Bruno Cathomen, CEO Mikron, im Interview

Bruno Cathomen
Mikron-CEO Bruno Cathomen. (Foto: Mikron)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Cathomen, in Frankreich und Deutschland erholt sich die Industrieproduktion deutlich von der Coronakrise. Spüren Sie das auch?

Bruno Cathomen: Nein, noch nicht. Wir haben erfreulicherweise weiterhin eine konstant gute Auslastung bei Mikron Automation, wo wir in den USA und in der Schweiz auch Anlagen für die Herstellung von Covid19 Tests bauen. Bei Mikron Machining Solutions können wir leider noch nicht von einer Erholung reden, auch wenn die angefragten Servicedienstleistungen und der gestiegene Bedarf an Ersatzteilen erste Anzeichen einer Trendwende geben.

Sie werden in den nächsten Jahren den Plattformgedanken noch einmal verstärkt in Ihre Produktpalette einbauen. Wo besonders?

Eigentlich überall, je nach Geschäft aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten. In der Division Machining werden wir die neu entwickelte Maschinenplattform MultiX weiter optimieren und Schritt für Schritt ergänzen. Servicedienstleistungen werden ständig um neue, vor allem digitale Elemente ergänzt, wie ein neuartiges Tool Monitoring System oder digitale Services, die sich in der Corona Zeit bewährt haben. Bei Mikron Automation erweitern wir unsere bewährte Plattform um die G05 stetig mit neuen Zuführ- und Montagelösungen wo auch künstliche Intelligenz als Technologie erprobt wird.

„Wir haben erfreulicherweise weiterhin eine konstant gute Auslastung bei Mikron Automation, wo wir in den USA und in der Schweiz auch Anlagen für die Herstellung von Covid19 Tests bauen.“
Bruno Cathomen, CEO Mikron

Gerade für seine Maschinen in der Medizintechnik bietet Mikron auch Unterstützung bei der Qualitätskontrolle an. Gibt es da Unterschiede in den Kundenanforderungen für amerikanische, europäische und asiatische Märkte?

In unserem Mission Statement steht, dass wir unseren Kunden helfen die industrielle Produktivität und Qualität zu verbessern. Es gibt Unterschiede bei den Qualitätsansprüchen. Diese sind aber innerhalb unserer Kundenbasis nicht primär länderspezifisch, sondern hängen eher von individuellen Märkten ab. Speziell in der Medizintechnik gelten bei unseren Kunden sehr vergleichbare Qualitätsanforderungen und Normen. Allerdings ist es natürlich so, dass zum Beispiel in Asien auch weniger hochwertige, günstigere und eventuell auch weniger sichere Produkte produziert werden, jedoch nicht auf Mikron-Produktionslinien.

Läuft es in Asien für Mikron komplett rund?

Nein. Asien bleibt für uns, wie für viele unserer Konkurrenten ein sehr anspruchsvoller Markt. Wir sind in der Division Machining stark von Covid19 betroffen und spüren die immer noch tiefe Nachfrage und Verunsicherung in unserem Werk in Agno. Unser Automationsgeschäft, welches wir aus den zwei Standorten Shanghai und Singapur betreiben, hat sich im Jahr 2020 auf einem relativ tiefen Niveau befriedigend entwickelt. Covid19 macht es aber nach wie vor schwer beispielsweise fertige Anlagen in Betrieb zu nehmen.

Wie sehr schmerzt Sie der Verlust, den der bilanzierte Verkauf der Automotive-Standorte Berlin und Kaunas bescherten?

Wir haben uns letztendlich wie kürzlich kommuniziert entschieden, die Standorte nicht zu verkaufen, sondern unter eigener Leitung zu redimensionieren. Wir halten aber weiter daran fest, Mikron Automation auf Pharma- und MedTech zu fokussieren. Die Kosten, die mit dieser Konsolidierung und Konzentration verbunden sind, tun uns sehr weh. Die Massnahmen werden aber helfen, die Division Automation noch profitabler zu machen.

„Asien bleibt für uns, wie für viele unserer Konkurrenten ein sehr anspruchsvoller Markt.“

Nach dem Taucher bei Automotive bringen die Medizintechnik- und Pharmakunden ohnehin schon mehr als die Hälfte Ihres Umsatzes. Nächster Marschhalt zwei Drittel?

