David Veitch, CEO Basilea, im Interview

David Veitch, CEO Basilea, im Interview
David Veitch, CEO Basilea. (Foto: zvg)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Herr Veitch, Basilea’s Cresemba, ein Arzneimittel gegen Sporenpilze, macht mittlerweile weltweit rund 750 Millionen Dollar Umsatz. Wieviel davon schlägt auf die bottom line von Basilea durch?

Derzeit stammen etwa 90 bis 95 Prozent unseres Umsatzes aus den Cresemba- Verkäufen, was in etwa dessen Anteil am Jahresüberschuss entspricht. Unser Geschäftsmodell, die Vermarktung unserer Produkte an kompetente Partner auszulizenzieren, ermöglicht es uns, über die gesamte Lebensdauer unserer kommerziellen Produkte hinweg zwischen 30 und 40 Prozent der durch unsere Partner erzielten Marktumsätze in unserer Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen. Diese Umsätze sind auf unserer Seite mit sehr geringen Vermarktungskosten verbunden, weshalb unsere Bruttogewinnmarge hoch ist.

Im letzten Geschäftsjahr nahmen die Einnahmen über Lizenzgebühren auf 111,6 Millionen zu, die direkten Produktverkäufe aber leicht auf 50,8 Millionen Franken ab. Wird sich dieses Verhältnis in den nächsten Jahren umdrehen?

Der Rückgang bei den direkten Produktverkäufen ist auf das planmässige und von uns bereits frühzeitig angekündigte Auslaufen einer Liefervereinbarung mit unserem Lizenzpartner Pfizer zurückzuführen. Seit dem Beginn unserer Partnerschaft hatten wir Pfizer mit Cresemba beliefert. Inzwischen produziert Pfizer Cresemba weitgehend selbst, so dass diese margenarmen Produktumsätze zugunsten margenstarker Lizenzeinnahmen und Meilensteinzahlungen wegfallen. Dieser Trend zu hohen Margen wird sich daher auch in Zukunft fortsetzen.

Isavuconazol, der Wirkstoff von Cresemba, wird im Jahr 2027 in den USA und 2028 in Europa vermutlich Generikakonkurrenz bekommen. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Weil Cresemba ein hervorragendes Medikament ist, und weltweit erfolgreiche Umsätze erzielt, erwarten wir, dass Generika auf den Markt kommen werden. Dabei gehen wir und unsere Kommerzialisierungspartner davon aus, dass erste Generika in den USA ab dem vierten Quartal 2027, in Europa aber erst ab der zweiten Jahreshälfte 2028, auf den Markt kommen könnten. Es handelt sich also nicht um einen abrupten Umsatzabfall. Ausserdem erwarten wir in dieser Zeit weiteres Wachstum in anderen Märkten, zum Beispiel in Japan und China.

Wir bereiten uns schon seit Langem darauf vor, sicherzustellen, dass wir unsere Umsätze auch nach dem erwarteten Rückgang bei Cresemba steigern können. Aus diesem Grund haben wir sowohl Fosmanogepix als auch Ceftibuten-Ledaborbactam einlizenziert. Deren Markteinführung ist jeweils für Anfang 2029 bzw. Anfang 2030 geplant. In der Spitze haben diese beiden neuen Produkte zusammen das Potenzial, den aktuellen Umsatz von Basilea zu verdoppeln.

«Fosmanogepix und Ceftibuten-Ledaborbactam haben das Potenzial, den aktuellen Umsatz von Basilea zu verdoppeln.»
David Veitch, CEO Basilea

Und was wird in der Zwischenzeit geschehen?

