Fabian Cancellara, Stiftungsratspräsident Laureus Stiftung Schweiz, im Interview

Fabian Cancellara
Fabian Cancellara, Stiftungsratspräsident der Laureus Stiftung Schweiz. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Cancellara, Sie sind seit 1. Juni Stiftungsratspräsident der Laureus Stiftung Schweiz. Warum haben Sie dieses Amt angenommen?

Fabian Cancellara: Das hat verschiedene Gründe. Ich bin schon lange bei Laureus dabei, war zuvor vier Jahre Mitglied des Stiftungsrates, viele Jahre Botschafter, in viele Programme eingebunden und konnte etwas bewegen. Ich habe mir vor der Zusage viele Gedanken gemacht und musste abschätzen, wie viel Zeit und Arbeiten ich investieren kann. Und ich habe auch viel mit unserem Geschäftsführer Martin Wittwer darüber diskutiert, wie wir mit der Stiftung noch mehr Kinder abholen und in unsere Programme einbinden können. Letztlich waren es dann wohl die vielen grossartigen Momente mit den Kindern, die ich in all den Jahren erleben durfte, die mich dazu bewogen haben, das Amt anzunehmen.

Welches sind Ihre wichtigsten Aufgaben und welche Ziele haben Sie sich für Ihre fünfjährige Amtszeit gesetzt?

Ich möchte wieder mehr am Fundament von Sports for Good arbeiten, die Menschen direkt abholen und zum Beispiel das wichtige Thema Bewegungsförderung von Kindern in der Gesellschaft verankern. Auch will ich die Athleten noch mehr und teilweise auch anders in die Programme einbinden. Ich bin froh, wenn ich als Stiftungspräsident und durch mein Naturell einen neuen «drive» einbringen kann, aber erreichen können wir nur etwas als Team, vom Stiftungsrat über die Botschafter und Partner bis hin zu Sponsoren, Gönnern und Freunden.

«Ich möchte wieder mehr am Fundament von Sports for Good arbeiten, die Menschen direkt abholen und zum Beispiel das wichtige Thema Bewegungsförderung von Kindern in der Gesellschaft verankern.»
Fabian Cancellara, Stiftungsratspräsident Laureus Stiftung Schweiz

Die Laureus Stiftung will mit Hilfe des Sports Kindern und Jugendlichen ein positives und selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Was steht dabei im Vordergrund?

Wir wollen über den Sport und seine Werte – beispielsweise Fairplay, Geduld oder Chancengleichheit – gezielt die Integration und Persönlichkeitsbildung von Kindern und Jugendlichen fördern, ebenso deren physische und psychische Gesundheit. Laureus fördert junge, unterstützungsbedürftige Menschen, und dies unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion, sozialer Schicht oder gesundheitlichen Einschränkungen. Vielleicht noch eine Zahl dazu: Im vergangenen Jahr haben – trotz Corona – über 11’000 Kinder an von uns geförderten sozialen Sportprogrammen teilgenommen.

Soziale Sportprogrammejekte sind ein weites Feld. Welche Themenschwerpunkte verfolgt die Stiftung?

Wir orientieren uns an den nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO. Dabei investieren, fördern und entwickeln wir soziale Sportprogramme in den Schwerpunktbereichen Gesundheitsförderung, Mädchenförderung und Integrationsförderung.

Wir gehen diese Themen von unterschiedlichen Seiten an. Beispielsweise bei der Bewegungsförderung: Es geht nicht nur darum, dass sich die Kinder in den von uns geförderten Programmen mehr bewegen. Es geht darum, welche Kinder das sind. Kommen sie aus sozial schwachen Verhältnissen? Sind sie krank oder haben sie eine körperliche Einschränkung? Oder werden sie einfach nicht gefördert – und wenn ja, warum nicht? An diesen Punkten setzen wir an, mit dem Ziel der Chancengleichheit für alle Kinder.

«Es geht nicht nur darum, dass sich die Kinder in den von uns geförderten Programmen mehr bewegen. Es geht darum, welche Kinder das sind.»