Ja, es ist richtig, dass die Verhältnisse sich stark zu Gunsten der Medizintechnik entwickelt haben. Einerseits ist das gewollt, und wir haben in den USA, in Asien aber auch hier in der Schweiz viel getan, um im Pharma-MedTech-Bereich zu wachsen. Momentan bauen wir gerade in Boudry eine neue Montagehalle. Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Markt weiter von für uns positiven Trends profitieren werden. Andererseits ist das Geschäft mit Automobilkunden ungewollt sehr stark zurückgegangen und wird wohl bis auf weiteres wesentlich tiefer bleiben. Speziell für das Segment Machining Solutions wird aber der Automotivmarkt nach wie vor wichtig bleiben. Auch Elektroautos brauchen präzise Metallkomponenten, wenn auch viel weniger.

„Speziell für das Segment Machining Solutions wird der Automotivmarkt nach wie vor wichtig bleiben. Auch Elektroautos brauchen präzise Metallkomponenten.“

Der Konsortialkredit wurde mit den Banken für weitere vier Jahre verlängert, und Ihre Bilanz ist quasi schuldenfrei, da flüssige Mittel und Guthaben so hoch wie die Verbindlichkeiten sind. Wo werden Sie in den nächsten Jahren investieren?

Wir haben diverse Investitionen am Laufen, die uns über die nächsten Jahre beschäftigen und Mikron weiterentwickeln werden. Regional investieren wir aktuell und in den nächsten Jahren vor allem in der Schweiz, nachdem unser letztes grösseres Projekt der Bau unserer Fabrik in Denver war. Ich habe oben den Ausbau in Boudry erwähnt. Auch für Mikron Tool haben wir eine Kapazitätserweiterung am Laufen, die Ende dieses Jahrs fertig erstellt wird und dann Platz für weitere Maschinen und weiteres Wachstum bieten wird. Neben diesen umfangreichen Investitionen in Kapazitätserweiterung und Wachstum investieren wir erhebliche Mittel in den Ersatz von Maschinen, in die Vereinfachung von Prozessen und in moderne und umweltfreundliche Gebäude, Heizung und Klimatechnik. Die Priorität bleibt aber bei Investitionen in Innovation und in die Entwicklung und Optimierung neuer Produkte, auch wenn dies buchhalterisch nur teilweise als Investition ersichtlich ist. Ausserdem braucht es in unserem zyklischen Geschäft flüssige Mittel, um Phasen wie die jetzige durchzustehen und um grosse Kundenprojekte zu realisieren.

Was versprechen Sie sich noch von der Schreibgeräteindustrie?

In diesem Nischengeschäft sind wir mit unserer Multistar-Maschine nach wie vor Weltmarktführer. Wir verkaufen hier in normalen Zeiten rund 20 Maschinen pro Jahr. In China wird ständig versucht, unsere Maschinen zu kopieren. Bisher ist das noch nicht gelungen. Wir beobachten diesen Markt genau und werden alles Mögliche tun, um unsere Spitzenposition hier zu verteidigen. Ich gehe also davon aus, dass dieses Geschäft uns noch über viele Jahre etwa in der aktuellen Grössenordnung und mit den gewohnten Schwankungen erhalten bleibt.

An der Marktenge der Mikron-Aktie hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Wäre da nicht ein wenig mehr Bewegung wünschenswert?

Aus Sicht der Investoren vermutlich schon. Wir sind jedenfalls mit der Entwicklung des Aktienkurses nicht zufrieden. Auf der anderen Seite sind wir froh, zwei treue und unterstützende Ankeraktionäre zu besitzen.

Die Dividende wurde jetzt sogar ganz gestrichen. Für wie lange, denken Sie?

Über die Dividende entscheidet die Generalversammlung auf Antrag des Verwaltungsrates jeweils mit Blick auf das letzte Geschäftsjahr und auf das Marktumfeld. Wie viele andere Firmen hat auch Mikron als Folge der Covid19 – Pandemie Restrukturierungsmassanahmen beschlossen. Parallel dazu wurde beschlossen, auf eine Dividende zu verzichten. Die aktuellen Aussichten sind insgesamt trotzt der sehr guten Auftragsbücher von Mikron Automation sehr unsicher und speziell für das Segment Machining Solutions weiterhin schwierig. Darum verzichte ich hier lieber auf Spekulationen.

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