamp, CEO Phoenix Mecano

Welche der drei Sparten dürfte sich 2011 am dynamischsten entwickeln? Wie werden sich da die Umsatzanteile verändern?

Unsere ertragsstärkste Sparte Gehäusetechnik bedient neben der bereits wiedererstarkten Industrieelektronik auch spätzyklische Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau, deren Erholung erst zum Jahresende 2010 eingesetzt hat und die sich zur Zeit am dynamischsten entwickeln. Für eine Prognose hinsichtlich der Entwicklung der Umsatzanteile einzelner Sparten ist es derzeit aber noch zu früh.

Wie wirken sich die arabischen Unruhen auf den Produktionsstandort Tunesien aus?

Nach anfänglichen Störungen des Betriebsablaufes, die zu Produktionsausfällen von circa ein bis zwei Wochen führten, arbeiten inzwischen alle drei Werke wieder unter Volllast. Wir erwarten daher aus heutiger Sicht keine Auswirkungen der Revolution in Tunesien auf die Jahresrechnung.

Die anfangs 2009 übernommenen Teile von Okin konnten Sie 2010 integrieren, sind denn auch die Renditevorstellungen erreicht worden?

Unser Ziel einer positiven Ebit-Beitrages von Okin und einer Deckung der Kapitalkosten in diesem Bereich bis Ende des Jahrs 2010 konnten erreicht werden. Für die Zukunft erwarten wir weitere Renditeverbesserungen.

Könnten Sie sich denn weitere Akquisitionen vorstellen? In welchen Bereichen?

Wir prüfen permanent interessante Akquisitionsobjekte, die unseren strategischen und Renditeanforderungen entsprechen. Solche Objekte kommen in allen drei Sparten grundsätzlich in Betracht. Allerdings gibt es derzeit keine Projekte in einem fortgeschrittenen Stadium.

Was erwarten Sie von der gewichtigen Beteiligung an der chinesischen Joint-Venture Gesellschaft Okin Refined Electric Technology Co. Ltd. ?

Wir erwarten eine verbesserte vertriebliche Abdeckung der asiatischen Wachstumsmärkte, ein verbessertes Sourcing von Vorprodukten, einen wettbewerbsfähigen Produktionsstandort mit optimierter Logistik zu den asiatischen Kunden und eine Plattform für die Entwicklung lokaler, kostengünstiger Produkte für den asiatischen und den U.S.-amerikanischen Volumenmarkt.

Wie sehen Ihre Investitionspläne für 2011 aus? Wo legen Sie da die Schwerpunkte?

Neben dem Abschluss der Grossinvestition für ein neues Werk für Photovoltaikwechselrichterkomponenten in Ungarn stehen für 2011 keine besonderen Investitionsschwerpunkte an. Wir werden aber unsere langfristig angelegten Programme zur Erneuerung und Modernisierung unserer weltweiten Fertigungsinfrastruktur weiter fortsetzen.

«Die schweizerischen Universitäten bilden im internationalen Vergleich ausgezeichnete Nachwuchskräfte aus.»

Sie stehen jetzt 10 Jahre an der Spitze von Phoenix Mecano und Ihre Familie ist via Planalto mit einem Anteil von 33,7% auch der grösste Aktionär, wie sehen da Ihre Pläne aus?

Zur Zeit sind hinsichtlich unseres seit dem Börsengang 1988 unverändert bestehenden Aktienengagements keine Änderungen geplant. Sofern mir der Verwaltungsrat weiterhin sein Vertrauen ausspricht, möchte ich gerne meine Arbeit in diesem enorm spannenden Unternehmen noch viele Jahre fortsetzen.

Was dürfen die Aktionäre in den kommenden Jahren erwarten?

Unter der Voraussetzung eines entsprechenden Marktumfeldes bieten sich für Phoenix Mecano in den kommenden Jahren noch viele interessante Wachstumsmöglichkeiten, sowohl intern als auch durch gezielte Akquisitionen.

Wie schätzen Sie die Internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Führungsnachwuchses ein?

Die schweizerischen Universitäten bilden im internationalen Vergleich ausgezeichnete Nachwuchskräfte aus. In unserer Branche sind es aber auch oft die Fachhochschulabsolventen, die bei entsprechendem Engagement und Interesse an den vielfältigen internationalen Herausforderungen der Industrie die Führungskräfte von morgen sein können. Selbst eine schweizerische Berufslehre ist einem Bachelor-Abschluss in USA oder Asien oft im Hinblick auf die Eignung zum eigenverantwortlichen Arbeiten überlegen. Allerdings sind, nicht zuletzt durch den starken Franken, die Arbeitskosten in der Schweiz für viele Wertschöpfungsschritte inzwischen im internationalen Vergleich einfach zu hoch.

Wie wichtig ist Diversity für Ihr Unternehmen und welche Massnahmen sind in Ihrem Unternehmen zum Thema geplant oder schon umgesetzt?

Wir sind als Gruppe in 25 Ländern tätig und beschäftigen rund 5’900 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus über 50 Nationen, die in Projektteams die Vorteile einer aus der Vielfalt der Mitarbeitenden schöpfenden, kreativen Arbeit ausspielen. Unser Unternehmen beliefert weltweit rund fünfzigtausend industrielle Kunden, die ihrerseits eine enorme „Diversity“ abbilden. Um das derzeit aktuell in den Medien heiss diskutierte Thema einer Frauenquote in den Führungsetagen kotierter Unternehmen anzusprechen, so sehe ich den wichtigsten Ansatz für Unternehmen der Metall-, Elektro- und Elektronikindustrie, wie zum Beispiel Phoenix Mecano, in der Erhöhung der Quote von Hochschulabsolventinnen in Ingenieursstudiengängen an, aus denen wir letztlich unseren Top-Führungsnachwuchs rekrutieren.

Herzlichen Dank für das Interview.

Der Gesprächspartner:
Benedikt A. Goldkamp, Jahrgang 1969, ist der Sohn des Firmengründers Hermann Goldkamp. Er erwarb neben einem Diplom in Finanzwirtschaft auch einen Master of Business Administration an der amerikanischen Duke University. Seit dem Jahr 2000 ist er Mitglied des Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung der Phoenix Mecano, die er als Delegierter und CEO ab 1. Juli 2001 führt. Zuvor hat er sich seine Sporen als Strategieconsultant bei McKinsey und als Geschäftsführer der gruppeneigenen Produktionsgesellschaft in Ungarn, sowie in verschiedenen Reorganisationsprojekten für Phoenix Mecano verdient.

Das Unternehmen:
Phoenix Mecano ist ein global aufgestelltes Technologieunternehmen in den Bereichen der Gehäusetechnik und industriellen Komponenten, schlank strukturiert und in vielen Märkten führend. Einsatzgebiete der Produkte sind unter anderem Maschinen- und Anlagenbau, Mess- und Regeltechnik, alternative Energien, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrttechnik sowie Wohn- und Pflegebereich. Phoenix ist organisiert in die drei Sparten Gehäusetechnik, ELCOM/EMS und Mechanische Komponenten. Sie beschäftigt weltweit 5‘900 Mitarbeiter und erzielte 2010 einen Umsatz von 502 Mio EUR. Das Unternehmen ist seit 1988 an der SIX Swiss Exchange kotiert.

Symbolbild KF für CEO Interviews



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