Christoph von Bergen, CEO Sputnik Engineering AG (SolarMax)

Christoph von Bergen

Christoph von Bergen, CEO Sputnik Engineering AG (SolarMax). (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr von Bergen, Solarworld, Centrotherm, Solon, Solar Millenium bis Solarhybrid, in Deutschland geht ein Solarunternehmen nach dem anderen Pleite. Werden am Ende gar zwei Drittel aller Solarunternehmen in Europa in den nächsten drei Jahren über den Jordan gegangen sein?

Christoph von Bergen: Die Solarbranche ist immer noch jung und vor allem sehr volatil. Nach den florierenden Jahren 2004 bis 2010 tobt nun unter den Solarmodulherstellern ein harter Preiskampf. Das freut zwar den Endkunden, der von sinkenden Systemkosten profitiert, aber die europäischen Hersteller müssen um ihre Rentabilität kämpfen. Einige von ihnen werden Wege finden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Beispiel für eine moderne, integrierte Solarmodulfertigung liefert die Schweizer Firma Meyer Burger. Der gesamte Fertigungsprozess erfolgt dort hochautomatisiert. Das zeigt, dass Standorte in Billiglohnländern nicht unbedingt ein ausschlaggebender Vorteil sind.

Auch in der Schweiz gab es ein prominentes Todesopfer. Die Glarner Solar Industries AG musste ihre hochtrabenden Pläne einer vollständig integrierten Schweizerischen Solarmodulfabrik sang- und klanglos begraben. Was für eine Lektion kann daraus für die Zukunft gezogen werden?

In der Boom-Phase glaubte man an das grosse, unbegrenzte Wachstum der Solarindustrie. Die einzigen limitierenden Faktoren waren Engpässe in der Lieferkette. Viele Businesspläne, die in dieser Zeit verfasst wurden, basierten auf solch optimistischen Einschätzungen und bei den Investoren hiess es nur noch: ,PV ist sexy!‘. Doch in euphorischen Phasen unterschätzt man leicht die Risiken. Wie bereits erwähnt gehört dazu der dramatische Preisverfall bei den Solarmodulen, welcher in keinem Businessplan so vorausgesagt wurde.

Die Politik ist in Deutschland mit ihrem Hüh und Hott bei der Solarstromförderung am Debakel nicht schuldlos. Wie sieht für einen Marktführer wie Sputnik eine vernünftige Politik der Lenkungsabgaben aus?

Das im Jahr 2000 eingeführte deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG war die Initialzündung zum Erfolg der Branche. Dank dieser Förderung war ein Investitionsschutz vorhanden, welcher den Zubau von über 33 GW (das entspricht der Anschlussleistung von mehr als 30 AKWs Grösse Gösgen) in Deutschland ermöglichte, die von privaten Geldgebern finanziert wurden. Damit ist der Erfolg des EEGs offensichtlich.

Die seit Kurzem praktizierten, schnellen Systemänderungen durch die Politik gefährden allerdings den weiteren Zubau massiv. Besonders gravierend sind retroaktive Maßnahmen, wie etwa Abgaben oder Steuern auf bereits installierte Anlagen. Solche Aktionen werden leider aktuell in verschiedenen EU-Ländern durchgeführt.

«Doch in euphorischen Phasen unterschätzt man leicht die Risiken. Wie bereits erwähnt gehört dazu der dramatische Preisverfall bei den Solarmodulen, welcher in keinem Businessplan so vorausgesagt wurde.»
Christoph von Bergen, CEO Sputnik Engineering AG (SolarMax)

Was macht die Schweiz besser als Deutschland? Immerhin hält sich in der Schweiz mit Meyer Burger das grösste Solarunternehmen gerade noch so am Leben.

Die Schweiz hinkt Deutschland in der Verbreitung von Solarstrom noch deutlich hinterher. In Deutschland wird acht Mal mehr Solarstrom pro Einwohner produziert als in der Schweiz. Die Meyer Burger AG ist ein Technologieführer in ihrem Segment und verfügt über eine sehr hohe Exportquote.

Mit ihren Wechselrichtern sind Sie als Marktführer in einer Schlüsselposition. Müssen Sie dort auch bald Angst haben, dass die Chinesen die Marktpreise ähnlich wie bei Solarmodulen drücken?

Es ist bereits heute eine Tatsache, dass unsere chinesischen Wettbewerber über aggressive Preise versuchen, Marktanteile zu gewinnen. Im Vergleich zu den Solarmodulen gibt es dabei aber einige Unterschiede. Bei der Produktion von Solarmodulen sind Skaleneffekte (economies of scale) ein zentrales Kriterium, um bei hohen Produktionskapazitäten die Herstellkosten zu senken. Je mehr Materialien eingekauft und je mehr Module produziert werden, desto günstiger sind diese. Um aber hohe Produktionskapazitäten aufzubauen, sind grosse Investitionssummen nötig.

Sind denn die Fixkosten bei der Herstellung von Wechselrichtern geringer?

Die Elektronikfertigung der Geräte kann zu einem Fremdfertiger ausgelagert werden, ohne dass hohe Investitionen getätigt werden müssen. Neben dem Aspekt der Fertigungskosten spielt auch der Service eine grosse Rolle. Wechselrichter sind das Herzstück einer PV-Anlage, denn sie wandeln den Gleich- in Wechselstrom um und müssen einwandfrei über viele Jahre hinweg funktionieren. Kunden setzen daher einen Top-Service voraus, welcher auch regional gut funktionieren muss. Hinzu kommen die verschiedensten Normen und Netzanschlussrichtlinien, die Wechselrichter erfüllen müssen. Solche Vorschriften sind, vor allem was die Netzseite betrifft, einem starken Wandel unterlegen. Geräte müssen in der Lage sein, sich an neue Vorschriften, beispielsweise über ein einfaches Software-Update, anzupassen.

