Dominic Millioud, CEO EAT.ch, im Interview

Dominic Millioud
Dominic Millioud, CEO EAT.ch. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Millioud, im Januar hat EAT.ch erstmals über eine halbe Million Bestellungen vermittelt. Seit 2017 hat sich die Bestellmenge verdoppelt. Worauf führen Sie das starke Wachstum zurück?

Dominic Millioud: Das Wachstum führe ich auf ein verändertes Konsumverhalten und auf die Digitalisierung der Food-Branche zurück.

Wie haben sich seit der Gründung von Eat.ch im Jahre 2007 die Kundenbedürfnisse verändert?

Während vor gut 12 Jahren hauptsächlich Pizza und Kebab ausgeliefert wurden, zählen wir bei EAT.ch 50 verschiedene Küchentypen. Vor allem orientalische und asiatische Gerichte wie auch das Segment “Healthy Food” mit Bowls und Salaten wachsen schnell. Die Ernährungsweisen und die damit verbundenen Bedürfnisse werden immer individueller und wir möchten diesen gerecht werden. Wir arbeiten kontinuierlich daran, das Kundenerlebnis zu verbessern. Seit einiger Zeit haben wir personalisierte machine learning-Algorithmen, die persönliche Bestell-Empfehlungen abgeben, im Einsatz.

Welche Zielgruppen lassen sich ihre Mahlzeiten am häufigsten liefern?

Unsere Bestellungen werden von jeder Alters- und Einkommensklasse sowie von Singles bis Familien getätigt, die sich etwas gönnen möchten. Was man aber sicherlich sagen kann: Die Millennials bestellen dreimal so oft wie ihre Eltern.

«Vor allem orientalische und asiatische Gerichte wie auch das Segment “Healthy Food” mit Bowls und Salaten wachsen schnell.»
Dominic Millioud, CEO EAT.ch

Wie viele Bestellungen erfolgen mittlerweile über die Mobile App?

Etwas über 80% der Bestellungen werden über mobile Geräte getätigt. So oder so arbeiten wir kontinuerlich an der Verbesserung der Customer Experience, unabhängig vom Endgerät.

Die Lieferzeit ist ein entscheidender Faktor. Wo sehen Sie weitere Möglichkeiten, um Bestellungen in Zukunft noch effizienter und schneller abwickeln zu können?

Wir arbeiten daran, den gesamten Prozess immer transparenter zu gestalten. Bei gewissen Partner-Restaurants kann man schon jetzt die Lieferung live verfolgen. Wenn wir die Küche, den Kurier und den Kunden transparent miteinander verknüpfen können, erhöht sich nicht nur die Effizienz und Geschwindigkeit, sondern es verringert auch die Fehlerquote.

Gibt es ein zeitliches Limit für die Lieferzeit?

Die meisten Lieferungen erfolgen zwischen 20 und 45 Minuten ab dem Zeitpunkt der getätigten Bestellung. Dauert die Lieferung länger als 45 Minuten, ist der Kunde nicht mehr happy.

Mit Click & Collect können Kunden ihr Essen zum gewünschten Zeitpunkt selber im Restaurant abholen. Wie oft wird von dieser Lösung Gebrauch gemacht?

Mit Click&Collect möchten wir die Möglichkeit geben, Wartezeiten in Take Away-Restaurants zu umgehen oder sein Essen vorzubestellen und auf dem Heimweg abzuholen und damit wertvolle Zeit im Alltag zu sparen. Wir sind damit gut gestartet, aber noch am Anfang, da die Lösung im August 2019 lanciert wurde.

Wie viel geben die Kunden durchschnittlich bei einer Bestellung aus?

Leider können wir darüber keine Auskunft geben, da wir Zahlen in dieser Art nicht kommunizieren.

Dann lassen Sie mich so fragen: Welcher Anteil bleibt beim Restaurant, wie viel erhält EAT.ch?

EAT.ch führt zwei Geschäftsmodelle: entweder liefert das Restaurant selber mit eigenen Kurieren aus oder die Lieferungen erfolgen über Kurierfirmen, mit denen wir aktuell in sieben Schweizer Städten zusammenarbeiten. Je nach Modell variiert dies zwischen einem niedrigen zweistelligen Bereich bis zu rund einem Drittel.