Zusätzlich zu diesen beiden Produkten in der späten klinischen Entwicklung haben wir im vergangenen Jahr unser kommerzielles Produkt Zevtera in dessen wichtigstem Markt, den USA, eingeführt. Zusammengenommen bilden die Umsätze unserer beiden kommerziellen Produkte und die potenziellen Umsätze unserer Produkte in der späten klinischen Entwicklung eine echte Wachstumsstory für Basilea. Wir sind davon überzeugt, dass wir die Phase nach Ablauf der Exklusivität für Cresemba erfolgreich meistern werden. Davon zeugt unsere «Agenda 2030», die wir im Februar dieses Jahres veröffentlicht haben: Wir erwarten, in den kommenden fünf Jahren weitere 600 Millionen Franken positiven Cashflow aus Cresemba und Zevtera generieren zu können. Das erlaubt uns nicht nur, Fosmanogepix und Ceftibuten-Ledaborbactam auf den Markt zu bringen sowie die frühe Entwicklungs-Pipeline insgesamt voranzubringen, sondern versetzt uns auch in die Lage, weitere vielversprechende Kandidaten einzulizenzieren. Somit sind wir bestens für die Zukunft aufgestellt.

Für das erwähnte Zevtera, ein neues Antibiotikum, das hervorragend gegen resistente Stämme des gefürchteten Staphylococcus aureus wirkt, besitzt Innoviva Specialty Therapeutics in den Vereinigten Staaten Marktexklusivität. Was wird dieser zehnjährige Umsatzbrocken einbringen?

Betrachtet man andere Produkte, die sich mit der resistenten Variante des Staphylococcus aureus befassen, dem sogenannten Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA), repräsentieren die USA circa 90 Prozent des weltweiten Umsatzpotenzials, es handelt sich also eindeutig um den mit Abstand bedeutendsten Markt. Analysten schätzen das US-Umsatzpotenzial in der Spitze auf etwas über 300 Millionen US-Dollar. Die ersten Signale, die wir in dieser frühen Markteinführungsphase von unserem Partner erhalten, sind positiv.

«Analysten schätzen das US-Umsatzpotenzial von Zevtera in der Spitze auf etwas über 300 Millionen US-Dollar.»

Während viele Biotechunternehmen ihr Eigenkapital über die Jahre durch wiederholte Kapitalerhöhungen verdünnen, war dies bei Basilea nur ganz am Anfang der Fall. Dennoch warten die Aktionäre sicherlich auf höhere Kurse, oder?

Als börsennotiertes Unternehmen haben die Anliegen unserer Aktionärinnen und Aktionäre haben sehr hohe Priorität. Im letzten Jahr konnten wir den Aktienkurs um mehr als 30 Prozent steigern. Dieses Jahr verläuft der Kurs bisher eher flach, was aufgrund der Weltlage und der Volatilität der globalen Aktienmärkte nicht gänzlich überraschend ist. Unser Ziel ist es, unseren Unternehmenswert zu steigern, indem wir uns auf den Bereich Antiinfektiva konzentrieren und ein auf dieses Gebiet zugeschnittenes Geschäftsmodell verfolgen.

Wir sind seit ein paar Jahren profitabel, so dass die Frage einer Beteiligung der Aktionärinnen und Aktionäre am Erfolg von Basilea immer relevanter wird. Für das Geschäftsjahr 2025 kam der Verwaltungsrat noch zum Schluss, dass eine Dividende verfrüht wäre, da die Investitionen in die Weiterentwicklung unserer Medikamentenkandidaten Vorrang haben. Zudem ist es wichtig. finanziell flexibel zu bleiben, nicht zuletzt wegen der verbleibenden Wandelanleihe von 76 Millionen Schweizer Franken., die im Juli 2027 fällig wird. Der Verwaltungsrat hat aber klar angekündigt, die Situation hinsichtlich Dividenden oder anderer Möglichkeiten wie z.B. eines Aktienrückkaufs neu zu bewerten, sobald mehr Klarheit über die Ergebnisse der laufenden späten klinischen Studien sowie hinsichtlich der Kapitalstruktur nach 2027 besteht.

