Esther Denzler, CEO der WWZ, im Interview

Esther Denzler, CEO der WWZ, im Interview
Esther Denzler, CEO WWZ. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Frau Denzler, Nachhaltigkeit spielt eine grosse Rolle. Was sind jetzt im Lichte des Ukrainekriegs die Herausforderungen bei WWZ?

Esther Denzler: Um die Versorgung der Bevölkerung mit Energie auch in Zukunft sicherzustellen, setzten wir vermehrt auf nachhaltige Energielösungen. Diese basieren auf erneuerbaren Energien. WWZ hat dazu eine Reihe von Projekten lanciert. Beispiele sind der Wärmeverbund Ennetsee und der Energieverbund Circulago. Beide Projekte sind ein wichtiger Baustein der regionalen Energiezukunft. Im Endausbau wird der Wärmeverbund Ennetsee rund 12’000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Zum Vergleich: Die Einsparung des Energieverbunds Circulago wird im Endausbau 25’000 CO2 jährlich betragen. Darüber hinaus bieten wir Biogas zum Heizen an und unterstützen unsere Kundinnen und Kunden mit einem attraktiven Rückliefertarif und interessanten Servicemodellen bei der betriebswirtschaftlichen Umsetzung von Photovoltaik-Anlagen.

Der Wärmeverbund Ennetsee gespeist aus Abwärme der Kehrrichtverbrennungsanlage im nahen Perlen ging gerade in die Bauphase. Wie viele Haushalte sollen 2024 angeschlossen sein?

Im Rahmen des Projekts «Wärmeverbund Ennetsee» transportiert WWZ in einem ersten Schritt Wärme nach Rotkreuz; später werden Teile von Hünenberg-See und Bösch, Cham sowie eine Auskopplung in den geplanten Holzwärmeverbund Steinhausen folgen. Die Planung sieht vor, rund 360 Anlagen anzuschliessen, wobei die Anlagen mehrere Haushalte versorgen können.

«Im Endausbau wird der Wärmeverbund Ennetsee rund 12’000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.»
Esther Denzler, CEO der WWZ

Braucht es ab 2025 überhaupt noch Gasheizungen?

Der Trend zur Dekarbonisierung ist unübersehbar und unumkehrbar. Erneuerbare Energien geraten verstärkt in den Blick, fossile Brennstoffe verlieren an Bedeutung. Im Bereich Komfortwärme kommen vermehrt alternative Konzepte, etwa Wärme- und Energieverbünde, zum Tragen. Als Stützheizungen bei Fernwärmeverbünden und in der Bereitstellung von Prozessenergie für die Industrie wird Gas aber für eine gewisse Zeit noch relevant bleiben. Wobei auch hier die Tendenz hin zu erneuerbaren Energien geht. Gasheizungen haben eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Somit gibt es auch 2025 noch Gasheizungen. Wichtig ist jedoch der Betrieb mit Biogas, also mit erneuerbarer Energie.

Ökogas ist bei Ihnen kaum teurer als Erdgas, Biogas aber etwa um 50 Prozent. Wann kann das ändern?

WWZ Biogas stammt ausschliesslich aus zertifizierten Produktionen im In- und Ausland. Der Preis von Biogas unterliegt wie der aller Energieträger den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Durch eine Verknappung des Erdgasangebots, wie wir es in den vergangenen Monaten erlebt haben, steigt die Nachfrage nach Biogas – und damit der Preis, da die Produktionsmenge nicht beliebig gesteigert wer-den kann. Zu Preissenkungen bei Biogas kann es nur kommen, wenn die Nachfrage geringer ist als das Angebot. Eine solche Entwicklung ist derzeit unserer Einschätzung nach nicht sehr wahrscheinlich.

«Durch eine Verknappung des Erdgasangebots, wie wir es in den vergangenen Monaten erlebt haben, steigt die Nachfrage nach Biogas – und damit der Preis, da die Produktionsmenge nicht beliebig gesteigert werden kann.»

Welche Lehren konnte WWZ von der bakteriellen Verunreinigung Ende September 2022 im Trinkwasser der Altstadt von Zug ziehen?

Wir haben von Anfang an anhand der Rückmeldungen gesehen, dass unsere schnelle, umfassende und regelmässige Kommunikation sehr geschätzt wurde. Dieser Eindruck hat sich mit der Zeit noch weiter verstärkt. Durch eine offene und gute Kommunikation entsteht eine Menge Goodwill. Das gilt für die unmittelbar Betroffenen genauso wie für die Öffentlichkeit und die Behörden. Die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten hat sich bewährt, intern wie extern. In kurzer Zeit ist ein Teamgeist entstanden, der die schnelle und sichere Problemlösung deutlich spürbar unterstützt hat.

