Guido Stäger, CEO der Schweizer Zucker AG, im Interview

Guido Stäger
Guido Stäger, CEO Schweizer Zucker AG. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Stäger, der Betriebsverlust der Schweizer Zucker AG stieg im vergangenen Jahr von 6 auf 9,2 Millionen Franken. Welche zwei Hauptfaktoren bräuchte es für einen break-even?

Guido Stäger: Einen höheren Zuckerpreis. Obwohl der EU- und damit der Importreferenzpreis etwas gestiegen sind, leiden wir immer noch unter den tiefen Verträgen aus den vergangenen Jahren. Und die gesunkenen Anbauflächen und Erträge führen zu einer ungenügenden Auslastung mit hohen Stückkosten.

Die Schweizer Zucker AG wird ab Herbst dieses Jahres Schweizer Äthanol produzieren. Vorher kam so gut wie alles aus dem Ausland. Hat Corona zu einem Umdenken geführt?

Nicht nur. Wir sind schon einige Jahre an der Entwicklung dieses Projektes. Corona hat aber deutlich gezeigt, wie wichtig für kritische Güter die eigene Landesversorgung ist. Das gilt übrigens nicht nur für Ethanol, sondern auch für Zucker.

«Corona hat deutlich gezeigt, wie wichtig für kritische Güter die eigene Landesversorgung ist. Das gilt übrigens nicht nur für Ethanol, sondern auch für Zucker.»
Guido Stäger, CEO der Schweizer Zucker AG

Geplant ist auf dem Gelände der Zuckerfabrik Aarberg eine Produktionskapazität von jährlich maximal 700’000 Litern reinen Alkohols. Wie hoch ist das Investitionsvolumen?

In einem tiefen einstelligen Millionenbereich.

Eine Alkohol-Qualität wird speziell für den Einsatz im Trinkbereich auf den Markt kommen, die andere ist Ausgangsstoff für Anwendungen im Gesundheitswesen, der Industrie und in der Kosmetik. Im Moment wird natürlich viel Äthanol für die Händedesinfektion vor den Geschäften gebraucht. Wieviel vom gesamten Kuchen macht das im Moment aus?

Die genauen Marktzahlen kennt unser Partner alcosuisse. Wir sehen vor, im Herbst mit der Produktion zu beginnen. Das hergestellte Ethanol in Rohform werden wir der alcosuisse zuführen, die dann wiederum die weitere Veredelung vornimmt und somit auch die Aufteilung für die verschiedenen Verwendungszwecke vornimmt. Wichtig wird sein, in welchen Marktsegmenten sich die Schweizer Herkunft, gepaart mit sehr hoher Qualität durchsetzt und damit dieser Mehrwert auch bezahlt wird.

Auch die Zuckerrüben leiden an einem Virus, und zwar der virösen Vergilbung. Diese Krankheit führte letztes Jahr in der Westschweiz beinahe flächendeckend zu Ertragsverlusten zwischen 30 und 50 Prozent. Wie ist da jetzt der Stand der Dinge?

Ja, die Krankheiten machen uns grosse Sorgen. Die Bekämpfung hängt einerseits von den Wetterbedingungen ab. Der kalte Winter hat sicher etwas zur Reduktion des Schädlingsdruck beigetragen. Und dann kommt es auf die zugelassenen Pflanzenschutzmittel an, um die Blattläuse effizient bekämpfen zu können.

Kann der «Gaucho zur Saatgutbeizung» die Rettung sein?

Jedes Pflanzenschutzmittel hat seine spezifische Wirkung. Das gilt auch für Gaucho. Es ist als Beizmittel effizient und wird nur in sehr kleinen Dosen eingesetzt. Doch Gaucho ist in der Schweiz aktuell nicht zugelassen und deshalb auch keine Rettungsoption. Das BLW hat aber zwei alternative Mittel zugelassen und ein drittes ist in Prüfung. Wir sind zuversichtlich, damit die viröse Vergilbung dieses Jahr besser zu kontrollieren. Aber es ist schon bedenklich, wenn in der Schweiz die Auflagen im Vergleich zum Ausland viel höher sind und durch die zur Abstimmung kommenden Initiativen vielleicht noch höher werden – und dann einfach Zucker importiert werden kann, der diese Auflagen nicht erfüllt.

«Gaucho ist in der Schweiz aktuell nicht zugelassen und deshalb auch keine Rettungsoption.»

Im Vergleich zu den 80er Jahren ist der Rübenpreis um über zwei Drittel gefallen. Kann die Äthanolisierung zu höheren Preisen und daher höheren Einkünften bei den Bauern führen?

Im Vergleich zur Zuckerproduktion wird die Ethanolproduktion vorerst einen sehr kleinen Anteil ausmachen. Die Nachfrage wird künftig entscheiden, ob und wie rentabel die Produktion sein wird. Aber es ist richtig, unsere Diversifikationsstrategie soll uns weniger abhängig vom Zuckerpreis machen, mit dem Ziel stabile Rübenpreise zahlen zu können.

Muss weiter der Staat die Versorgungssicherheit garantieren?

Der Staat ist heute schon verpflichtet, gewisse Lagerbestände zu halten. Mit unserem Ethanol wäre das aber Ethanol aus landeseigener Produktion. Auch beim Zucker brauchen wir stabile Rahmenbedingungen und nicht immer mehr Auflagen, die uns gegenüber den Importen aus der EU benachteiligen.

Die SZU besitzt ein Drittel, gleich 5 Millionen Franken Stamm-Kapital, am Holzkraftwerk Aarberg. In Aarberg wird bald das grösste schweizerische Altholzkraftwerk in Betrieb genommen, und am Standort kann dann mit 70 Prozent erneuerbarer Energie Zucker produziert werden. Bis wann sind die 32 Millionen, welche die SZU in das Gemeinschaftsprojekt investiert hat, amortisiert?

Auch das ist ein Diversifikationsprojekt, das uns weniger abhängig vom Energiepreis machen soll. Ganz wichtig ist aber auch der Nachhaltigkeitsgedanke (der CO2-Ausstoss wird in Aarberg um 70% reduziert), dass wir Kosten sparen, aber auch einen Mehrwert für unsere Kunden generieren, den wir durch einen höheren Verkaufspreis abgegolten haben möchten. Die Payback-Dauer von Energie- oder Nachhaltigkeitsprojekten ist aber lang – beim Holzkraftwerk über zehn Jahre.

Wann wird das neue Holzkraftwerk vermutlich in Betrieb gehen?

Es läuft im Testbetrieb, und speist Strom und Wärme. Wir planen die offizielle Eröffnung im Juni 2021.

«Mit Swiss Beta Pectin haben wir eine innovative, pflanzliche Alternative zu üblichen Emulgatoren gefunden.»

Gibt es spannende Neuigkeiten von der wissenschaftlichen Zuckerrübenforschung?

Immer! Beispielsweise bei der Produktion von Pektin. Mit Swiss Beta Pectin haben wir eine innovative, pflanzliche Alternative zu üblichen Emulgatoren gefunden. Dabei wird Pektin als natürlicher Inhaltsstoff aus der Zuckerrübe extrahiert. Für die Lebensmittelindustrie ist das von hohem Interesse, braucht es doch eine mehrfach reduzierte Dosierung im Vergleich zu anderen Emulgatoren. Bei unserem Pektin sind neben den tiefen Kosten vor allem die Schweizer Qualität und die Herkunft wichtig. Aber auch da braucht es Zeit, bis wir uns im Markt etablieren können.


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