Sie sagen, dass Gastronomiebetriebe, die ihr Essen ausliefern, ihren Umsatz um bis zu 25% steigern können. Welche Bedingungen müssen hierzu erfüllt sein?

Viele Betriebe kämpfen um Gäste und Profitabilität. Liefern diese zusätzlich Essen aus, ist das Personal beschäftigt und die Ware wird verarbeitet. Fixkosten wie Miete bleiben, der zusätzliche Umsatz hingegen steigt. Gute Bedingungen sind, wenn der Betrieb am Wochenende inklusive Sonntag geöffnet hat, das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt, eine gute Qualität liefert, Kapazität in der Küche vorhanden ist und das Restaurant einen guten Kundenservice bietet.

«Das Geschäft mit Essenslieferungen wächst, weil diese Art von Verpflegung ein Bedürfnis der Gesellschaft ist. «

Sie haben die Anzahl der angeschlossenen Restaurants in den letzten 20 Monaten um 700 auf 2600 vergrössern können. Welche Bedingungen müssen Ihre Partner erfüllen?

Sie müssen ein ordentlich angemeldeter Betrieb sein und die damit verbundenen gesetzlichen Auflagen erfüllen. Ebenso gibt es einen Partner-Vertrag mit uns.

Befinden sich diese nicht auch in einer «Vogel friss oder stirb»-Situation? Engagieren sie sich zu stark, wird das eigene Geschäft unprofitabel, halten sie sich zurück, verlieren sie Anteile, an diejenigen, die ausliefern.

Das Geschäft mit Essenslieferungen wächst, weil diese Art von Verpflegung ein Bedürfnis der Gesellschaft ist. In diversen Branchen finden bekanntlich Veränderungen statt, auf die zu reagieren sind. So auch in der Gastronomie. Wir arbeiten mit Partner-Restaurants zusammen, die im Lokal ausgebucht sind und gleichzeitig ausliefern. Es ist eine Win Win-Situation: Betreibt ein Restaurant einen Delivery-Service, kann dies auch als Akquise oder Werbung für potenzielle Gäste agieren. Umgekehrt bestellt man auch gerne in einem Restaurant, das man schon einmal besucht und positiv in Erinnerung hat.

Begonnen hat EAT.ch 2007 als kleines Startup, 2011 erfolgte ein Joint Venture mit der britischen Just Eat Gruppe, die EAT.ch 2015 vollständig übernahm. Was hat sich seither verändert?

Unser Schweizer Team arbeitet eng mit unserem Mutterkonzern zusammen. Wir bleiben aber ein in der Schweiz gegründetes Unternehmen mit einer stark lokal verankerten Marke.

Just Eat seinerseits wird nach einem langen Übernahmekampf nun von Takeaway.com übernommen. Welche Veränderungen könnten sich daraus für EAT.ch ergeben?

Es handelt sich hier um einen Merger. Aktuell können wir dazu noch keine Auskunft geben.

«Das Food Delivery-Business ist ein schnell wachsender und umkämpfter Markt und das weltweit.»

Experten sind sich einig, dass diese Übernahme erst der Anfang ist. Die Konsolidierung dürfte weitergehen. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung im Food-Delivery-Markt?

Das Food Delivery-Business ist ein schnell wachsender und umkämpfter Markt und das weltweit. Weitere Konsolidierung ist sicher zu erwarten. Entweder um Marktanteile gegenüber Mitbewerbern zu gewinnen oder sich geographisch zu erweitern.

Letzte Frage: Die Pizza, Sushi, der gute alte Burger oder doch eher orientalisch. Was wird über EAT.ch am häufigsten bestellt?

Die Pizza ist und bleibt die Nummer 1. Unter den Top 10 der am meisten bestellten Gerichte kommt diese gleich fünf mal vor: Auf Platz 1 ist die Pizza Margherita, gefolgt von der Pizza Prosciutto und der Pizza Hawaii. Auf Platz 5 findet sich die Pizza Prosciutto e Funghi, auf Platz 8 liegt die Wunschpizza und auf Platz 10 die Pizza Kebab. Dafür bestellt die französischsprachige Schweiz doppelt so viel Sushi wie die Deutschschweizer, der Burger ist ist überall beliebt, wird aber im Verhältnis zur Bevölkerung in der Innerschweiz am meisten bestellt.

Herr Millioud, wir bedanken uns für das Interview.

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