Giorgio Saraco, CEO Belvédère Asset Management, im Interview

Giorgio Saraco, CEO Belvédère Asset Management, im Interview
Giorgio Saraco, CEO Belvédère Asset Management. (Bild: BAM)

Von Sandra Willmeroth

Moneycab: Die Belvédère Asset Management (BAM) hat letztes Jahr ihr 20jähriges Jubiläum gefeiert. Und doch ist über Ihr Haus in der Presse wenig zu lesen. Betrieben Sie das Schweizer Banking still und verschwiegen ganz nach alter Schule?

Giorgio Saraco: Wir sind stolz, seit über 20 Jahren für unsere Familien und Kunden tätig sein zu dürfen. Die Belvédère hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und ihre Präsenz, insbesondere im Schweizer Markt, wesentlich erhöht. Für uns sind sämtliche Kommunikationskanäle wichtig und wir werden diese künftig noch intensiver nutzen, um am Markt noch präsenter zu sein.

Wie viele Kunden hat BAM? Wie viele davon aus dem Inland?

Wir haben insgesamt etwas über 400 Familien- und Individualkunden. Etwa 75% stammen aus der sogenannten DACH-Region, d.h. aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz.

Ende Juni lief die Frist ab, innert der die Bewilligung bei der Finma beantragt werden musste, um per 1.1.2023 die Bewilligung zu haben. Wie man hört, hat erst ein Bruchteil der rund 2300 Vermögensverwalter den Antrag gestellt. Ist BAM bereits FINMA-lizenziert?

Seit 2016 sind wir FINMA lizenziert und daher längst auf die regulatorischen Anforderungen vorbereitet und gerüstet. Für uns war es damals schon klar, dass sich das Umfeld in Bezug auf die Regulierung wesentlich ändern würde und es letztlich auch ein Kundenerfordernis darstellt.

Wie erklären Sie sich den Umstand, dass viele Vermögensverwalter offenbar noch nichts für die Bewilligung in die Wege geleitet haben?

Bei einigen besteht vielleicht immer noch die Hoffnung auf eine Fristverlängerung, was allerdings kaum eintreffen wird. Bei vielen wird sich ganz generell die Frage stellen, ob und wie es weitergehen soll, selbst bei solchen, die sich für eine Bewilligung angemeldet haben. Das Umfeld wird regulatorisch und kundenseitig anspruchsvoller. Das werden nicht alle stemmen können und wollen.

«Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten 1-2 Jahren zu einer Konsolidierung kommen wird.»

Giorgio Saraco, CEO Belvédère Asset Management

Wird dann die seit Jahren herbei geredete Konsolidierung im Markt stattfinden?

Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten 1-2 Jahren zu einer Konsolidierung kommen wird. Ich erwarte, dass die Anzahl Anbieter in ein paar Jahren wesentlich tiefer sein wird.

Sind bei BAM die Türen offen für kleinere Vermögensverwalter, die den Aufwand der FINMA-Lizenzierung nicht stemmen können oder wollen?

Unsere Türen sind offen, ja. Allerdings ist es wichtig, dass diese zu unserer Unternehmenskultur passen und die Kunden dadurch weiterhin optimal betreut und bedient werden können.

Sie sind seit rund 15 Jahren im Geschäft. Wo oder wie hat sich die Vermögensverwaltung im Laufe der Zeit aufgrund geänderter Regularien besonders stark verändert?

Viele der regulatorischen Änderungen machen durchaus Sinn, einige schiessen aber auch über das Ziel hinaus. Die Bedingungen gegenüber dem Kunden, der Depotbank und im Unternehmen selbst sind wesentlich anspruchsvoller geworden. Ein Beispiel ist die zwingende Festlegung eines Risikoprofils mit der dazugehörenden unabhängigen Überwachung. Der Aufwand für die Vermögensverwalter ist hier immens.

«’The way the Swiss do/execute the business› ist weltweit unbestritten und weiterhin sehr gefragt.

Sie haben rund 25 Prozent der Kunden aus dem Ausland. Hat das Schweizer Bank- und Vermögensverwaltungsgeschäft noch immer einen starken Brand?

Das hat es auf jeden Fall. Die Schweiz gilt als sicheres Land, weist eine langjährige Erfahrung im Finanzbereich aus und wir beschäftigen sehr gut ausgebildete Leute, welche professionell agieren. «The way the Swiss do/execute the business» ist weltweit unbestritten und weiterhin sehr gefragt.

Sie beschäftigen sehr viele Kundenberater und Beraterinnen, aber vergleichsweise wenig Asset Manager. Wie kommt das?

Mit Thomas Heller, unserem neuen Chief Investment Officer (CIO), haben wir ein starkes Signal gesetzt. Wir sind daran, unser Asset Management auszubauen und unseren Kundinnen und Kunden ein spannendes und noch professionelleres Angebot zu unterbreiten.

Das Jahr 2022 ist bislang kein erfreuliches Anlagejahr. Wie beruhigen Sie Ihre Kunden derzeit?

In der Tat ist es ein sehr herausforderndes Jahr. In solchen Phasen, die es immer wieder gegeben hat, ist es unabdingbar, an der vereinbarten Anlagestrategie festzuhalten und nicht in einen Aktionismus zu verfallen. Über eine längere Zeit betrachtet, hat sich dies praktisch immer als richtig erwiesen.

«Natürlich verfolgen wir den NFT Markt sehr genau, glauben aber, dass es wirtschaftlich (wenn die Möglichkeit besteht) immer noch sinnvoller ist, ein ganzes Werk zu erwerben.»

Die BAM diversifiziert mit Investitionen in Kunst und berät ihre Kunden auch beim Aufbau neuer Sammlungen. Ist BAM auch auf dem aktuellen Stand was NFT betrifft? Immerhin haben schon namhafte Künstler wie Damian Hurst medienwirksame Aktionen mit NFT gestartet.

Wir haben kürzlich eine Vernissage von bekannten Schweizer Künstlern (Amiet, Giacometti, Hodler Vallotton) in unseren Räumlichkeiten durchgeführt, zu der über 130 Interessenten gekommen sind. Wir verfügen über eine langjährige und breit abgestützte Erfahrung, was den Aufbau und die Bewirtschaftung von Sammlungen betrifft. Und natürlich verfolgen wir den NFT Markt sehr genau, glauben aber, dass es wirtschaftlich (wenn die Möglichkeit besteht) immer noch sinnvoller ist, ein ganzes Werk zu erwerben.

Wie stehen Sie insgesamt dem Thema Kryptowährungen und Token gegenüber? Wie ist das Interesse Ihrer Kunden an diesen Themen?

Wir haben diverse Informationsanlässe zu diesem Thema durchgeführt, welche positiv aufgenommen wurden. Punktuell gibt es Kunden, die darin engagiert sind und waren. In der Breite setzen wir es in der Vermögensverwaltung aber nicht ein, letztlich aufgrund der sehr hohen Volatilität sowie der schwierigeren bis unmöglichen Bewertung. Kryptowährungen sind nicht jedermanns Sache.

Stehen noch andere Ausbaupläne an bei BAM? Sind neue Produkte für den öffentlichen Markt, die Erschliessung neuer Regionen oder neuer Zielgruppen geplant?

Der Fokus liegt auf dem Ausbau unseres Angebots aus dem Asset Management heraus. Wir sind überzeugt, dass wir aufgrund unserer Erfahrung und unseres Kundennetzwerks die eine oder andere Anlagelösung für den Markt präsentieren können. Und natürlich sind wir in unserem Multi-Family Office auch offen für weitere Familien.

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