Markus Boss, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Regiobank Solothurn, im Interview

Markus Boss
Markus Boss, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Regiobank Solothurn. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Boss, die Regiobank Solothurn feiert in diesem Jahr ihr 200jähriges Bestehen. Wie ist sie heute positioniert?

Markus Boss: Wir verstehen uns als klassische Universalbank, die entlang des Jura Südfusses – von Olten bis Biel – tätig ist. Dabei konzentrieren wir uns auf die Kundensegmente Privatkunden, Firmenkunden und Private-Banking. Im Gegensatz zu vielen anderen Regionalbanken sind wir im Firmenkundengeschäft sehr aktiv und erfolgreich; auch die Grösse und Positionierung unseres Private-Bankings kann sich sehen lassen. Wir wollen unsere Kunden mit persönlicher Betreuung und raschem, zuverlässigem Service begeistern.

In den letzten 25 Jahren sind rund die Hälfte der Regionalbanken in der Schweiz verschwunden, im Kanton Solothurn sind nur drei übrig geblieben. Was hat die Regiobank anders – oder besser – gemacht?

Es gibt viele Gründe für das lange Bestehen einer Regionalbank. Wichtig war und ist sicher, dass wir uns zwar den ständigen Veränderungen im Finanzumfeld stellen, dabei aber nie den Blick auf unsere Wurzeln verlieren. Auch wurden wir während der letzten Zeit vor Skandalen und groben Problemen verschont. Zudem präsentieren sich unsere Zahlen seit Jahren sehr solide. Das alles stärkt laufend das Vertrauen unserer Kunden. Dies dürften Gründe dafür sein, dass unser Wachstum seit Jahren stabil, gleichmässig und gesund ist.

Während der Immobilienkrise hatte die Regiobank zudem weniger risikobehaftete Engagements (v.a. weniger davon ausserhalb unseres Geschäftsrayons), als andere vergleichbare Banken. Dank vorausschauendem Handeln und einer soliden Finanzlage konnte die Regiobank damals die Krise überstehen und gestärkt daraus hervor gehen.

„Wichtig war und ist sicher, dass wir uns zwar den ständigen Veränderungen im Finanzumfeld stellen, dabei aber nie den Blick auf unsere Wurzeln verlieren.“
Markus Boss, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Regiobank Solothurn

Wie kann sie sich heute am Markt behaupten, wie unterscheidet sie sich von grösseren Finanzhäusern?

Die Situation, insbesondere an der Zinsenfront, ist zur Zeit sehr anspruchsvoll. Die Regiobank positioniert sich nicht als Preisbrecher und günstigster Anbieter, sondern will vor allem mit der Beratungsqualität und der Kundennähe punkten. Ein wesentlicher Vorteil ist zudem unsere Unabhängigkeit, die es uns erlaubt, den Kunden frei von Verpflichtungen und Zwängen beraten zu können. Unsere Kernaussagen geben unsere Vorteile treffend weiter:

Rasch: Aufgrund unserer überschaubaren Grösse und unserer Flexibilität sowie der Führung und Entscheidungsfindung vor Ort arbeiten wir schnell und verlässlich.
Nah: Dank unserer regionalen Verankerung sind wir an fünf Standorten mit unseren motivierten Mitarbeitenden immer in der Nähe unserer Kunden.
Unabhängig: Wir entscheiden als selbstständige und eigenverantwortliche Bank weitgehend unbeeinflusst und können deshalb transparente Finanzdienstleistungen zu einem fairen Preis anbieten.

Bei Jubiläen wird oft und gerne zurückgeschaut. Wie aber sehen Sie die Zukunft der Regiobank Solothurn?

Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt, die Zahlen sind solide, unsere Mitarbeitenden hervorragend ausgebildet und wir geniessen ein hohes Vertrauen unserer Kundschaft. Zudem wird sich unsere duale Beratung (persönlich und digital) auch in Zukunft auszahlen. Das Regionale, Verlässliche und Überschaubare wird auch in Zukunft für Herr und Frau Schweizer wichtig bleiben. Bei den Fimenkunden zählen unverändert die Kundennähe und die Flexibilität. Ich bin deshalb überzeugt, dass wir dank dieser guten Ausgangslage und Positionierung die Zukunft erfolgreich und im Sinne aller unserer Anspruchsgruppen gestalten werden.

Wie ist das bisherige Geschäftsjahr verlaufen?

Ausgezeichnet. Wir konnten im Jubiläumsjahr überdurchschnittlich viele neue Kundinnen und Kunden gewinnen. Dementsprechend ist das Wachstum in unseren wichtigsten Bilanzpositionen sehr erfreulich. Die Ertragslage ist ebenfalls unverändert gut. Das Kreditportefeuille ist gesund und wir mussten bisher keine neuen Wertberichtigungen für drohende Kreditrisiken bilden. Unser Jubiläumsjahr feierten wir mit vielen verschiedenen Aktionen und Massnahmen. Die Resonanz bei der Kundschaft und der Bevölkerung war durchwegs positiv und wir freuen uns, dass wir von diesem Schwung profitieren können.

„Wir konnten im Jubiläumsjahr überdurchschnittlich viele neue Kundinnen und Kunden gewinnen. Dementsprechend ist das Wachstum in unseren wichtigsten Bilanzpositionen sehr erfreulich.“

Die Hypothekarforderungen haben weiter zugenommen. Wie präsentiert sich der Immobilienmarkt in Ihrer Marktregion?

