Fabrice Billard, CEO Burckhardt Compression, im Interview

Fabrice Billard
Fabrice Billard, CEO Burckhardt Compression. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Billard, der Bestelleingang machte im letzten Geschäftsjahr ja einen Riesensprung. Wie konnte es im Detail soweit kommen?

Fabrice Billard: Der Bestelleingang war von drei Entwicklungen geprägt. Zum einen ist dies der starke Produktionsanstieg von Solarpanels in China, was die Nachfrage nach Kompressoren für Low Density Polyethylen (LDPE), Ethylen-Vinyl-Acetat (EVA) und Polysilikon-Produktionsanlagen stimulierte. Zum anderen stieg die Nachfrage nach Wasserstoff-Tankstellen in Europa und den USA sowie Anlagen zur Verflüssigung von Wasserstoff, was eine erhöhte Nachfrage nach Kompressoren für diese Wasserstoff-Anwendungen mit sich brachte. Drittens stieg der Bedarf nach LNG (Liquefied Natural Gas) betriebenen Schiffen sowie LNG- und LPG-Tankern (Liquefied Petroleum Gas).

Eine Verdopplung im Vergleich zu 2017. Wie wollen Sie das abarbeiten?

Was LNG-Kompressoren betrifft, haben wir noch Produktionskapazitäten in der Schweiz. Wir können auch wenn nötig eine Montagehalle temporär dazu mieten, um Platz in der Fabrik freizumachen. Zudem können wir auch unser Montagewerk in Korea für LNG-Schiffe erweitern. Für andere Anwendungen haben wir auch die Möglichkeit, die Kapazität unseres Werks in den USA zu erweitern.

Allerdings ist die Produktion heute nicht der limitierende Faktor. Die eigentliche Herausforderung wird bald darin bestehen, zusätzlich erfahrene Ingenieure und Projektmanager einstellen zu können. Wir benötigen hochqualifizierte Mitarbeiter für bestimmte Aufgaben und können sie nicht von heute auf morgen ausbilden. Man muss dafür zwei bis drei Jahre einplanen. Neben unserer Basis in der Schweiz verfügen wir über drei Engineering-Zentren in Pune (Indien), Shanghai (China) beziehungsweise Mailand (Italien).

«Die eigentliche Herausforderung wird bald darin bestehen, zusätzlich erfahrene Ingenieure und Projektmanager einstellen zu können.»
Fabrice Billard, CEO Burckhardt Compression

Die Dividende wurde auf 7,50 Franken erhöht. Wie sieht die zukünftige Dividendenpolitik aus?

Wir streben seit einigen Jahren eine stabile Ausschüttungsquote von 50% bis 70% an. In diesem Jahr entsprach diese 50.6%, also am unteren Band. Denn gleichzeitig möchten wir unsere Eigenkapitalquote weiter stärken.

Bei Kompressoren, wie sie Burckhardt herstellt, denken viele Leute an recht primitive Druck-Maschinen. Wie sieht die reale Hightech-Seite aus?

Unsere Kolbenkompressoren basieren auf dem gleichen Prinzip wie Fahrradpumpen und das hat sich auch in den letzten 150 Jahren nicht verändert. Dennoch spielen Innovationen eine zentrale Rolle in unserem Geschäft und diese haben sich in den letzten zehn Jahren stark beschleunigt. So verbessern wir zum Beispiel ständig die Zusammensetzung und die Haltbarkeit der verwendeten Materialien. Wir sind übrigens der einzige Hersteller, der über ein eigenes F&E-Zentrum für Polymere verfügt und stellen unsere Polymere zudem selbst her.

«Wir sind übrigens der einzige Hersteller, der über ein eigenes F&E-Zentrum für Polymere verfügt und stellen unsere Polymere zudem selbst her.»

Haltbarkeit ist ein gutes Stichwort. Wieviel Umsatzanteil entfällt momentan aufs Servicegeschäft?

