Jacques Sanche, CEO Bucher Industries, im Interview

Jacques Sanche
Bucher-CEO Jacques Sanche. (Foto: Bucher)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Sanche, Nutzmaschinenhersteller wie Bucher Industries, Caterpillar oder CNH Industrial gehörten in den letzten zwei Jahren eindeutig zu den Überfliegern an der Börse. Überrascht Sie das?

Jacques Sanche: Der Anstieg der Aktienkurse ist vorwiegend marktgetrieben. Das weltweite Wirtschaftswachstum hat massgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen. Der Aktienkurs von Bucher Industries profitierte von diesen konjunkturellen Verbesserungen und nicht zuletzt von der Ende 2016 einsetzenden Erholung im Landwirtschaftssektor. Bucher Industries kommt aber sicher auch zugute, dass die Firma schon seit Jahrzehnten für Langfristigkeit, Kontinuität und Stabilität steht. Das macht die Aktie bei Anlegern beliebt.

Die Produktivität der Erdscholle kann jährlich um zwei Prozent gesteigert werden. Haben Maschinen an dieser Flächenproduktivität den grössten Anteil, seit die Chemie etwas in Verruf geraten ist?

Chemie und Saatgut sind nach wie vor wichtige Faktoren in der Landwirtschaft. Hierfür werden wiederum geeignete Landmaschinen benötigt, die Dünger und Saatgut präzise und ressourcenschonend ausbringen. Da immer weniger Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig sind, spielt die Mechanisierung eine umso bedeutendere Rolle, um höhere Erträge für die wachsende Weltbevölkerung zu produzieren.

Der US-Markt entwickelte sich vor allem für die Kuhn Group als grösste von Buchers fünf Divisionen weniger dynamisch als Europa. Das gleiche galt im letzten Jahr für Bucher Hydraulics. Ist das bereits der Vorbote des US-Protektionismus?

Über alle Divisionen gesehen, hat sich die Umsatzentwicklung in Nordamerika im letzten Jahr verbessert, wenn auch nicht überall auf hohem Niveau. Im Landwirtschaftssektor leiden die Landwirte noch unter tiefen Einkommen, die sich vor allem durch ein Überangebot an Getreide und entsprechend tiefe, volatile Preise erklären lassen. Zudem stagniert der Milchpreis in Nordamerika auf tiefem Niveau. Wir beobachten die politische Entwicklung in den USA natürlich sehr genau, konnten aber noch keine Verwerfungen ausmachen. Bislang ist noch offen, wie die angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte ausgestaltet werden, oder welche Konsequenzen der Austritt der USA aus der NAFTA hätte. Klar ist aber, dass allfällige Massnahmen alle Maschinenhersteller gleichermassen treffen würden.

Im wichtigen Markt Grossbritannien führten die Unsicherheit bezüglich des Brexit-Entscheids und das schwächere Pfund zu einem langsameren Geschäftsverlauf. Hat das jetzt gedreht? Schliesslich hat das Pfund ja gerade einen erstaunlichen Turnaround hinter sich, und beim Brexit geht es nur noch um Details.

Grossbritannien ist vor allem für die Kanalreinigungs- und Kehrfahrzeuge von Bucher Municipal der wichtigste Markt. Der unmittelbare Schock nach der Bekanntgabe von Brexit scheint verarbeitet zu sein. Unsicherheiten sind aber durchaus noch spürbar, so dass wir für 2018 von einem geringen Wachstum ausgehen. Eine Ernüchterung könnte sich nach dem Austritt in 2019 wieder einstellen.

«Bislang ist noch offen, wie die angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte ausgestaltet werden, oder welche Konsequenzen der Austritt der USA aus der NAFTA hätte. Klar ist aber, dass allfällige Massnahmen alle Maschinenhersteller gleichermassen treffen würden.» Jacques Sanche, CEO Bucher Industries

Eines Ihrer wichtigsten Einzelprojekte war ein Landkauf in Russland. Was wird dort genau geschehen?

Russland bietet ein grosses landwirtschaftliches Potential. Der Investitionsbedarf der russischen Agrarbetriebe ist hoch. Die guten Getreideernten der letzten Jahre, das Embargo wie auch steigende Preise für Milch und Fleische kurbeln die Nachfrage nach Landtechnik noch weiter an. Kuhn Group hat Produkte entwickelt, die sich gerade für die grossflächigen Agrarbetriebe Russlands besonders eignen. Um die Kunden schneller beliefern, mit Ersatzteilen versorgen und einen umfassenden Service sicherstellen zu können, hat Kuhn Group 2017 ein Grundstück in der Agrarregion Woronesh erworben. Mit dem Bau eines Vertriebs-, Montage- und Servicecenters wollen wir unsere lokale Präsenz in Russland verstärken. Der Spatenstich erfolgt noch in diesem Jahr.

