Holger Laubenthal, CEO Cembra, im Interview
von Sandra Willmeroth
Moneycab.com: Herr Laubenthal, der Reingewinn von Cembra ist 2025 um fünf Prozent auf 179.6 Millionen Schweizer Franken gestiegen, obwohl die Nettoerträge um zwei Prozent auf 542.2 Millionen Schweizer Franken zurückgegangen sind. Ist die Gewinnsteigerung primär ein Kostenthema?
Holger Laubenthal: Die Gewinnsteigerung wurde unterstützt durch eine konsequente Strategieumsetzung, eine strukturell tiefere Kostenbasis, ein umsichtiges Risikomanagement und Wachstum in profitablen Segmenten.
Trotz rückläufiger Zinserträge bleibt die Nettozinsmarge mit 5.5 Prozent nahezu stabil. Welche konkreten Hebel – Preisgestaltung, Refinanzierungskosten, Portfoliomix – waren hier entscheidend?
Alle drei: bewusstes Pricing, ein ausgewogenes Portfoliomanagement und tiefere Refinanzierungskosten. Massgeblich war eine sorgfältige Balance zwischen Volumen, Ertrag, und Risiko.
Die Nettoforderungen sinken um ein Prozent auf 6.6 Milliarden Schweizer Franken, insbesondere durch einen Rückgang der Privatkredite um sechs Prozent, während Fahrzeugfinanzierungen um drei Prozent wachsen. Ist das eine bewusste strategische Verschiebung hin zu besicherten Finanzierungen?
Wir steuern unsere Finanzierungen gemäss den genannten Hebeln. Vor dem Hintergrund eines aktuell weniger berechenbaren wirtschaftlichen Umfelds sind wir bewusst selektiv gewachsen mit klarer Risikodisziplin und einem Fokus auf das besicherte Geschäft.
Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis verbessert sich deutlich von 48.1 Prozent auf 45.2 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Personalaufwand um zehn Prozent, während die Informationstechnologie-Kosten um vier Prozent steigen. Handelt es sich um eine strukturelle Effizienzsteigerung durch Automatisierung – oder um temporäre Effekte?
Wir haben unsere Kostenbasis strukturell gesenkt und werden dies weiterhin tun. Dies ist Ausdruck der fortgesetzten Digitalisierung, Automatisierung und Prozessoptimierung – das reduziert Komplexität und schafft nachhaltige Skalierbarkeit. Gleichzeitig investieren wir gezielt in Technologie, was die IT Kosten leicht erhöht. Das ist Teil unserer Transformation und stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig.
Die Verlustquote bleibt stabil bei 1.1 Prozent Angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten: Sehen Sie erste Frühindikatoren für steigende Ausfallrisiken im Schweizer Konsumkreditmarkt?
Die Verlustquote liegt im erwarteten Bereich entsprechend dem langfristigen Trend. Natürlich beobachten wir das wirtschaftliche Umfeld aufmerksam, und einige Kundengruppen spüren den Druck höherer Lebenshaltungskosten. Dank unseres aktiven Risikomanagements, einer selektiven Kreditvergabe und hohen Portfolioqualität erwarten wir aber bei unserer Verlustquote keine wesentliche Änderung gegenüber dem aktuellen Niveau.
«Wir beobachten das wirtschaftliche Umfeld aufmerksam. Einige Kundengruppen spüren den Druck höherer Lebenshaltungskosten.»
Sie haben 2025 ein Covered-Bond-Programm eingeführt und die Refinanzierungskosten auf 1.33 Prozent gesenkt. Wie stark verbessert dieses Instrument Ihre strategische Flexibilität – und planen Sie eine weitere Ausweitung kapitalmarktbasierter Refinanzierung?
Das Covered Bond Programm stärkt unsere Refinanzierungsstruktur nachhaltig und verschafft uns Zugang zu einer zusätzlichen langfristigen, kosteneffizienten und stabilen Finanzierungsquelle.
Mit einer Tier 1-Kapitalquote von 17.6 Prozent verfügen Sie über eine sehr komfortable Kapitalbasis. Wie entscheiden Sie, welcher Teil dieses Kapitals für Wachstum vorgehalten wird – und welcher Teil an die Aktionäre zurückfliesst?