Im letzten Geschäftsjahr hat die Services Division 43% des Umsatzes beigetragen. Das Services Geschäft ist für uns sehr wichtig und wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Im Moment ist zum Beispiel die USA für uns sehr wichtig, wenn es um den Service von Wasserstoffkompressoren geht, da dies derzeit der grösste Markt für diesen Bereich ist. Ausserdem hat die Digitalisierung von Dienstleistungen ebenfalls eine hohe Priorität. Und schliesslich noch die Dienstleistungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen unserer Kunden. Dies ist insbesondere in der Schweiz, in Schweden und in Dänemark wichtig, da unsere Kunden ihre Emissionen über den CO2-Preis bezahlen. Diese Dienstleistung kann uns in Zukunft zusätzliches Wachstum bringen.

Durch die digitale Verarbeitung von Betriebsdaten werden auch unnötige Servicearbeiten vermieden und die Serviceintervalle optimiert. Wieviel Geld spart das?

Mit der Nutzung unserer digitalen Services, wie beispielsweise UP! Remote Support, kann es zu Einsparungen kommen, aber es geht primär darum, dem Kunden einen besseren und schnelleren Service zu bieten. Der Kunde trifft sich zum Beispiel vorher virtuell mit unserem Techniker und gemeinsam werden die anstehenden Arbeiten besprochen sowie Materialien und Ersatzteile bestellt. Ausserdem arbeiten wir im Moment gerade an Lösungen, die riesige Mengen an Kompressordaten wie Temperatur, Schwingung und vieles mehr miteinander vergleichen, um mittels Big-Data-Analysen Anomalien festzustellen, respektive Serviceintervalle noch weiter optimieren zu können.

Wasserstoff kann bis auf 900 bar verdichtet werden. Wo stehen da die technologischen Grenzen?

Wir stellen Kompressoren her, die Ethylen bis 3’500 bar verdichten, unsere sogenannten Hyper-Kompressoren. Das ist bei Wasserstoff nicht nötig. Hier hingegen ist speziell, dass das Wasserstoffmolekül extrem klein ist. Es neigt dazu, an den Seiten des Kolbens zu entweichen, was es sehr schwierig macht, es zu komprimieren. Daher müssen sehr spezielle Materialien verwendet werden, die den Kolben ohne Schmiermittel abdichten und die der Reibung und dem hohen Druck standhalten.

«Der LNG-Markt wird noch mindestens fünf Jahre lang wachsen und sich dann stabilisieren und später beginnen, allmählich zu schrumpfen.»

Es ist ja absehbar, dass in den nächsten Jahren immer mehr Schiffe Flüssiggas über die Meere schippern werden. Wie stark und in welche technologische Richtung wird dadurch das Wachstum von Burckhardt Compression beschleunigt?

Der LNG-Markt wird noch mindestens fünf Jahre lang wachsen und sich dann stabilisieren und später beginnen, allmählich zu schrumpfen, was mit den ökologischen Ambitionen der Staaten zusammenhängt. Wir sehen es als Übergangsenergie. Es hat den Vorteil, dass es vielseitig ist und weniger CO2 emittiert wie Kohle oder Oel. Aber sie ist keine langfristige Energie. Der Markt für Solarpaneele dürfte hingegen weiterwachsen. Wasserstoff ist ein Joker. Wir sind vorsichtig, was das genaue Wachstum dieses Marktes angeht, der jedoch bereits sehr konkret ist.

Liegt das grösste Wachstum für Sie weiterhin in Asien und im mittleren Osten?

Es ist richtig, dass Asien ein starkes Wachstum ausweist und da gerade China. Das Land ist gerade bei drei für uns wichtige Trends stark präsent: LNG mit Importterminals, Solarpaneele und Wasserstoff, dank der proaktiven Politik Pekings. In den nächsten fünf Jahren dürfte der Anteil Europas und der USA an unserem Mix jedoch zunehmen.

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