Bereits im Jahr 2023 erwarb Basilea die Rechte an dem Antipilzmittel Fosmanogepix von Pfizer. Es befindet sich in Phase 3. Wird es zur geplanten Marktreife 2029 neben der intravenösen auch in einer oralen Formulierung herauskommen?

Ja, Fosmanogepix wird sowohl als intravenöse als auch als orale Darreichungsform entwickelt. Wir haben anhand von Cresemba, das sowohl als intravenöse als auch als orale Darreichungsform erhältlich ist, gezeigt, dass es in diesem Therapiebereich von Vorteil ist, beide Darreichungsformen anzubieten. Oft beginnen Patientinnen und Patienten die Behandlung mit einer intravenösen Darreichungsform und wechseln anschliessend auf die orale Behandlung mit demselben Präparat. Die meisten anderen Antimykotika sind nicht in beiden Darreichungsformen erhältlich.

Für die Zukunft will Basilea auch auf KI-gestützte gestütztes Design antibakterieller und antimykotischer Wirkstoffe zurückgreifen. Das verwundert nicht. Aber braucht es dazu spezielle Programme statt Gemini oder Chat-GPT?

Im Dezember letzten Jahres haben wir eine Partnerschaft mit dem in den USA ansässigen Unternehmen Phare Bio bekanntgegeben, das künstliche Intelligenz zur Entdeckung und Entwicklung von Antibiotika einsetzt. Im Rahmen der Partnerschaft wird Phare Bio seine eigene Generative KI-Plattform einsetzen, um Moleküle mit ausgewählten antibakteriellen Eigenschaften zu identifizieren. Wir haben den Eindruck, Phare Bio verfolgt einen völlig neuen Ansatz: Die weltweit erste generative KI-Plattform zur Entdeckung, zum Design und zur Entwicklung von neuartigen Antibiotika. Basilea ist daher gut aufgestellt, die Chancen, die der Einsatz von KI bietet, zur Beschleunigung der Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Infektionen zu nutzen.

«Im Dezember letzten Jahres haben wir eine Partnerschaft mit dem in den USA ansässigen Unternehmen Phare Bio bekanntgegeben, das künstliche Intelligenz zur Entdeckung und Entwicklung von Antibiotika einsetzt.»

Mit Ceftibuten-Ledaborbactam haben Sie ein sehr spezifisches Medikament in der klinischen Pipeline, für schwer zu behandelnde Infektionen durch gramnegative Bakterien. Welches Umsatzpotential sehen Sie, wenn die orale Form in ein paar Jahren auf den Markt kommt?

Ceftibuten-Ledaborbactam ist ein Produkt zur Behandlung von komplizierten Harnwegsinfektionen. Dafür gibt es, wenn es sich um resistente Erreger handelt, bisher nur Medikamente, die intravenös, und damit hauptsächlich im Spital, verabreicht werden. Orale Antibiotika wie Ceftibuten-Ledaborbactam wären deutlich einfacher in der Anwendung und kostengünstiger, da sie den Aufenthalt im Spital verkürzen oder sogar ganz vermeiden können. Anfang 2027 wollen wir mit dem Phase-3-Programm beginnen. Wenn die klinische Entwicklung erfolgreich ist, erwarten wir für Ceftibuten-ledaborbactam ein Spitzenumsatzspotenzial von etwa USD 500 Millionen.

Der Verschuldungsgrad von Basilea hat in den letzten drei Jahren um zwei Drittel abgenommen. Bleibt es dabei?

Wir haben unsere Verschuldung seit 2022 um rund 145 Millionen Schweizer Franken reduziert, und dank unseres positiven Cashflows haben wir derzeit auch nicht vor, neue Schulden aufzubauen. Anfang 2026 verblieben noch 76 Millionen Schweizer Franken aus einer 2027 fälligen Wandelanleihe. Mit einer Netto-Liquidität von 87 Millionen Schweizer Franken zum Jahresende 2025 und einem steigenden Cashflow, können wir damit gut umgehen.

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