Automatische Sensorensysteme helfen mittlerweile sehr gut Strom zu sparen. Das gilt insbesondere für die Strassenbeleuchtung. Wieviel Strom kann im Einzugsgebiet bei Bedarf eingespart werden?

Die öffentliche Beleuchtung macht rund fünf Promille vom Gesamtstromverbrauch in unserem Versorgungsgebiet aus. Der Wert hat sich in unserem Versorgungsgebiet in den letzten zehn Jahren um rund 40 Prozent reduziert. Sie benötigt somit wenig Strom, gerade im Vergleich zum Stromverbrauch beispielsweise der Industrie und den Dienstleistungen. Wir haben im öffentlichen Bereich eine Lichtintensität, die rund 20-mal tiefer ist als im Wohnraum. Dennoch lassen wir nicht locker, wenn es darum geht, weitere Stromeinsparungen zu realisieren.

Und wie läuft das technisch ab?

WWZ hat Lichtsensoren, also Fotozellen, an einigen Orten im Netz platziert, welche die Lichtintensität in der Abend- und Morgendämmerung messen. Sie senden Signale an unsere Rundsteueranlage, welche das Beleuchtungsnetz ein- oder ausschaltet. So werden alle Leuchten gleichzeitig geschaltet. Die Rundsteuerung dimmt zu bestimmten Zeiten das Licht. Schon seit über zehn Jahren haben wir ein Dimm-Szenario, welches berücksichtigt, dass die Einwohnerinnen und Einwohner während der Woche weniger in den Ausgang gehen und damit bereits früher in der Nacht gedimmt werden kann. Am Freitag und Samstag setzt die Dimmung später ein als während der Woche. Die Lichtreduktion und die Energieeinsparung betragen rund 30 Prozent.

«Schon seit über zehn Jahren haben wir ein Dimm-Szenario, welches berücksichtigt, dass die Einwohnerinnen und Einwohner während der Woche weniger in den Ausgang gehen und damit bereits früher in der Nacht gedimmt werden kann.»

Bei Telekommunikationsangeboten für Familien sind Kombipakete bei allen Providern der grosse Renner. Welche Wachstumsraten hat es da im Moment?

WWZ registriert die Nachfrage nach Familienlösungen im Bereich Telekommunikation schon seit Längerem. Daher haben wir unser Produkt WWZ Family erfolgreich lanciert. Es umfasst Internet, TV, Festnetz und unbegrenzt viele Mobile-Abos für die ganze Familie, das alles zu einem sehr attraktiven Preis. Die einzelnen Komponenten sind individuell anpassbar. Damit stellen wir Familien ein Telekommunikations-Paket zur Verfügung, das sehr flexibel ist und alle Anforderungen abdeckt. Was die Nachfrage angeht: Sie bewegt sich auf einem konstanten Niveau. Eine generell erhöhte Nachfrage können wir im Moment nicht feststellen, wobei unsere Marketingkampagnen punktuell zu einer erhöhten Resonanz führen.

Mit rund 150’000 Kunden versorgt WWZ weit über den Kanton Zug hinaus mit Energie. Könnten neben den Aargau, Zürich und Luzern noch einmal andere Kantone hinzukommen?

WWZ ist in diversen Bereichen längst in benachbarten Kantonen präsent. So sind wir im Bereich Telekommunikation seit über 20 Jahren interkantonal unterwegs – nebst dem Kanton Zug beispielsweise in den Kantonen Zürich (bis Affoltern am Albis), Schwyz, Aargau, Bern, Luzern, und mit unserer Tochtergesellschaft, der Sasag Kabelkommunikation AG, auch in den Kantonen Schaffhausen und Thurgau. Sollten sich diesbezüglich weitere Opportunitäten ergeben, ist eine weitere Expansion nicht ausgeschlossen.

Im Bereich der Fernwärme- und Fernkälte sowie Energiecontracting sind wir ebenfalls über die Kantonsgrenzen hinaus aktiv, auch wenn wir uns hierbei in erster Linie auf die regionale Versorgung konzentrieren. Dennoch wird die WWZ AG immer wieder von anderen Kantonen angefragt.

In der Gasversorgung und Stromversorgung sind wir in einzelnen Gemeinden des Kantons Luzern aktiv. Ebenso in der Wasserversorgung. So ist die WWZ seit 2001 beispielsweise für die Wasserversorgung der Gemeinde Hochdorf verantwortlich. Grundsätzlich halten wir fest: Weitere Expansionen sind auch künftig nicht ausgeschlossen.

Was bringen Ihnen die Beteiligungen in Deutschland?

Wir sind an zwei Gesellschaften beteiligt, der unter anderem Windparks in Deutschland gehören. In beiden Fällen kann die erzeugte Energie derzeit noch nicht in die Schweiz importiert werden. Es handelt sich damit de facto um Finanzbeteiligungen, die sich nicht unmittelbar auf das operative Geschäft auswirken.

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