Wie überall muss man auch bei uns unterscheiden zwischen selbstbewohntem Grundeigentum, Renditeobjekten und Gewerbe. Gesamthaft spüren wir in unserem Marktgebiet keine Blasenbildung oder Überhitzung. Die Liegenschaftspreise haben sich in den letzten Jahren nur moderat erhöht. Bei den selbstbewohnten Liegenschaften ist Angebot und Nachfrage in etwa im Gleichgewicht, hier sehen wir keine Schwierigkeiten. Bei den Renditeobjekten ist die Situation wesentlich anspruchsvoller. Es wird auch in unserem Marktgebiet nach wie vor sehr viel gebaut, der Leerwohnungsbestand steigt und die Mieten sinken tendenziell. Wir beobachten den Markt genau, berechnen den nachhaltigen Verkehrswert seriös und wollen keine übermässigen Risiken eingehen. Bisher stellen wir bei unseren Kunden, u.a. auch deshalb, keine Schwierigkeiten fest.

Im Juni hat die Regiobank Solothurn regioInvest gestartet, eine digitale Vermögensverwaltung für alle. Was bietet das Produkt für Ihre Kunden?

Wir sind stolz, dass wir als erste Bank in Solothurn einen sogenannten „Robo Advisor“ für unsere Kunden lancieren konnten. regioInvest bietet den Kunden aber auch uns verschiedene Vorteile. Es ist eine einfache, automatisierte und kostengünstige Online-Vermögensverwaltung, bei welcher der Kunde jederzeit die Kontrolle über seine Anlagestrategie behält. Kundinnen und Kunden können regioInvest bequem und online eröffnen und in wenigen Minuten ihre persönliche Anlagestrategie definieren. Wir wählen basierend darauf denn die passenden Anlageprodukte aus, um das Optimum herauszuholen. Der Kunde kann verschiedene Anlageklassen wählen und sein Vermögen so breit diversifizieren. Dadurch werden normalerweise höhere Renditen erwirtschaftet.

In welcher Höhe bewegt sich der Mindest-Investitionsbetrag?

Bereits mit einer Einlage ab 3000 Franken ist man dabei! Anschliessend kann das Kapital in Schritten von CHF 100 erhöht werden. Das Kapital wird täglich gemäss den definierten Vorgaben investiert. Zudem erfolgt ein regelmässiges rebalancing.

„Funktionierende digitale Produkte und Abwicklungen lassen sich heute gut in die bestehende Systemlandschaft integrieren.“

Wie kommt das Produkt bei Ihren Kunden an?

Alle Kunden, die regioInvest live gesehen und getestet haben, sind begeistert. Vor allem die Einfachheit, die Übersichtlichkeit, die Flexibilität, der tiefe Mindestbetrag sowie die rasche Verfügbarkeit werden gelobt. Das Produkt eignet sich sowohl für Kunden mit keiner oder wenig Erfahrung im Wertschriftengeschäft als auch für Profis und Private-Banking Kunden.

regioInvest ist jedoch kein Selbstläufer und es braucht – trotz Automation und Einfachheit – Beratung. Die teilweise noch vorhandene Skepsis bezieht sich nicht auf das Produkt und die Funktionsweise, sondern eher auf die aus Sicht vieler Kunden momentan hohen Börsenkurse und die Gefahr einer Korrektur. Dank der Möglichkeit regelmässiger Einzahlungen und v.a. der breiten Diversifikation der Anlagen, erachten wir das Risiko eines deutlichen Kursverlustes im regioInvest allerdings als gering.

Die Digitalisierung stellt auch Regionalbanken vor grosse Herausforderungen. Die Handlungsfelder sind riesig – welche Strategie verfolgt die Regiobank in diesem Bereich?

Wir verfolgen die Strategie als „fast follower“. Um komplett eigene Anwendungen zu entwickeln und aufzubauen, sind wir zu klein. Funktionierende digitale Produkte und Abwicklungen lassen sich heute gut in die bestehende Systemlandschaft integrieren. Nebst der Einführung und Pflege von neuen und sinnvollen Anwendungen für unsere Kunden (z.B. regioInvest, Regiobank App, regioNet etc.) forcieren wir auch die interne Digitalisierung stark. Wir haben nämlich die Auffassung, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit neuen Technologien vertraut sein und ihre Arbeiten möglichst digital erledigen sollten.

Wo sehen Sie die grössten Chancen der Digitalisierung bei Regionalbanken?

Darin, dass wir es damit nicht übertreiben! Digitalisierung ist im Moment ein echter Hype, aber man kann nicht alles digitalisieren. Vor allem bei den Jungen stellen wir teilweise einen Gegentrend fest; sie sind vermehrt wieder analog unterwegs. Die Regionalbanken sind seit Generationen nahe bei den Kunden, und differenzieren sich mit persönlicher Beratung. Dies wollen wir auch in Zukunft so handhaben. Dank der Möglichkeit, digitale Anwendungen einfacher als früher zu übernehmen und auf die eigene Bank zu adaptieren, können wir die digitalen Bedürfnisse der Kundschaft auch in Zukunft rasch und kostengünstig erfüllen – ohne dabei bei allem sofort mitzumachen.

Herr Boss, wir bedanken uns für das Interview.

Regiobank Solothurn

 
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