All diese Punkte sind immens wichtig und teilweise nicht so einfach von chinesischen Herstellern abzudecken. Um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir aber auch mit neuen Produktentwicklungen bei sinkenden Preisen unsere Profitabilität sichern.

«Beim Netzmanagement ist es wünschenswert, dass von Ländern mit viel Erfahrung wie Deutschland gelernt wird.»

Was erwarten Sie in den nächsten Jahren an Durchbrüchen in der Stromtechnologie?

Die Themen Netzmanagement und Stromspeicherung werden wichtige Bestandteile für den Erfolg der Energiewende sein. Wir entwickeln dazu eigene, integrierte Lösungen, damit unsere Produkte helfen, die Solarstromtechnologie weiterzubringen. Beim Netzmanagement ist es wünschenswert, dass von Ländern mit viel Erfahrung wie  Deutschland gelernt wird.

Wo sollte denn in etwa fünf Jahren der Wirkungsgrad bei Solarzellen liegen?

Voraussichtlich etwas besser als heute. Viel mehr würde mich aber interessieren, wo der spezifische Preis in Franken pro Watt eines Solarmodules in fünf Jahren liegen wird. In den vergangenen fünf Jahren ist der Preis um mehr als 80% gesunken! Das hat auch niemand vorausgesagt…

In zehn Jahren hat sich die Zahl Ihrer Mitarbeitenden verzwanzigfacht. Wo rekrutieren Sie das meiste Personal? Aus der Uhrenindustrie?

Unsere Firma benötigt sehr viele Ingenieure. Durch die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule in Biel können wir Junior-Positionen gut besetzen. Seniorpositionen rekrutierten wir in der ganzen Schweiz und wenn nötig international.

Welche Entwicklungsprojekte haben Sie in der Pipeline?

Mit unserem Produktportfolio decken wir das gesamte Segment von der Solaranlage auf dem Einfamilienhaus bis zum grossen Solarkraftwerk ab. Hinzu kommen Datenkommunikationslösungen zur Überwachung der Solaranlagen. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass unsere Produkte einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Solarstromtechnologie leisten. Dazu gehören Verbesserungen der Effizienz, Qualität sowie Wirtschaftlichkeit und wie bereits erwähnt, Lösungen zu den Zukunftsthemen Netzmanagement und Stromspeicher.

«Bei der aktuellen Marktsituation bleibt kein grosser Reingewinn übrig, weil wir in neue Märkte und Produkte investieren.»

Welche nachhaltigen Ziele hat Sputnik betreffend Umsatzmarge und Reingewinnmarge?

Mit optimierten Produktneuheiten und wirkungsvollen Massnahmen zur Senkung unserer Herstellkosten verfolgen wir seit Längerem das Ziel, die Bruttomarge auf einem guten Wert konstant zu halten. Bei der aktuellen Marktsituation bleibt kein grosser Reingewinn übrig, weil wir in neue Märkte und Produkte investieren. Ziel dabei ist der Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit, um auch in der vielversprechenden Zukunft erfolgreich zu bleiben.

Sie erwähnten neulich, dass Chile bezüglich Solarstrom ein toller Standort ist. Wie viel Umsatz machen Sie dort und wie hoch ist generell Ihr Auslandanteil?

Wir haben unsere Niederlassung in Chile erst im März 2013 gegründet und befinden uns dort noch im Aufbau. Daher ist der Umsatzanteil noch gering. Für das kommende Jahr gehen wir aber von einem soliden Umsatz aus. Unser Auslandanteil beträgt 90 Prozent.

Der Jurasüdfuss hingegen gilt ja eher als Schweizer Nebelloch. Dennoch generieren Sie auf Ihrer Fabrikzentrale 200 Megawattstunden Strom pro Jahr. Wo liegt der Trick?

Der Trick liegt in der Wahl der richtigen Wechselrichter und der guten Planung der Solaranlage. Für eine PV-Anlage im Mittelland sind 200.000 kWh pro Jahr ein guter Durchschnittswert und er zeigt auch, dass der Nebel doch nur in ein paar Herbst- oder Wintertagen zuschlägt.

Zur Person:
Christoph von Bergen ist Inhaber und CEO der Sputnik Engineering AG (SolarMax). Er hat Sputnik Engineering 1991, nach dem Studium als Elektro-Ingenieur (HTL), gegründet und führte die Firma vom reinen Wechselrichter-Hersteller zu einem international tätigen Unternehmen. Davor war von Bergen Mitglied im Entwicklungsteam für den ersten netzgekoppelten Photovoltaik-Wechselrichter der Schweiz an der Fachhochschule in Biel (1987–1989).  

Zum Unternehmen:
Sputnik Engineering gehört zu den weltweit führenden Herstellern netzgekoppelter Solarwechselrichter. Unter der Marke SolarMax entwickelt, produziert und vertreibt Sputnik Engineering Wechselrichter für jedes Einsatzgebiet – von Photovoltaiksystemen auf Einfamilienhäusern mit wenigen Kilowatt Leistung bis zu megawattstarken Solarkraftwerken. In einem Dutzend weltweiten Standorten arbeiten zur Zeit 360 Mitarbeitende für das Bieler Unternehmen.

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