Bei Bucher Emhart Glass war die Betriebsgewinnmarge von „Massnahmen“ beim chinesischen Joint Venture Sanjin belastet. Was ist darunter zu verstehen?

Mit der Einführung eines neuen ERP-Systems bewertete Bucher Emhart Glass die Lagerbestände neu. In der Folge haben wir Wertkorrekturen vorgenommen, wodurch Einmalkosten angefallen sind, die sich negativ auf die Betriebsgewinnmarge auswirkten.

Die grossen Maschinen von Bucher Emhart Glass sind in ihrem Bestellzyklus sehr konjunktursensibel. Spüren Sie jetzt auch bei Emhart, dass fast überall auf der Welt die Konjunktur einen Zacken zugelegt hat?

Der Aufwärtsschwung der Weltwirtschaft führte 2017 zu einer markant gestiegenen Nachfrage nach den spezialisierten Produkten von Bucher Industries, so dass wir den Auftragseingang insgesamt um 20 Prozent erhöhen konnten. Bucher Emhart Glass verzeichnete im letzten Jahr einen Zuwachs im Auftragseingang um starke 28 Prozent und startete mit einem Rekord-Auftragsbestand von plus 64 Prozent ins neue Jahr. Vor allem in Nordamerika zog die Nachfrage an, und auch China begann sich auf tiefem Niveau zu erholen. Der Geschäftsgang der Division unterliegt gewissen Schwankungen, nicht zuletzt wegen den teils langen Vorlaufzeiten im Projektgeschäft.

«Kuhn Group hat Produkte entwickelt, die sich gerade für die grossflächigen Agrarbetriebe Russlands besonders eignen.»

Bucher Industries‘ Auftragsbestand liegt um fast ein Drittel höher als im Vorjahr. Wie stark könnte er weitersteigen, ehe es zu Kapazitätsengpässen käme, und welche Division wäre am stärksten betroffen?

Die Divisionen konnten 2017 den hohen Auftragseingang dank ihrer flexiblen Strukturen fristgerecht bewältigen. Einzelne Standorte kommen nun in der Tat an ihre Kapazitätsgrenzen. Mit dem Bau eines neuen Logistikzentrums am Produktionsstandort Saverne von Kuhn Group beispielsweise oder der Konzentration der Kehrfahrzeugproduktion in England und Lettland erhöhen wir unsere Produktivität und optimieren Lieferzeiten. An anderen Standorten investieren wir in zusätzliche Maschinen.

Die in vielen Ländern schlechte Traubenernte erschwerte das Geschäft bei Bucher Specials, welche als einzige Division kaum wuchs. Specials ist ein sehr verzweigter Geschäftsbereich bei Bucher. Zwecks Verschlankung der Prozesse und Strukturen wurde dort 2017 die Bucher Filtrox System AG mit der Bucher Unipektin AG fusioniert. Gibt es weitere Synergieoptionen?

Wir prüfen laufend mögliche Optimierungspotentiale, sei dies bei Strukturen, Prozessen oder beim Produktemix. Entsprechende Massnahmen werden unabhängig vom Geschäftsbereich ergriffen und erfolgen da, wo wir die Chance sehen, uns noch weiter zu verbessern und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Auf Ende 2017 hatte Bucher Industries wieder flüssige Mittel in Höhe von einer halben Milliarde, und die nächste Anleihe ist erst 2020 fällig. Sie wissen, welche Frage jetzt kommen muss?

Bucher Industries investiert laufend in die Forschung und Entwicklung, den Ausbau und die Modernisierung seiner Produktionsinfrastruktur wie auch in geeignete Akquisitionen. Wir suchen gezielt nach passenden Firmen, die uns Zugang zu Märkten, artverwandten Produkten, Technologien oder Know-how verschaffen. 2017 haben wir zwar keine Firma übernommen, doch prüfen wir laufend mögliche Optionen.

Zum Gesprächspartner:
Jacques Sanche aus Männdorf studierte BWL an der HSG. Am St. Galler Institut für Wirtschaftsinformatik hat er promoviert. Seinen Berufseinstieg machte er als Berater bei der Information Management Group, St. Gallen und bei der Boston Consulting Group, München, ehe er 1997 zur Walter Meier Holding stiess. Dort avancierte er zum stellvertretenden CEO. Im September 2007 wurde Jacques Sanche CEO der BELIMO Holding AG, Hinwil, und seit 2016 ist er CEO der Bucher Industries.

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