Welche Rolle hat Sport in Ihrer Kindheit gespielt, noch bevor Sie ganz auf die Karte Radrennfahrer gesetzt haben?

Ich habe natürlich Fussball gespielt, war mit meinen Kollegen vor allem aber auch einfach viel in der Natur und an der frischen Luft. Wir haben Kameradschaft gepflegt und erleben dürfen, wie Sport und Bewegung Perspektiven aufzeigen und wie viel man fürs Leben dazulernen kann.

Wie kann man sich die Entstehung neuer Programme vorstellen. Werden sie an die Stiftung herangetragen oder entwickelt sie diese selbst?

Laureus ist eine Förderstiftung, verfolgt also mit dem Stiftungsvermögen und den von der Stiftung generierten Einnahmen Förderaktivitäten. Um eigene Programme zu entwickeln, fehlen uns die Ressourcen. Unsere Kernkompetenz liegt in der Beurteilung, der inhaltlichen und finanziellen Förderung und Weiterentwicklung von Programmen, die an uns herangetragen werden.

Und wer beurteilt die Programme?

Diese Aufgabe übernimmt unser Fachbeirat, der aus kompetenten Vertreterinnen und Vertretern aus dem Sportumfeld, der Jugendarbeit und den Hochschulen besteht.

Die Laureus Stiftung Schweiz wurde 2006 als Teil der internationalen Stiftung Laureus Sport for Good gegründet. Wie ist sie international in die Organisation eingebettet?

Wir sind eines der Länder mit einer eigenen Organisation und einer eigenen Stiftung, wie auch zum Beispiel Italien, Österreich, Deutschland oder die USA. Wir sind im internationalen Netzwerk sicher eine wichtige Laureus-Stiftung.

Täuscht der Eindruck, dass einem breiten Publikum die Namen der berühmten Laureus-Botschafter- und Stiftungsräte sowie Glanz und Glamour der Charity Night bekannter sind als die Programme der Stiftung?

Es gab sicher Jahre, in denen der Glamourfaktor im Vordergrund stand. Das ist in Anbetracht der vielen bekannten Botschafterinnen und Botschafter der medial interessanten Charity Night verständlich und bis zu einem gewissen Punkt gewollt. Denn die Charity Night ist wichtig für uns, alle Partner und das ganze Team – natürlich auch finanziell. Damit wir mehr Kinder unterstützen können, benötigen wir diese Einnahmen. Aber wie bereits erwähnt, wollen wir auch wieder stärker an der Basis arbeiten, unsere Programme der Gesellschaft näherbringen und noch mehr Kinder erreichen.

«Die Charity Night ist wichtig für uns, alle Partner und das ganze Team – natürlich auch finanziell. Damit wir mehr Kinder unterstützen können, benötigen wir diese Einnahmen.»

Apropos Charity Night: Nach der Corona-bedingten Absage im vergangenen Jahr fiebern Sie bestimmt der nächsten Ausgabe am 13. November entgegen…

Wenn Sie damit auch Lampenfieber meinen, dann sicher (lacht). Ich bin schon etwas nervös, als Stiftungspräsident an so viele Gäste das Wort zu richten. Aber auch hier kann ich mich darauf verlassen, was ich im Sport gelernt habe, nämlich dass dieser eine Lebensschule ist und wir das im Team schon packen.

Letzte Frage: Als ehemaliger Radprofi, zweimaliger Olympiasieger und vierfacher Weltmeister sind Sie ein berühmtes Aushängeschild der Stiftung. Welche Rolle spielt der aktive Sport fünf Jahre nach Ihrem Rücktritt noch?

Das Radfahren macht mir immer noch unheimlich viel Spass, entsprechend bin ich – wenn es die Zeit erlaubt – auch weiterhin auf dem Velo unterwegs.

Herr Cancellara, besten Dank für das Interview.

Laureus Stiftung Schweiz
Fabian Cancellara

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.