Wir verfolgen ein aktives Kapitalmanagement mit klaren Prioritäten: stark kapitalisiert bleiben, gezielt investieren und unseren Aktionärinnen und Aktionären eine attraktive Ausschüttung bieten. Zum jetzigen Zeitpunkt und im aktuellen Umfeld hat sich der Verwaltungsrat entschieden, einen Teil des überschüssigen Kapitals an die Aktionärinnen und Aktionäre auszuschütten. Für das erwartete Wachstum verfügen wir über ausreichend Kapital.
Die neue Leasingplattform ist vollständig implementiert, und über 600’000 Nutzer sind auf der Cembra App registriert. Wie verändert diese technologische Infrastruktur Ihre operative Skalierbarkeit und Ihre Kostenstruktur pro Kunde?
Strategische Initiativen wie die neue Leasingplattform und unsere App machen uns deutlich schneller, effizienter und kundenorientierter. Wir können unseren Kundinnen und Kunden mehr bieten und mehr Volumen verarbeiten, ohne dass die Kosten steigen. Viele Schritte laufen automatisiert oder über Self-Service – das senkt Komplexität und steigert die Servicequalität. Diese Infrastruktur ist ein wichtiger Baustein unserer künftigen Skalierbarkeit.
«Strategische Initiativen wie die neue Leasingplattform und unsere App machen uns deutlich schneller, effizienter und kundenorientierter»
Der Technologie- und Dienstleistungs-Hub in Riga wurde weiter ausgebaut. Welche Funktionen werden dort gebündelt und wie gross ist das langfristige Effizienz- und Innovationspotenzial dieses Set-ups?
Wir haben in Riga ein hochqualifiziertes Team von IT- und Service-Spezialisten, das zu einem integralen Bestandteil von Cembra geworden ist. Die zusätzliche Technologie- und Dienstleistungskompetenz ist bereichernd für die ganze Bank und darauf bauen wir weiter auf.
«Für 2026 sind Kosteneinsparungen von 15 bis 20 Millionen geplant»
Für 2026 stellen Sie eine Eigenkapitalrendite von rund 15 Prozent in Aussicht. Welche strategischen Hebel sind aus Ihrer Sicht entscheidend, um diesen Zielwert nachhaltig zu erreichen?
Über das Dreieck Volumen, Preis und Risiko im Lending-Geschäft habe ich schon gesprochen. Das wollen wir weiter optimieren. Daneben fokussieren wir uns auf den Ausbau des Kommissionsgeschäfts. Da haben wir verschiedene Initiativen in Planung oder bereits gestartet, wie beispielsweise das neue Vorteilsprogramm unserer Certo! Kreditkarte, das auf dem Schweizer Markt einzigartig ist. Zudem werden wir unsere Effizienz weiter erhöhen. Für 2026 sind Kosteneinsparungen von 15 bis 20 Millionen geplant.
Der Schweizer Markt für Konsumfinanzierung wird durch Regulierung, Digitalisierung und neue Wettbewerber – etwa Finanztechnologie-Unternehmen – geprägt. Wo sehen Sie die grössten strukturellen Risiken für Ihr Geschäftsmodell – und wo die grössten strategischen Chancen für Cembra in den kommenden fünf Jahren?
Das Umfeld ist dynamisch und wettbewerbsintensiv, die Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten ändern sich ständig. Regulatorische Veränderungen und der Wettbewerb erfordern Klarheit und Fokus – beides haben wir. Unsere digitale Infrastruktur, unsere starke Kapitalbasis und unser disziplinierter Ansatz bei der Umsetzung unserer Strategie geben uns die Möglichkeit, gezielt zu wachsen. Besonders im Bereich integrierter Finanzierung, flexibler Zahlungsmöglichkeiten und digitaler Services sehen wir weiteres Potenzial. Ein entscheidender Vorteil ist dabei unsere jahrzehntelange Markterfahrung, die Nähe zu unserer Kundschaft, und unsere einzigartig breite Produktpalette. So können wir sowohl Partner als auch Endkundinnen und Endkunden jederzeit flexibel und entsprechend ihrer Bedürfnisse bedienen.