Daniel Hirschi, VRP Carlo Gavazzi, im Interview

Daniel Hirschi
Daniel Hirschi, VRP Carlo Gavazzi. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Hirschi, der operative Gewinn EBIT hat sich auf 31 Millionen Franken um 80% erhöht, wobei Energiemanagementsysteme für ein volles Drittel dieses Wachstums verantwortlich sind. Tendenz steigend, nehme ich an?

Daniel Hirschi: Carlo Gavazzi ist generell gut positioniert für weiteres Wachstum. Kontinuierliche Investitionen in R&D und neue Produkte zahlen sich aus. Im Moment profitieren wir von der starken Nachfrage nach Energiemanagement-Lösungen. Wie immer in neuen, sich rasant entwickelnden Märkten kann sich die Situation schnell ändern, sei dies wegen neuer Gesetzgebung, neuen Konkurrenten oder veränderten Kundenbedürfnissen.

Was ist Ihre persönliche Meinung zur Sicherheit der Schweizer Energieversorgung?

Im internationalen Vergleich ist die Schweiz sicher gut aufgestellt. Ob das genügt, kann ich nicht beurteilen. Eine vernünftige Antwort ist wohl erst im nächsten Frühjahr möglich. Der positive Aspekt der momentanen Lage ist, dass die Notwendigkeit von Massnahmen zur Verbesserung der Effizienz und sparsameren Umgang mit Energie deutlich wird.

«Eine vernünftige Antwort zur Schweizer Energiesicherheit ist wohl erst im nächsten Frühjahr möglich.»
Daniel Hirschi, VRP Carlo Gavazzi

Gebäude und Fabriken werden immer effizienter, nicht nur im Energiebereich, sondern auch was die Steuerungssysteme anbelangt. Wo geht da die Reise hin?

Die Digitalisierung und stärkere Vernetzung der Systeme untereinander stehen nach wie vor im Vordergrund. Wir arbeiten in diesen Bereichen mit unseren Kunden kontinuierlich an der Neu- und Weiterentwicklung bestehender Lösungen.

Schalter sind nach Kontrolleinheiten und Sensoren die dritte Produktlinie von Carlo Gavazzi. Ist das eine Art Brot-und-Butter-Business?

Solid State Relais sind bewährte Produkte mit kontinuierlicher Nachfrage, auch wenn diese nicht überdurchschnittlich steigt. Zudem bieten wir Soft Starter an, welche vielerorts für einen sanften Anlauf von Elektromotoren sorgen, sei es in Heizungen, Ventilatoren oder Pumpen. Durch die eingesetzte Mikroprozessor-Technologie können Produktfunktionen leicht an kundenspezifische Bedürfnisse angepasst werden. Dies und andere Erfolgsfaktoren wie Qualität, Effizienz in der Herstellung und ein weltweites Vertriebsnetz geben uns eine starke Marktposition.

«Solid State Relais sind bewährte Produkte mit kontinuierlicher Nachfrage, auch wenn diese nicht überdurchschnittlich steigt.»

Die Bruttogewinnmarge bei Gavazzi liegt bei konstant 53,7 Prozent – ein Zeichen hoher Wertschöpfung?

Die hohe Konstanz in diesem Bereich ist Ausdruck von effizienten Produktionsabläufen und einem hohen Kostenbewusstsein. Die verhältnismässig hohe Wertschöpfung sowie gute Beratungs- und Serviceleistungen ergeben eine Gewinnmarge, welche die nötigen Investitionen in R&D und neue Produkte ermöglicht.

Ihr neues globale ERP-System soll die Lieferkettenfähigkeiten verbessern. Wie macht es das?

Ein modernes ERP System soll einerseits die Planung verbessern, indem die relevanten Informationen zuverlässig und jederzeit auf dem neuesten Stand verfügbar sind. Unser neues ERP ermöglicht gruppenweit einheitliche Reporting-Programme und damit eine bessere Überwachung und Verbesserung der Prozesse, was wiederum zu verbesserter Effizienz führt. Zudem werden sowohl Lieferanten als auch Kunden in das System eingebunden, was den administrativen Aufwand reduziert.

Worauf war der tiefere Betriebsaufwand im letzten Berichtsjahr zurückzuführen?

Durch die unsichere Situation weltweit halten wir Kosten generell wo immer möglich tief. Unsere beträchtlichen Anstrengungen zur Steigerung der Effizienz wirken sich nun positiv aus. Beachtenswert ist, dass der stark gestiegene Umsatz im Wesentlichen von den bestehenden Mitarbeitern mit grossem Einsatz bewältigt wurde. Trotz weiteren Anstrengungen zur Effizienzsteigerung werden sich die Kosten auch wegen der steigenden Inflation wieder normalisieren.

«Trotz weiteren Anstrengungen zur Effizienzsteigerung werden sich die Kosten auch wegen der steigenden Inflation wieder normalisieren.»

Jetzt steht die Eigenkapitalquote bereits längere Zeit bei über zwei Dritteln der Bilanzsumme. Wo wird mehr Geld hinfliessen – in F&E oder M&A?

Gavazzi ist grundsätzlich interessiert, auch über eine Akquisition zu wachsen. Allerdings muss eine solche bei vertretbarem Risiko bessere Chancen und Margen bieten als ein Wachstum aus eigener Kraft. Um weiterhin im Markt bestehen zu können, bleibt deshalb F&E weiter ein Schwerpunkt von Gavazzi.

Was bedeutet der Ukrainekrieg für Ihre Sensor-Produktionsstätte in Litauen?

Bis heute ist der Einfluss auf unsere Produktionsstätte in Litauen der gleiche wie in den anderen Gavazzi-Fabriken. Wir beobachten natürlich trotz eingeschränkten Einflussmöglichkeiten das Geschehen genau.

Überall auf der Welt sind Sie richtig präsent ausser in Afrika. Wird das ändern?

Gavazzi ist in Afrika mit unabhängigen Distributoren präsent, was den Aufwand für den erfolgreichen Vertrieb von Gavazzi Produkten überschaubar hält. Im Moment gibt es keine konkreten Pläne für eine eigene Vertriebsorganisation in Afrika.

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